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Dani Karavan

Grundgesetz 49, Glasstelen und Cortenstahlbänder und -säulen, 1998/2003, Jakob-Kaiser-Haus, Hof von Haus 3 und Spreepromenade, Berlin Bildinformationen öffnen
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Grundgesetz 49, Glasstelen und Cortenstahlbänder und -säulen, 1998/2003, Jakob-Kaiser-Haus, Hof von Haus 3 und Spreepromenade, Berlin

© DBT/Stephan Erfurt

Dani Karavan, geboren am 7. Dezember 1930 in Tel Aviv, lebt und arbeitet in Tel Aviv, Paris und Florenz

Am 7. Dezember 2015 wird Dani Karavan, Mitglied des Ordens Pour le Mérite, 85 Jahre alt. Der israelische Künstler, der in Berlin, Köln, Düsseldorf, Duisburg, Regensburg und Nürnberg mit bedeutenden Installationen im öffentlichen Raum vertreten ist, entwarf nach Studien in Jerusalem und Tel Aviv zunächst Bühnenbilder. Bekannt wurde er mit dem monumentalen Wandrelief für den Plenarsaal der Knesset in Jerusalem sowie dem großen Landschaftsprojekt Beer Sheva in der Wüste Negev. Seitdem gestaltete er immer wieder ganze Stadt- oder Landschaftsräume. Seine Arbeitsweise lässt sich daher nicht in die herkömmlichen Kategorien des Schaffens von Architekten, Bildhauern, Environment- oder Konzept-Künstlern einordnen. Vielmehr verbindet er Elemente aus all diesen Bereichen zu einem neuen, raumgreifenden und die Natur einbeziehenden Gesamtkunstwerk.

Im Sinne einer solchen umfassenden Raumgestaltung bestimmt seine Installation „Grundgesetz 49“ das Erscheinungsbild des Jakob-Kaiser-Hauses einschließlich der Spreeuferpromenade. Er hat den Hof, der sich zur Spree hin öffnet, so geplant, dass eine Verbindung zwischen Innenhof und Außenbereich entsteht. Der Hofbereich wird durch die Abgrenzung mit Glasplatten optisch geöffnet und ein freier Blick auf die Büros der Abgeordneten ermöglicht. Aus dem Innenhofbereich heraus schieben sich unter diesen Glasplatten strahlenförmige Bodenstrukturen – Vegetations- und Metallflächen – bis an die Spree. Aus ihnen ragen sechs monumentale Cortenstahl-Säulen heraus. Ein Baum aus der Baumreihe entlang der Spree „überspringt“ die Glasbrüstung und findet seinen Platz nunmehr hinter den Glasscheiben. In jede der 19 Glasplatten ist eines der 19 Grundrechte des Grundgesetzes in der Fassung aus dem Jahre 1949 mit Laser eingraviert. Die klare, von allen Zusätzen und Ergänzungen freie Formulierung aus dem Jahre 1949 hebt das Wesentliche des Grundgesetzes und der Grundrechte hervor. So stehen die Grundrechte Bürgern und Abgeordneten wortwörtlich „vor Augen“ und werden auf eine neue, eindringliche Weise sichtbar gemacht.

In unmittelbarer Nähe zum Reichstagsgebäude und zum Brandenburger Tor hat Dani Karavan eine weitere beeindruckende Installation geschaffen, das Denkmal für die im Nationalsozialismus ermordeten Sinti und Roma Europas. Eines seiner bekanntesten internationalen Werke ist der Gedenkort „Passagen“ im spanischen Port Bou zur Erinnerung an den dort auf der Flucht vor den Nationalsozialisten verstorbenen Walter Benjamin.

Text: Andreas Kaernbach, Kurator der Kunstsammlung des Deutschen Bundestages