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"Zahl der Ehrenamtlichen im Sport ist rückläufig"

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Die Vorbereitungen für einen Kinder-Marathon erfordern viele freiwillige Helfer.

© dpa - Report

Die Zahl der Menschen, die sich in Sportvereinen ehrenamtlich engagieren ist rückläufig. Zu dieser Einschätzung gelangte Prof. Dr. Sebastian Braun vom Forschungszentrum für Bürgerliches Engagement an der Humboldt-Universität zu Berlin. Während einer gemeinsamen Sitzung des Sportausschusses unter Vorsitz von Dagmar Freitag (SPD) und des Unterausschusses "Bürgerliches Engagement" unter Vorsitz von Markus Grübel (CDU/CSU) am Mittwoch, 25. Mai 2011, machte Braun auch deutlich, dass insbesondere Vorstands- und Leitungsfunktionen von den Engagierten immer seltener übernommen würden. Mit der Folge, dass Personen in derartigen Funktionen immer älter würden und für ihre Tätigkeit immer mehr Zeit aufwenden müssten. "Wir verzeichnen eine Strukturwandel des Ehrenamts“, urteilte Braun.

"Vielfältige, aber befristete Engagements"

Das "alte Ehrenamt“ sei durch eine oftmals lebenslange Bindung gekennzeichnet. Das "neue Ehrenamt“ hingegen durch vielfältige, zugleich aber auch befristete Engagements. War das Ehrenamt früher durch selbstloses Handeln sowie Aufopferung und Fürsorge geprägt, werde es heute als Medium der Selbstfindung und Selbstsuche gesehen und zum Aufbau sozialer Beziehungen und Netzwerke genutzt.

"Der organisierte Sport muss nun eine Versöhnung der unterschiedlichen Engagementkulturen hinbekommen“, forderte Professor Braun. Schließlich sei das Problem des Rückgangs der freiwillig Engagierten im Sportbereich keine Frage der Bereitschaft.

"Ehrenamtspolitik wurde sträflich vernachlässigt"

Wie die sportbezogene Sonderauswertung der Freiwilligensurveys von 1999, 2004 und 2009, auf denen die Schlussfolgerungen seiner Forschungsgruppe beruhen, zeigten, steige das Engagementpotenzial sogar dynamisch an. Diese Potenziale seien unter der Voraussetzung abrufbar, dass sich "angemessene und interessante Gelegenheitsstrukturen finden“.

Braun kritisierte in diesem Zusammenhang, dass in den vergangenen zehn bis fünfzehn Jahren die Ehrenamtspolitik "sträflich vernachlässigt wurde“. Es sei nicht bekannt, wie die Menschen in solche Ämter kämen, wie sie gefördert und wie sie rekrutiert würden, weil man sich sehr umfangreich mit dem "neuen Ehrenamt“ beschäftigt habe.

"Sport braucht verlässliches und planbares Ehrenamt"

Sport ohne Ehrenamt sei undenkbar, sagte Karin Fehres, Direktorin für Sportentwicklung beim Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB). Engagement und Ehrenamt seien weit mehr als "nur“ die sportfachliche Organisation von Training und Wettkampf, sondern "konstitutiv für unsere demokratische Gesellschaft“, betonte die DOSB-Direktorin.

Der organisierte Sport brauche sowohl verlässliches, mittelfristig planbares Ehrenamt von Menschen in Wahlämtern als auch zeitlich befristete, klar definierte und offen zugängliche Engagementformen, um Menschen mit unterschiedlichen Motiven und zeitlichen Ressourcen zu gewinnen und zu binden.

"Weitere Entbürokratisierung nötig"

Fehres forderte auch die Unterstützung der Politik ein. So müsse das Ehrenamt durch öffentliche Anerkennung, aber auch durch die zielgerichtete Förderung eines professionellen Unterstützungsumfeldes gestärkt werden.

Zudem müssten vorhandene Engagements unterstützt und genutzt werden, statt neue Strukturen aufzubauen. Außerdem sei eine weitere Entbürokratisierung im Steuerrecht, Sozialrecht, Versicherungsrecht und bei öffentlichen Zuwendungen nötig, sagte die DOSB-Vertreterin.

"Neue Zielgruppen für ein Engagement begeistern"

Ingo Weiss von der Deutschen Sportjugend stellte das gemeinsam mit den Bundesfamilienministerium erarbeitete Projekt "Jetst!-Junges Engagement im Sport“ vor. Die Projektidee bestehe darin, neue Zielgruppen für ein Engagement im Sport zu begeistern, sagte Weiss.

Die Zielgruppe seien junge Menschen mit erschwerten Zugangsbedingungen zum Engagement im Sport. Diese Zugangsbarrieren seien mannigfaltig. Dazu gehörten fehlende Schulabschlüsse ebenso wie geistige oder körperliche Behinderungen oder Sprachbarrieren, ebenso aber auch soziale und strukturelle Faktoren wie Ausgrenzung oder fehlende fördernde Familienstrukturen. Um diese Gruppe zu erreichen werde eine Vernetzung zwischen nachhaltigen Förderstrukturen und einer Öffnung der Sportstrukturen benötigt, sagte Weiss. (hau)