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24. Februar 2016

Sandra Stalinski erhält Medienpreis Politik 2015

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Angela Dorn ist Parlamentarische Geschäftsführerin der Grünen im Hessischen Landtag. Diplom-Psychologin, 33 Jahre alt, verheiratet, drei Kinder, seit 2009 Landtagsabgeordnete und – ehemalige Klassenkameradin der freien Hörfunkjournalistin Sandra Stalinski. Sandra wollte wissen, wie der rasche Aufstieg in der Politik Angela verändert hat. Entstanden ist ein halbstündiges Radiofeature, das am Montag, 6. Juli 2015, in der Reihe „Zeitfragen“ im Deutschlandradio Kultur ausgestrahlt wurde. Für diesen Beitrag hat Bundestagspräsident Prof. Dr. Norbert Lammert der Journalistin am Mittwoch, 24. Februar 2016, den Medienpreis Politik 2015 des Deutschen Bundestages verliehen.

Wie wird man (als) Politiker?

Ausgewählt hat den preiswürdigen Beitrag die siebenköpfige Jury des Medienpreises Politik unter Vorsitz von Thomas Kröter (DuMont Redaktionsgemeinschaft) aus insgesamt 61 eingereichten Beiträgen. Der Jury gehören darüber hinaus Stephan Detjen vom Deutschlandfunk, Jan Fleischhauer („Der Spiegel“), Daniel Goffart („Focus“), Torsten Kleditzsch („Freie Presse“), Dr. Claudia Nothelle (Rundfunk Berlin-Brandenburg) und Bettina Schausten (ZDF-Hauptstadtstudio) an.

Sandra Stalinski, die Journalistin, und Angela Dorn, die Politikerin, haben zusammen in Aschaffenburg Abitur gemacht. Die Journalistin bekommt den politischen Werdegang Angelas aus der Ferne mit und fragt sich: Das soll meine Freundin von damals sein? Bei ihren Recherchen interessiert sie vor allem, wie sehr sich Angela in ihrer neuen Rolle verändert hat: Wie muss man sein oder wie muss man werden, um in der Politik zu bestehen? Wie viele ihrer Ideale konnte sie sich bewahren? Und kommt zu dem Ergebnis: Angela hat sich verändert in diesem Beruf. Sie spielt eine Rolle, wenn sie in der Öffentlichkeit steht.

Thomas Kröter griff den möglichen Einwand auf, wenn die Journalistin eine Schulfreundin für ihren Beitrag auswähle, sei ihre Objektivität doch eingeschränkt. Dem hielt er entgegen, dass eine Vertrauensgrundlage vorhanden sei, die Zugang schaffe. So entstehe kein unkritisches Heiligenbild, aber auch kein Zerrbild. Stalinskis Beitrag sei eine „kleine Vertrauenserklärung für die Menschen, die sich für dieses Gemeinwesen engagieren“.

Live-Blog aus dem NSA-Untersuchungsausschuss

Nominiert für den Medienpreis Politik 2015 waren neben Sandra Stalinski auch Markus Beckedahl und Andre Meister von netzpolitik.org, einer „Plattform für digitale Freiheitsrechte“. In die engere Wahl kam der Live-Blog aus dem NSA-Untersuchungsausschuss des Bundestages, konkret die Zeugenvernehmung des Präsidenten des Bundesnachrichtendienstes, Gerhard Schindler, am 21. Mai 2015. Sie trägt den Titel „Wir wollten aus Snowden-Dokumenten lernen, ob wir das auch können“. Darin sind die Fragen der Abgeordneten und die Antworten des Zeugen in komprimierter Form protokolliert.

Die Frage, ob ein solcher Live-Blog Journalismus sei, habe die Jury bejaht, sagte Claudia Nothelle, die die nominierten Beiträge beim Presseempfang des Bundestagspräsidenten im Langenbeck-Virchow-Haus in Berlin-Mitte präsentierte. Parlamentarische Arbeit werde „in seltenem Maße“ transparent dargestellt, der Beitrag steche durch seine „Andersartigkeit“ heraus.

„Gegen Windmühlen reden“

Der dritte nominierte Beitrag hatte die politische Rede zum Gegenstand. Werner Schulz, ehemaliger DDR-Bürgerrechtler und langjähriger Bundestags- und Europaabgeordneter für Bündnis 90/Die Grünen, stellte sich den Fragen von Dr. Eckart Lohse und Matthias Wyssuwa von der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“. Das Interview mit dem Titel „Gegen Windmühlen reden“ erschien am 31. Dezember 2014.

Schulz äußert sich nicht nur zu einer eigenen schlechten Rede („Es folgten Pfiffe“), zu heutigen Bundestagsdebatten („brauche viel schwarzen Tee, um nicht einzuschlafen“), sondern auch zu seinen besten Reden (2002 und 2009 bei Kandidatenaufstellungen der Grünen, 2005 seine persönliche Erklärung zur Abstimmung über die Vertrauensfrage von Gerhard Schröder im Bundestag). Die Reden der Kanzlerin hält Schulz für „dröge und einschläfernd“: „Es ist der fast kunstvolle Verzicht auf Rhetorik und Polemik.“ Im Interview schimmere die „Sehnsucht nach funkelnden Worten und pointierten Formulierungen durch“, lobte Claudia Nothelle.

„Seien Sie offen, bleiben Sie fair, differenzieren Sie“

Bundestagspräsident Lammert sagte eingangs, 25 Jahre nach der friedlichen Revolution sei der Bundestag mit Bürgerbriefen zur aktuellen politischen Situation konfrontiert, in denen der Wahrheitsgehalt von Presseberichten dem zu DDR-Zeiten gleichgestellt werde. Im Begriff „Lügenpresse“ schlage sich ein fundamentales Misstrauen nieder, was Anlass zur Besorgnis gebe. Gleichzeitig gebe es aber hohe Werte für die Qualität des journalistischen Angebots im Allgemeinen.

Lammert erinnerte an den Aufruf der ZDF-Moderatorin Dunja Hayali bei der Verleihung der Goldenen Kamera, offen zu sein und fair zu bleiben, denn die Wahrheit brauche einfach Zeit. „Seien Sie offen, bleiben Sie fair, differenzieren Sie. Gönnen Sie sich die Zeit, die die Wahrheit braucht“, so der Appell des Bundestagspräsidenten an die anwesenden Journalisten.

Mit 5.000 Euro dotiert

Der Medienpreis Politik, den der Bundestag seit 1993 vergibt, würdigt hervorragende publizistische Arbeiten, die zu einem vertieften Verständnis parlamentarischer Praxis beitragen und zur Beschäftigung mit Fragen des Parlamentarismus anregen. Ausgezeichnet werden können Beiträge aller Medienformen, regionalen wie überregionalen Zuschnitts. Der Preis, der in diesem Jahr zum 17. Mal vergeben wurde, ist mit 5.000 Euro dotiert.

Im vergangenen Jahr hatte die Hörfunkjournalistin Martina Meißner den Medienpreis Politik mit einem Radiobeitrag zum 60. Jahrestag der Einführung der Zwischenfrage im Deutschen Bundestag erhalten. (vom/24.02.2016)