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Birgit Wöllert: Ich werde wieder „Frau über meinen Kalender“ sein

Birgit Wöllert (Die Linke)

Birgit Wöllert (Die Linke)

© DBT/Simone M. Neumann

Als Birgit Wöllert 2013 für den Bundestag kandidierte, war sie längst ein Politprofi, der die parlamentarischen Abläufe aus dem Effeff kannte. Seit 1990 war die Diplom-Lehrerin Mitglied der Stadtverordnetenversammlung Spremberg –2004 wurde sie Abgeordnete des Brandenburger Landtages und gehörte der Fraktion Die Linke an. Zur Bundestagwahl 2013 gewann Birgit Wöllert über einen Listenplatz der Brandenburger Linken das Bundestagsmandat für den Wahlkreis Cottbus-Spree-Neiße. Nach nur einer Legislaturperiode verlässt Birgit Wöllert den Politikbetrieb in der Hauptstadt wieder, was aber keinesfalls bedeutet, dass sie sich aufs politische Altenteil zurückzieht.

Die agile Politikerin wird in der Spremberger Stadtverordnetenversammlung sowie im Kreistag Spree-Neiße weiterhin politisch mitarbeiten. „Mir liegt die Stadt, in der ich zu DDR-Zeiten Lehrerin, später Schulleiterin war, schon immer sehr am Herzen. Deshalb habe ich mich bereits nach der Wiedervereinigung in der Stadt engagiert und ehrenamtliche politische Ämter übernommen. Bis 2019 bin ich gewähltes Mitglied der Stadtverordnetenversammlung und des Kreistages und nehme dieses Wahlamt auch nach meinem Ausscheiden aus dem Bundestag weiter wahr. Danach überlasse ich auch dieses Feld der jüngeren Generation“, sagt die Politikerin.

Diplom-Lehrerin mit starkem politischen Interesse

Birgit Wöllert war schon immer ein sehr politisch interessierter Mensch, deshalb wurde sie zu DDR-Zeiten auch Mitglied der SED. Nach ihrem Unterstufenlehrerstudium arbeitete sie als Lehrerin, absolvierte sie später die Bezirksparteischule in Cottbus und in einem externen Studium die Pädagogischen Hochschule „Ernst Schneller“ in Zwickau, mit dem Abschluss als Diplom-Lehrerin.

Nach der Wende erwarb die Sprembergerin in einem Erweiterungsstudium noch einen Abschluss in Deutsch für die Sekundarstufe I an der Pädagogischen Hochschule Potsdam. Als die SED 1989 in PDS umbenannt wurde, blieb sie Parteimitglied. Auch die Fusion mit der Wahlalternative Arbeit und soziale Gerechtigkeit (WASG) in die Partei Die Linke war kein Grund, die Partei zu verlassen. Birgit Wöllert sind starke linke Positionen eine Herzensangelegenheit.

Obfrau im Gesundheitsausschuss

Bundestagsabgeordnete wollte Birgit Wöllert eigentlich nie werden. Sie war im Landtag Brandenburg fest verwurzelt und dort viele Jahre für die Gesundheitspolitik ihrer Fraktion verantwortlich. Das war auch kommunalpolitisch ihr Thema, aber sie stieß in Entscheidungsprozessen oft an Grenzen. Sie sagt: „Ich habe mir die Kandidatur für den Bundestag nicht leicht gemacht, aber übergreifende Gesetze werden nun mal nicht in den Kommunen oder in der Landespolitik verabschiedet, sondern im Parlament in Berlin. Nur dort kann man Einfluss auf die Gesetzgebung in der Gesundheitspolitik nehmen – deshalb entschied ich mich 2013 für eine Kandidatur für den Deutschen Bundestag.“

Die Bundestagsausschüsse, die Birgit Wöllert wählte, waren für sie maßgeschneidert. Als Obfrau ihrer Fraktion im Gesundheitsausschuss kann sie genau das umsetzen, was für ihre Entscheidung für eine Bundestagskandidatur maßgeblich war. Und im Petitionsausschuss ist sie ganz nahe an den Sorgen der Menschen, die sich mit einem Problem ans Parlament wenden. „Eine enge Verbindung zu den Menschen war und ist mir immer wichtig. Nur wenn Politiker wissen, was die Menschen bewegt, können sie die richtigen politischen Entscheidungen treffen“, sagt die Abgeordnete.

Enger Kontakt zu den Menschen im Wahlkreis

Und Birgit Wöllert sagt das nicht nur, sie ist eine Politikerin „zum Anfassen“. Ob als Kommunalpolitikerin, als Landtagsabgeordnete oder als Abgeordnete des Bundestages, Birgit Wöllert pflegt immer einen sehr engen und intensiven Kontakt zu den Menschen ihres Wahlkreises. Das drückte sich in den Wahlergebnissen der Kommunal- und Landtagswahlen ebenso aus wie zur Bundestagswahl 2013.

Im Laufe von fast drei Jahrzehnten politischen Wirkens hat Birgit Wöllert schon viele Projekte unterstützt und zum Erfolg geführt. Die Menschen in Spremberg schätzen die Abgeordnete aber besonders wegen ihres Engagements für die Erhaltung des Krankenhauses in ihrer Stadt. Birgit Wöllert hatte sich mit viel Herzblut für die Erhaltung der Klinik eingesetzt, weil sie eine wohnortnahe Gesundheitsversorgung für die Menschen für wichtig hält. Die Politikerin sagt: „Es war ein Experiment, das die Stadt Spremberg und Mitarbeiter der Klinik ,ihre' medizinische Einrichtung erhalten wollten, denn der Erhalt der Klinik und die Versorgung der Spremberger lag allen am Herzen.“ 

Mit dem Förderverein Spremberger Krankenhaus e.V. und der Unterstützung der Stadt wurde etwas geschafft, was Signalwirkung haben sollte. Die Klinik gehört heute zu 49 Prozent der Stadt Spremberg und zu 51 Prozent dem Förderverein. „Dass dieses Pilotprojekt auch durch mein politisches Engagement eine Erfolgsgeschichte wurde, erfüllt mich als Politikern auch ein wenig mit Stolz“, sagt die Abgeordnete. Besonders erwähnenswert ist die Tatsache, dass die Klinik nicht nur die medizinische Grundversorgung in Spremberg sichert und als bestes Krankenhaus im Osten Deutschlands ausgezeichnet wurde. Die Einrichtung schreibt schwarze Zahlen und ist somit nicht nur medizinisch eine Erfolgsgeschichte, sondern auch wirtschaftlich.

„Niederlagen gehören zum politischen Geschäft“

Natürlich gab es in der politischen Karriere von Birgit Wöllert nicht nur Erfolge, sondern auch Niederlagen, aber darauf reagiert die Abgeordnete ziemlich pragmatisch. „Niederlagen gehören zum politischen Geschäft. Wenn mal etwas nicht so läuft, wie man sich das vorstellt, sollten Politiker den Mut haben zu hinterfragen, was sie selbst falsch angepackt haben. Selbstkritik ist ehrlicher, als Fehler bei anderen zu suchen.“

Ganz bestimmt kein Fehler ist für Birgit Wöllert die Entscheidung, sich 2017 aus der Bundespolitik zu verabschieden. Ihr war wichtig, dass sie die Entscheidung trifft, wann sie die bundespolitische Bühne verlässt. Sie ist sicher, dass 2017 der richtige Zeitpunkt ist.

Mehr Zeit für die Enkel

Auch wenn Birgit Wöllert sehr gern Bundestagsabgeordnete war, wird beim Abschied von den Mitarbeitern ihres Büros und von den Kollegen sicher etwas Wehmut aufkommen. „Es werden junge Politiker nachfolgen, die sich der Entsolidarisierung der Gesellschaft entgegenstellen. Da bin ich mir sicher. Es ist doch nicht hinnehmbar, dass in einem so reichen Land wie Deutschland so viele Menschen unterhalb der Armutsgrenze leben“, sagt die Abgeordnete.

Worauf sie sich nach der Berufspolitik am meisten freut, kann Birgit Wöllert sofort beantworten: „Ich werde wieder „Frau über meinen Kalender“ und kann allein entscheiden, wann ich Zeit für die Familie habe oder Freunde treffen kann. Für mich war der Spielraum für eigene Termine immer eng, deshalb freue ich mich darauf, mehr Zeit mit meiner Familie und meinen Enkeln zu verbringen, denn das kam in den letzten Jahren definitiv zu kurz.“ (bsl/05.01.2017)