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29. Februar 2016

Anwältin aus Tauberbischofsheim: Nina Warken

Nina Warken (CDU/CSU)

Nina Warken (CDU/CSU)

© Nina Warken/Tobias Koch

230 Frauen sitzen im 18. Deutschen Bundestag, so viele wie noch in keiner Legislaturperiode zuvor. Die CDU-Abgeordnete Nina Warken aus Tauberbischofsheim ist eine von ihnen, und sie ist eine der jüngsten Politikerinnen im Parlament. Mit 36 Jahren verfügt Nina Warken schon über eine zwölfjährige kommunalpolitische Erfahrung. Mit 20 Jahren trat die Verwaltungsrechtlerin in die Junge Union ein. Ein Jahr später wurde sie CDU-Mitglied. Sie war acht Jahre lang stellvertretende Bundesvorsitzende der Jungen Union und kandidierte 2013 für den Deutschen Bundestag.

Nina Warken ist Mitglied im Innenausschuss und wurde im letzten Jahr als erste Frau zur Präsidentin der Landesvereinigung Baden-Württemberg des Technischen Hilfswerks (THW) gewählt. Eine Aufgabe, die der Baden-Württembergerin besonders am Herzen liegt. Sie sagte nach ihrer Wahl zur Präsidentin: „Ich möchte noch mehr junge Menschen für die spannende Aufgabe beim THW begeistern und sehe besonders bei Mädchen und jungen Frauen große Potenziale. Als Berichterstatterin für Zivil-, Bevölkerungs- und Katastrophenschutz im Innenausschuss des Deutschen Bundestages ist mir das THW eine Herzensangelegenheit.“ Nina Warken trat die Nachfolge ihres Bundestagskollegen Clemens Binninger an, der neun Jahre THW-Präsident war.

Junge Union in Tauberbischofsheim

Angefangen hat alles vor der Kommunalwahl 1999 in Tauberbischofsheim und der Frage eines Mitschülers von Nina Warken: „Wir suchen junge Leute, die für den Stadtrat von Tauberbischofsheim auf einer jungen Liste kandidieren. Nina Warken hatte damals gerade das Abitur am Matthias-Grünewald-Gymnasium absolviert und die Zulassung zum Studium der Rechtswissenschaft an der Universität Heidelberg in der Tasche.

„Meine Freunde aus der Abiturklasse gründeten einen Ortsverband der Jungen Union und ich wurde Mitglied. Mir haben die Leute gefallen und die Positionen. Freiheit des Einzelnen, Verantwortung für sich selbst, Förderung der Familie und christliche Werte entsprachen meinen Vorstellungen“, sagt die Politikerin. Es blieb nicht bei einer einfachen Mitgliedschaft in der Jungen Union. Nina Warken fand Freude an der Politik und engagierte sich mit so viel Herzblut in der Jungen Union, dass sie 2001 zur Kreisvorsitzenden im Main-Tauber-Kreis gewählt wurde. „Politik mitzugestalten und an Entscheidungen mitzuwirken wurde mir mehr und mehr Herzensangelegenheit, deshalb bin ich 2001 in die CDU eingetreten“, sagt die Abgeordnete.

Erstes und zweites juristisches Staatsexamen in Rekordzeit

Das Studium der Rechtswissenschaften absolvierte Nina Warken in Rekordzeit. Bereits 2003 legte sie ihr erstes juristisches Staatsexamen ab und absolvierte ein Rechtsreferendariat am Landgericht Mosbach. Mit 26 Jahren erhielt sie das zweite juristische Staatsexamen und wurde Anfang 2006 als Rechtsanwältin zugelassen. Ihre Schwerpunkte sind Verwaltungs- und Sozialrecht.

Trotz des lernintensiven Jurastudiums engagierte sich Nina Warken parteipolitisch. Ein Jahr nach dem ersten Staatsexamen kandidierte sie erfolgreich für den Stadtrat von Tauberbischofsheim. 2006 wurde sie stellvertretende Bundesvorsitzende der Jungen Union, engagierte sich als Kreisvorsitzende in der Frauenunion Main-Tauber und im Bezirksvorstand der Frauenunion Nordwürttemberg.

„Politiker sollten gut strukturiert und vernetzt sein“

Die Frage, wie sie das alles unter einen Hut gebracht hat, beantwortet die Politikerin ohne zu zögern: „Es ist wichtig, gut strukturiert und vernetzt zu sein. Man braucht Unterstützer und Menschen, denen man vertraut. Erfolgreich ist man in der Politik nur, wenn man Herzblut und viel Engagement mitbringt und nicht aufgibt, wenn mal etwas nicht klappt, wofür man sich engagiert hat. Die Junge Union war auf meinem politischen Weg eine sehr gute Schule. Dort habe ich gelernt, wie wichtig es ist, Mehrheiten für die eigenen Positionen zu finden und Kompromisse zu schließen.“ Dass Nina Warken eine engagierte Politikerin ist, die sich seit Jahren kommunal- und bundespolitisch engagiert, war auch in der Landes-CDU Baden-Württemberg kein Geheimnis. Vor der Bundestagswahl 2013 suchte der Landesvorstand engagierte Politiker und Politikerinnen, die auf der Landesliste für den Deutschen Bundestag kandidieren.

Nina Warken erinnert sich: „Ich wurde wegen meines kommunalpolitischen Engagements der vergangenen Jahren angesprochen und weil ich als stellvertretende Bundesvorsitzende der Jungen Union über bundespolitische Erfahrungen verfügte. Der Bezirksvorstand der Frauen Union hat mich tatkräftig unterstützt und die Landespartei wollte jungen Kandidaten eine Chance geben. Ich freute mich über dieses Angebot. Allerdings war ich realistisch genug, um zu wissen: In Baden-Württemberg über Listenplatz 14 ein Bundestagsmandat zu gewinnen ist unrealistisch. Ich nahm die Chance trotzdem wahr, denn ich wollte Wahlkampferfahrungen sammeln. Es machte Freude, an Wahlkampfständen, in Verbänden und Vereinen oder in Diskussionsabenden mit den Menschen ins Gespräch zu kommen. Politiker sollten wissen, wie die Bürger denken, und das erfahren sie in persönlichen Gesprächen am besten.“

Listenplatz 14 gewinnt

Wie real ihre Kandidatur war, erfuhr Nina Warken in der Nacht des 23. September 2013. „Es gab schon Tage zuvor CDU-Mitglieder, die mir sagten, die Prognosen seien so gut, dass ich eine reelle Chance hätte. Wirklich geglaubt habe ich das nicht. Am Wahlabend war auch nach den ersten Hochrechnungen nicht klar, dass ich auf Platz 14 erfolgreich sein könnte, obwohl die CDU Baden-Württemberg ein Wahlergebnis von 45,7 Prozent verbuchen konnte. Wirklich sicher war ich erst, als Parteikollegen und Freunde um drei Uhr morgens vor meiner Haustür standen, um mir zum Einzug in den Bundestag zu gratulieren. Realisiert habe ich es erst zwei Tage später, als ich in Berlin als neue Abgeordnete im Deutschen Bundestag begrüßt wurde“, sagt die Politikerin.

Als Nina Warken von der Fraktion gefragt wurde, in welchem Bundestagsausschuss sie mitarbeiten möchte, musste sie nicht lange überlegen. Der Innenausschuss war ihr Wahlausschuss. Thomas Strobl, Vorsitzender der CDU-Landesgruppe Baden-Württemberg im Bundestag und Landesvorsitzender der CDU Baden-Württemberg, war überrascht, dass Nina Warken nicht den Familienausschuss gewählt hatte. Der erfahrene Politiker unterstützte den Wunsch der jungen Abgeordneten, weil er es wichtig findet, dass im Innenausschuss Frauen mitarbeiten.

Praktikable Lösungen in der Flüchtlingspolitik

Dass seine Unterstützung richtig war, zeigte sich im Februar 2014, als Nina Warken zum ersten Mal im Plenum sprach. Sie erinnert sich: „Als Mitglied des Innenausschusses sprach ich zu einem Antrag, den die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen eingebracht hatte: ‚Die Demokratie verteidigen im digitalen Zeitalter’. Ich hatte wirklich Lampenfieber vor meiner ersten Rede, aber es war auch ein tolles Gefühl.“ Nina Warken ist im Innenausschuss Berichterstatterin der CDU-Fraktion für Asylrecht, und ihre Themen sind unter anderem Flüchtlinge, Migration und Integration.

Sie sagt: „Im Innenausschuss sind die Grundhaltungen der einzelnen Fraktionen in der Flüchtlingsfrage sehr unterschiedlich. Zwischen der CDU, der Linkspartei und den Grünen sind die Positionen meist diametral, die SPD sitzt immer ein wenig ‚zwischen den Stühlen’. Wir haben die Flüchtlingspolitik im Innenausschuss zu Beginn der Flüchtlingswelle kontrovers und hart diskutiert und keinen Konsens gefunden. Inzwischen hat sich die Stimmung etwas verändert. Wir versuchen, uns an die unterschiedlichen Positionen anzunähern und Lösungsansätze zu diskutieren. Ich begrüße es, dass wir bei dieser komplizierten Gemengelage auch Fortschritte erzielen, konstruktiver diskutieren und vielleicht Kompromisse finden, die praktikabel sind. Ich wäre froh, wenn wir uns darauf einigen könnten, dass Flüchtlinge, die aus wirtschaftlichen Gründen nach Deutschland kommen, schneller in ihre Heimatländer zurückgeführt beziehungsweise an der Grenze bereits abgewiesen werden könnten. Menschen, die aus Bürgerkriegsländern kommen, müssen wir helfen, aber nicht nur mit Aufnahme, sondern auch bei der Integration“, sagt Nina Warken. (bsl/29.02.2016)