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Soziologin mit Sinn für Gerechtigkeit: Annette Groth

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Annette Groth (DIE LINKE.)

© DBT/ Renate Blanke

Annette Groth ist Entwicklungssoziologin und seit Oktober 2009 Abgeordnete der Fraktion Die Linke im Deutschen Bundestag. Die Bielefelderin ist menschenrechtspolitische Sprecherin ihrer Fraktion, und dafür ist sie prädestiniert. Annette Groth, die von sich behauptet "Ich vertrat schon immer linke Positionen", arbeitete einige Jahre als wissenschaftliche Mitarbeiterin am europäischen Forschungsinstitut Ecumenical Research Exchange (ERE) in Rotterdam mit Schwerpunkt Wanderarbeit in der EU.

Schnellkarriere in der Partei

Sie war Education Officer beim Hohen Flüchtlingskommissar der Vereinten Nationen (United Nations High Commissioner for Refugees - UNHCR) in Genf und Gastdozentin an verschiedenen Hochschulen. Im Jahr 2007 fusionierte die "Wahlalternative Arbeit und soziale Gerechtigkeit" (WASG), deren Mitglied sie war, mit der PDS.

Damit wurde die Menschenrechtlerin Mitglied der vereinigten Partei Die Linke. 2009 kandidierte sie auf der Landesliste Baden-Württemberg für den Bundestag und schaffte auf Anhieb den Einzug ins Parlament - eine Schnellkarriere in der Partei.

Kindheit in Namibia

Aufgewachsen ist Annette Groth in Gadderbaum bei Bielefeld. Als Kind lebte sie mit ihren Eltern zwei Jahre in Namibia, wo ihr Vater Pfarrer und Präses der weißen Kirche war.

Von dieser Zeit sagt sie heute: "Damals ist bei mir der Grundstein für einen ausgeprägten Gerechtigkeitssinn gelegt worden, denn es war die Zeit schlimmster Apartheid, die ich als Kind dort erlebte. Mein Vater war ein großes Vorbild für mich, denn er kämpfte gegen die Apartheid in der Kirche, die auch dort damals leider Alltag war. Mein Vater sagte mir, dass man Respekt vor anderen Menschen haben und deren Lebensformen achten muss. Er lud seine afrikanischen Kollegen in unser Haus ein - was unter den damaligen Verhältnissen nicht nur unüblich, sondern auch heftig kritisiert wurde, auch von Kirchenleuten".

Soziologin und Fremdsprachentalent

Nach dem Abitur studierte Annette Groth ab 1974 an der Freien Universität Berlin Entwicklungssoziologie, Volks- und Betriebswirtschaftslehre sowie Internationale Politik und schloss das Studium als Diplom-Soziologin erfolgreich ab. Mit dieser Qualifikation fand die junge Absolventin eine Arbeitsstelle als wissenschaftliche Mitarbeiterin am europäischen Forschungsinstitut in Rotterdam, außerdem hatte sie exzellente Fremdsprachenkenntnisse vorzuweisen.

Annette Groth spricht Englisch, Holländisch, Spanisch und Französisch. Später arbeitete die Soziologin in der Geschäftsstelle der Evangelischen Studentengemeinde Stuttgart als Ökumene-Referentin und beim Diakonischen Werk der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD).

Gründungsmitglied von Attac Deutschland

Ihr bisheriges Leben war davon bestimmt, dass sie sich für die Schwächeren in der Gesellschaft einsetzt, was sich nicht zuletzt in ihrem Engagement für Attac Deutschland zeigt, deren Gründungsmitglied sie in Stuttgart ist.

"Bei Attac", sagt Annette Groth, "habe ich einige Projekte wie die Anti-GATS-Kampagne (Allgemeines Abkommen über den Handel mit Dienstleistungen) und die Auseinandersetzung mit der EU-Politik initiiert. Wichtig ist dabei, immer auf den Zusammenhang zwischen Lissabon-Strategie, der Agenda 2010 und den Hartz-IV-Gesetzen hinzuweisen."

GATS ist das Allgemeine Abkommen über den Handel mit Dienstleistungen, das im Rahmen der Welthandelsorganisation WTO ausgehandelt wurde. Die Lissabon-Strategie bezeichnet die in Lissabon formulierten Entwicklungsziele der EU für den Zeitraum von 2000 bis 2010.

Ab 2005 im WASG-Vorstand Baden-Württemberg

Obwohl sich Annette Groth schon immer politisch engagiert hat, ist sie parteipolitisch erst seit 2005 aktiv. Da trat sie als eine der ersten in Stuttgart in die WASG ein, die sich im Herbst 2004 als Partei gegründet hatte.

Annette Groth wurde in den Landesvorstand Baden-Württemberg gewählt, war deren Sprecherin und erlebte in dieser Funktion zwei Jahre später, im Juni 2007, die Fusion der WASG mit der PDS zur Partei Die Linke. "Das war eine spannende Zeit und eine große Chance, dass aus Ost und West eine starke Linke entstehen kann", sagt die Abgeordnete.

Nach der Parteienfusion begann sie in der Fraktion Die Linke im Bundestag als wissenschaftliche Mitarbeiterin zu arbeiten - verantwortlich für Europa- und Länderpolitik.

Kandidatur für den Bundestag in Pforzheim

Im Jahr 2008 wurde sie von einigen Parteimitgliedern aus Pforzheim gefragt, ob sie ihre Kandidatin für die Bundestagswahl werden möchte. Sie habe "das Herz auf dem richtigen Fleck" und könne mit ihrer Sozialkompetenz viele Wähler und besonders auch viele Frauen ansprechen, hieß es zur Begründung.

"Für mich kam das nicht überraschend. Ich lebte in Stuttgart, und weil dort Ulrich Maurer als Spitzenkandidat aufgestellt wurde, war eine eigene Kandidatur in Stuttgart für den Bundestag kein Thema für mich" erzählt Annette Groth.

Da sie ihre Pforzheimer Genossen aus der WASG gut kannte, freute sie sich über das Angebot und übernahm die Kandidatur gerne. Bei der Listenaufstellung in Baden-Württemberg musste sich Annette Groth gegen fünf Gegenkandidatinnen durchsetzen und war erfolgreich damit. Nach einer als engagiert und fundiert empfundenen Bewerbungsrede wurde sie auf Platz fünf der Landesliste zur Bundestagswahl gewählt.

Wahlkampfthema Europapolitik

Im Wahlkampf in Pforzheim, der Stadt mit der höchsten Arbeitslosigkeit in Baden-Württemberg, versuchte Annette Groth, den Menschen nicht nur linke Positionen wie eine gerechtere Sozial- und Finanzpolitik nahezubringen, sie diskutierte auf Podien und in den Fußgängerzonen auch über die Themen wie Europapolitik, die mehr und mehr den Alltag bestimmt.

"Natürlich war auch Afghanistan immer wieder ein Thema, das die Menschen beschäftigte, und ich habe in vielen Gesprächen erfahren, dass viele Bürger nicht hinter dem Einsatz am Hindukusch stehen", sagt Groth und fügt an: "Auch die Siedlungspolitik Israels und die Gaza-Blockade ist ein Verstoß gegen die Menschenrechte. Allerdings müssen hier beide - Israel und die Hamas - zu Gesprächen bereit sein, wenn sich etwas verändern soll".

"Für ein solidarisches Miteinander"

Als am Wahlabend feststand, dass sie den Einzug ins Parlament geschafft hatte, war die Freude bei Annette Groth groß. Sie hatte die Menschen mit ihren Themen offenbar überzeugt. "Ich wollte keine Protestwähler, die Die Linke nur wählen, um einer anderen Partei einen Denkzettel zu verpassen, sondern ich wollte die Menschen davon überzeugen, dass unsere Zukunft in einem solidarischen Miteinander und in einer grundsätzlich anderen Wirtschaftsweise liegt", sagt die Abgeordnete.

Annette Groth ist menschenrechtspolitische Sprecherin ihrer Fraktion, Mitglied im Ausschuss für Menschenrechte und humanitäre Hilfe sowie im Ausschuss für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung und zusätzlich stellvertretendes Mitglied im Auswärtigen Ausschuss sowie im Ausschuss für die Angelegenheiten der Europäischen Union. Darüber hinaus ist sie Vorsitzende der deutsch-griechischen Parlamentariergruppe. (bsl)

(Stand: Juni 2010)