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Für neue Zeitkultur im Freiwilligenengagement

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Wie Organisationen Freiwillige rekrutieren können, interessierte den Unterausschuss.

© dpa

Für eine neue Zeitkultur im Freiwilligenengagement spricht sich die Bundesarbeitsgemeinschaft der Freiwilligenagenturen (Bagfa) aus. Vor dem von Willi Brase (SPD) geleiteten Unterausschuss „Bürgerschaftliches Engagement sagte Birgit Weber, stellvertretende Bagfa-Geschäftsführerin, es dürfe nicht nur darum gehen, „schnell, effizient und ökonomisch“ zu sein. Vielmehr mache Abstimmung, Partizipation und Anerkennung die zivilgesellschaftliche Qualität aus. „Wir brauchen mehr Dialog und Diskurs zu der Frage: Was ist uns das Engagement wert?“, sagte Weber. Zugleich werde auch ein reduziertes Erwartungsmanagement benötigt. Vom Engagement dürfe man nicht alles – bis hin zur Daseinsvorsorge – erwarten und zugleich nicht akzeptieren, dass Engagierte mitreden und sich ausprobieren wollen und das Engagement Geld kostet. Vielmehr müsse der Ansatz so sein, dass „Engagement fast alles darf und nichts soll“. Die meisten Menschen würden sich schließlich engagieren, „weil es ihnen Freude macht“, sagte die Bagfa-Vertreterin.

„Es gibt viele Qualifizierungsmöglichkeiten“

Auf das Thema der Sitzung „Freiwilligenmanagement“ eingehend, sagte Weber, die Bagfa vernetze und qualifiziere die Freiwilligenagenturen in den Themen „Freiwilligenmanagement“ und „Beratung von Organisationen“. Die Agenturen seien schließlich Botschafter für ein modernes Freiwilligenmanagement. Zu ihrem Standartprofil gehörten neben der Information, Beratung und Vermittlung von Freiwilligen, der Öffentlichkeitsarbeit, der Vernetzung und der Projektentwicklung auch die Beratung der Organisationen.

Weber machte deutlich, dass die Grundlagen von Freiwilligenmanagement in der Engagementszene vertraut seien. „Es gibt viele Qualifizierungsmöglichkeiten“, so die stellvertretende Bagfa-Geschäftsführerin. Allerdings müsse man sich Freiwilligenmanagement auch leisten können, sagte sie. „Die Organisationen müssen für Fortbildungen zahlen. Schön wäre es, wenn es einen Fonds gäbe für kleinere Organisationen, die sich das nicht leisten können.“

„Im Naturschutz gibt es immer etwas zu tun“

Der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) habe ein verbandseigenes Freiwilligenmanagement eingesetzt, sagte Martina Löw, Teamleiterin des Freiwilligenmanagements beim BUND. Dies habe auch mit den sich verändernden Rahmenbedingungen des Engagements zu tun. Unter anderem seien die rechtlichen, fachlichen, finanziellen und gesellschaftlichen Anforderungen gewachsen. Trotz der veränderten Rahmenbedingungen, so Löw, sei aber beim BUND kein abnehmendes Engagement zu verzeichnen. „Im Naturschutz gibt es immer etwas zu tun“, sagte sie.

Die Herausforderung beim Freiwilligenmanagement hätten auch mit den oft völlig unterschiedlichen Zusammensetzungen und Problemstellungen der verschiedene Ortsgruppen und Vereinen zu tun. „Mit Schema F ist den Vereinen nicht geholfen“, sagte Löw. Vielmehr werde ein individuelles Coaching in den BUND-Gruppen benötigt.

„Problematische klammernde Vorstände“

Eine weitere Herausforderung stellt aus Sicht der Expertin auch der sich derzeitig im Gang befindende Generationswechsel dar. „Wenn die Vertreter der Gründergeneration die Gruppen verlassen, führt das auch schon mal zur Auflösung der Gruppe“, sagte sie. Ebenso problematisch seien jedoch auch „klammernde Vorstände“.

Mit Blick auf die zukünftige Entwicklung machte Löw deutlich, dass der BUND vermehrt seine Engagement-Angebote online präsentieren werde. Außerdem sei die Entwicklung „mobiler“ Akademien geplant. Was die Politik angeht, so sprach sich die BUND-Vertreterin für eine stärkere Prüfung der Gesetzgebung auf Engagementfreundlichkeit aus. (hau/01.07.2015)

Liste der geladenen Sachverständigen
  • Tobias Kemnitzer, Bundesarbeits­gemeinschaft der Freiwilligenagenturen
  • Martina Löw, Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND)
  • Dr. Reinhild Hugenroth, Bundesnetzwerk Bürgerschaftliches Engagement
  • Dr. Detlev Buchholz, Hochschulnetzwerk „Bildung durch Verantwortung“