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Bernhard Heiliger

„Kosmos 70“, 1963-69. Die Skulptur hing von 1970 bis 1994 im Westfoyer des Reichstagsgebäudes/Die künftige Hängung im Marie-Elisabeth-Lüders-Haus Bildinformationen öffnen
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„Kosmos 70“, 1963-69. Die Skulptur hing von 1970 bis 1994 im Westfoyer des Reichstagsgebäudes/Die künftige Hängung im Marie-Elisabeth-Lüders-Haus

© Matthias Hamel/Visualisierung: Stephan Braunfels Architekten

Bernhard Heiliger, geboren am 11. November 1915 in Stettin, gestorben am 25. Oktober 1995 in Berlin

Bernhard Heiliger, einer der bedeutendsten Bildhauer der Bundesrepublik Deutschland, wurde vor 100 Jahren geboren und starb vor 20 Jahren. Seine zugleich monumentale und filigrane Skulptur „Kosmos 70“ für den Westeingangsbereich des Reichstagsgebäudes hing dort von 1970 bis 1994 – durch die Glaswand des Plenarsaales für alle Abgeordneten sichtbar. Sie war avantgardistisches Kunstwerk und zugleich politisches Signal der westdeutschen Demokratie in dem unmittelbar an der Mauer gelegenen Parlamentsgebäude.

Heiliger war ein politisch bewusster und gestaltender Künstler. Er hat seine Kunstwerke zwar in erster Linie als ästhetische Gebilde geschaffen, viele der Werke aber gewannen bald den Rang politischer Symbole, wie beispielsweise die Großskulptur „Flamme“ auf dem Ernst-Reuter-Platz in Berlin, und haben sich als identitätsstiftend für Staat und Gesellschaft der Bundesrepublik Deutschland erwiesen. Auch von der Skulptur „Kosmos 70“ im Reichstagsgebäude ging ein geradezu demonstrativer politischer Appell zur Wiedervereinigung aus, wie er sich im werkstattinternen Namen „Posaunen von Jericho“ ausdrückte und im Gefüge der zwei nach oben aufeinander zustrebenden Gebilde erkennbar wurde. Zugleich sollte die Modernität der Skulptur ein Zeichen setzen, ein Zeichen der Liberalität und Offenheit der westlichen Kunstszene gegen die Enge der offiziellen Staatskunstdoktrin der DDR.

Als die Skulptur im Zuge des Umbaus des Reichstagsgebäudes eingelagert werden musste, beschloss der Kunstbeirat des Deutschen Bundestages, für die Skulptur einen neuen Präsentationsort in den Parlamentsbauten zu schaffen. Der Münchner Architekt Stephan Braunfels, der bereits das Paul-Löbe- und das Marie-Elisabeth-Lüders-Haus entworfen hatte, erhielt den Auftrag, den künftigen neuen Eingangsbereich zum erweiterten Marie-Elisabeth-Lüders-Haus so zu gestalten, dass die Skulptur „Kosmos 70“ den ihr angemessenen Raum findet: Sie wird oberhalb der großen Treppenanlage schweben und mithin in gleicher Weise wie im Reichstagsgebäude die Besucher des Parlamentes willkommen heißen – seinerzeit im Westen der Spree, nunmehr auf ihrer Ostseite. Sie wird die Besucher in den Gebäudekomplex des Marie-Elisabeth-Lüders-Hauses hineinleiten, der durch den „Sprung“ über die Spree zum Paul-Löbe-Haus architektonisch und symbolisch Ost und West im Parlamentsviertel verbindet.

Text: Andreas Kaernbach, Kurator der Kunstsammlung des Deutschen Bundestages