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„Parlamentsimkerin“ Bärbel Höhn freut sich auf mehr Zeit mit den Enkeln

Bärbel Höhn (Bündnis 90/Die Grünen)

Bärbel Höhn (Bündnis 90/Die Grünen)

© DBT/Melde

Bärbel Höhn (Bündnis 90/Die Grünen) brachte zehn Jahre Erfahrung als Landesministerin für Umwelt und Landwirtschaft mit, als sie 2005 erstmals erfolgreich für den Deutschen Bundestag kandidierte. Ihre Themen waren und sind vielfältig. Neben dem Klimaschutz setzt sich die Politikerin für den Naturschutz, eine nachhaltig-ökologische Landwirtschaft und gesunde Lebensmittel ein. Bärbel Höhn hat sich als erste grüne Landwirtschaftsministerin vor allen Dingen im Kampf gegen die Massentierhaltung und für den Verbraucherschutz einen Namen gemacht. Sie machte die Missstände beim BSE-Skandal öffentlich, erwirkte beim Bundesverfassungsgericht das Urteil gegen die Käfighaltung oder stritt für eine moderne, artgerechte Schweinehaltung. 

Bundestagsbienen im Paul-Löbe-Haus

Im Sommer 2015 veröffentlichten US-Wissenschaftler eine besorgniserregende Studie. Die Forscher hatten herausgefunden, dass Bienen besonders weltweit vom Aussterben bedroht sind. Die Aussage: „Wenn die Bienen sterben, stirbt der Mensch“ war alarmierend. Ohne Bienen würden Obst und Gemüse zu Luxuslebensmitteln, denn Bienen bestäuben etwa 80 Prozent der Nutz- und Wildpflanzen. Wenn das Bienensterben nicht gestoppt wird, hätte dies nach Ansicht der Wissenschaftler fatale Folgen für uns Menschen.

Die Bundestagsfraktion von Bündnis 90 Die Grünen gab ihrerseits eine Studie in Auftrag, in der die Erträge von Stadt- und Landbienen verglichen werden sollten. Da Bärbel Höhn als Umweltausschussvorsitzende die besorgniserregende Situation der Insekten bekannt war, wollte sie ein Zeichen setzen und fragte ihren Kollegen Martin Burkert von der SPD, ob er das Projekt „Bundestagsbienen“ unterstützten würde. So fand ein Bienenvolk in einer grünen Nische des Paul-Löbe-Hauses eine Heimat.

50.000 Stadtbienen produzierten 50 Kilo feinsten Honig

Das Ergebnis hatte kaum jemand für möglich gehalten. 50.000 fleißige Bienen labten sich im nahegelegenen Tiergarten an Blumen und Blüten und produzierten 50 Kilo feinsten Parlamentshonig. Name: Bundestagsblüte. Der Eigentest bestätigte die Ergebnisse der „Literaturstudie zum Thema Bienengesundheit“, die im Januar 2017 veröffentlicht wurde. Ergebnis: Den Stadtbienen geht es vielfach besser, und sie produzieren mehr Honig als ihre Verwandten auf dem Land.

Die „Parlamentsimkerin“ Bärbel Höhn sagt: „Es gibt einen erfreulichen Trend zur urbanen Imkerei. Dabei ist es erstaunlich, dass Bienen in städtischen Revieren deutlich mehr Honig sammeln als auf dem Land. Hier werden sie offensichtlich nicht von Pestiziden geschädigt, die in der konventionellen Landwirtschaft eingesetzt werden. Es ist Zeit für eine andere Landwirtschaftspolitik.“

Giftmüllverbrennungsanlage verhindert

Bärbel Höhn studierte in Kiel Mathematik und Volkswirtschaft und verließ die Universität als Diplom-Mathematikerin. Als wissenschaftliche Mitarbeiterin der Universität Duisburg-Essen war ihr Ziel nicht die Berufspolitik. Als sie mit Mann und den zwei kleinen Söhnen 1978 nach Oberhausen zog, engagierte sich Bärbel Höhn zunächst imStadtelternrat Oberhausener Kindergärten“.

Weil ihr kleiner Sohn durch die Luftverschmutzung wie viele andere Kinder auch große gesundheitliche Probleme hatte, „brachten bei mir die Pläne für eine zusätzliche Giftmüllverbrennungsanlage das Fass zum Überlaufen. Ich engagierte mich in der Bürgerinitiative gegen Giftmüllverbrennung. Unser Engagement war erfolgreich, denn die Giftmüllverbrennungsanlage wurde nicht gebaut. Außerdem drängten wir die Stadt, eine neue, dringend benötigte Kindertagesstätte zu bauen. Das waren große Erfolg und mein Einstieg in die Politik“, erinnert sich Bärbel Höhn.

Der Landespolitik den Rücken gekehrt

1985 wurde Bärbel Höhn Mitglied von Bündnis 90/Die Grünen und Stadträtin von Oberhausen. 1990 schaffte ihre Partei erstmals mit 5,0 Prozent den Einzug in den Landtag von Nordrhein-Westfalen, und Bärbel Höhn wurde Fraktionsvorsitzende. Nach der Landtagswahl 1995 wurde sie Landesministerin für Umwelt und Landwirtschaft, 2000 dann auch noch für Verbraucherschutz, und damit die erste Verbraucherschutzministerin in Deutschland.

Nach der Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen 2005 hatte die SPD die Mehrheit verloren. Bundeskanzler Gerhard Schröder und der Bundes- und Fraktionsvorsitzende Franz Müntefering kündigten vorgezogene Bundestagswahlen an und begründeten dies mit fehlendem Vertrauen der Bevölkerung in die rot-grüne Bundesregierung. „Damals kehrte ich der Landespolitik den Rücken, denn ich fand es nicht richtig, nach einer verlorenen Landtagswahl einfach weiterzumachen. Schließlich war ich als Spitzenkandidatin angetreten und wollte in der Landespolitik einem Wechsel nicht im Weg stehen.“

Zwölf Jahre mit Spitzenämtern im Bundestag

Bärbel Höhn kandidierte stattdessen zur Bundestagswahl und zog als Spitzenkandidatin der Grünen über die nordrhein-westfälische Landesliste ins Parlament ein. Für die Fraktion war Bärbel Höhn ein Gewinn, denn sie brachte 15 Jahre Parlamentserfahrung aus der Landespolitik und als Landesministerin mit. Bis Mai 2006 war Bärbel Höhn Vorsitzende des Bundestagsausschusses für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz, danach bis September 2013 stellvertretende Fraktionsvorsitzende mit der Zuständigkeit für Umwelt, Energie, Verbraucherschutz, Landwirtschaft, Tierschutz, Bauen und Verkehr.

Anfang 2014 wurde sie Vorsitzende des Ausschusses für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit im Deutschen Bundestag, ein Amt, das für die kompetente Umweltpolitikerin wie geschaffen war. „Als ich den Vorsitz übernahm, sagte ich meinen Parteifreunden, dass dies meine letzte Legislaturperiode sein würde. Insofern war meine Partei schon sehr früh darüber informiert, dass ich 2017 nicht mehr für den Bundestag kandidieren würde. Und: Ich werde in diesem Jahr 65 Jahre alt und finde, es ist der richtige Zeitpunkt“, sagt Bärbel Höhn.

„Ich werde mich weiterhin ehrenamtlich engagieren“

Nach drei Legislaturperioden macht sie ihre Ankündigung wahr und verabschiedet sich aus dem Berliner Politikbetrieb. Mit Bärbel Höhn geht eine der bekanntesten Politikerinnen von Bündnis 90/Die Grünen, deren große parlamentarische Erfahrung nun ersetzt werden muss. „Es gibt jüngere Politikerinnen und Politiker, die meine Arbeit für den Umweltschutz, eine Landwirtschaft ohne Massentierhaltung und Verbraucherschutz fortführen werden. Es gibt in meiner Partei viele engagierte junge Leute, die großes Potenzial haben.“

Parlamentarischer Ruhestand bedeutet für Bärbel Höhn aber keineswegs Nichtstun. Sie plant die Zukunft schon jetzt und sagt: „Ich habe in Bürgerinitiativen meine politische Arbeit begonnen und werde mich weiterhin ehrenamtlich engagieren. Ich tue das zum Beispiel schon als Schirmfrau der NABU-Stiftung in Nordrhein-Westfalen“.

„Deutschland mit dem Fahrrad erkunden“

Besonders freute sich Bärbel Höhn darauf, mehr Zeit mit der Familie und den Enkelkindern zu verbringen. „Dafür habe ich momentan zu wenig Zeit: Ehe man sich versieht, sind die Enkel groß, und ich will nicht verpassen, wie sie heranwachsen“, sagt die Abgeordnete.

Was sie sonst noch tun wird, wenn sie nicht mehr Bundestagsabgeordnete ist? Tausende von Fotos auf der Festplatte bearbeiten und mehr Sport treiben. „Ich fahre zwar fast jeden Tag mit dem Fahrrad ins Büro, aber das ist mir zu wenig. Ich möchte größere Touren machen, Deutschland mit dem Fahrrad erkunden und viel schwimmen gehen.“ Und die Bundestagsbienen? „Die werden von den Kollegen weiterhin liebevoll betreut.“ Bärbel Höhn freut sich darauf, in diesem Jahr wieder ein Glas „Bundestagsblüte“ kosten zu können. (bsl/02.03.2017)