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Johannes Singhammer will Kontakte zu europäischen Politikern weiter pflegen

Johannes Singhammer (CDU/CSU)

Johannes Singhammer (CDU/CSU)

© DBT/Urban

Johannes Singhammer ist einer der bekanntesten Politiker der CSU und kann auf eine 45-jährige politische Karriere zurückblicken. Im Jahr 2013 wurde seine Laufbahn als Spitzenpolitiker gekrönt, als er zum Vizepräsidenten des Deutschen Bundestages gewählt wurde. Nach sechs Legislaturperioden im Bundestag verabschiedet sich der Jurist in diesem Jahr von der bundespolitischen Bühne und geht in den parlamentarischen Ruhestand.

„Ein lachendes und ein weinendes Auge“

Johannes Singhammer sagt: „Ich gehe mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Ich bin sehr gern Bundestagsabgeordneter und habe immer engagiert und leidenschaftlich Politik mitgestaltet. Wenn ich mich im Herbst aus dem Parlament verabschiede, tue ich das in der Gewissheit, viel erreicht zu haben, und in der Überzeugung, dass mein Nachfolger im Wahlkreis im Falle seiner Wahl die Politik der CSU im Bundestag engagiert vertreten wird. Das ist ein gutes Gefühl.“

Johannes Singhammer ist gebürtiger Münchner und stammt aus einer bayerischen Arbeiterfamilie, in der zwar niemand parteipolitisch aktiv war, in der aber traditionell CSU gewählt wurde. „Ich hatte schon als Gymnasiast großes Interesse an Politik und war täglich vor meinem Vater am Postkasten, weil ich den Politikteil der Tageszeitung vor der Schule lesen wollte. Außerdem hörte ich Franz Josef Strauß gern reden, dessen klare politische Haltung mich begeisterte“, sagt der CSU-Abgeordnete.

„Nur eine Mitgliedsnummer zu sein, liegt mir nicht“

Im Gymnasium und im Freundeskreis wurde damals sehr intensiv über politische Themen diskutiert. Besonders ist ihm die kontroverse Diskussion um die Notstandsgesetze in Erinnerung geblieben. „Es war eine hochpolitische und spannende Zeit, und ich sowie einige meiner Mitschüler waren damals fest entschlossen, nicht nur zu diskutieren. Wir wollten uns parteipolitisch einbringen. Nicht alle traten in die Junge Union oder in die CSU ein. Andere Parteien hatten ebenfalls Zulauf, aber uns einte der Wille, parteipolitisch etwas zu bewirken“, erinnert sich der Politiker. Noch bevor er das Abitur abgelegt hatte, wurde Johannes Singhammer mit 19 Jahren Mitglied der Jungen Union und trat im gleichen Jahr in München in die CSU ein.  

Nach dem Abitur studierte Johannes Singhammer Rechtswissenschaften an der Ludwig-Maximilians-Universität in München und trat nach dem zweiten Staatsexamen 1981 als Verwaltungsrat in den Dienst der Landeshauptstadt München. In dieser Zeit übernahm der junge Jurist den Vorsitz des Bezirksverbandes der Jungen Union in München. „Nur eine Mitgliedsnummer zu sein, liegt mir nicht. Ich wollte Politik immer aktiv gestalten. Wenn ich mich für ein Amt oder eine Aufgabe entscheide, dann nicht nur auf dem Papier. Ich nehme die Herausforderung an und bringe mich mit Herzblut ein“, sagt der Abgeordnete.

Schwieriger Wahlkreis München Nord

1986 wechselte Johannes Singhammer ins Bayerische Staatsministerium des Innern und war dort bis 1990 Büroleiter des Staatssekretärs Dr. Peter Gauweiler, eines charismatischen, aber unangepassten CSU-Politikers, der später auch in der Bundespolitik in „keine Schablone“ passte. Die parteipolitischen Erfahrungen, die Johannes Singhammer im Laufe vieler Jahre in der bayerischen Landespolitik sammeln konnte, führten dazu, dass er von der CSU 1994 erstmals als Bundestagskandidat aufgestellt wurde.

„Der Wahlkreis München Nord war schon damals einer der für die CSU am schwierigsten zu gewinnenden Wahlkreise in Bayern. Aber gerade deshalb nahm ich die Herausforderung an und kämpfte um jede Stimme“, erinnert sich Johannes Singhammer. Am Ende konnte er sich im ersten Anlauf gegen den Kandidaten der SPD durchsetzen und wurde Abgeordneter des Deutschen Bundestages. Der tagte damals noch nicht in Berlin, sondern im beschaulichen Bonn, obwohl der Beschluss am 20. Juni 1991 für Berlin ausgefallen war. „Hätte ich die Gelegenheit gehabt, an der Abstimmung teilzunehmen, ich hätte mich klar für Berlin ausgesprochen“, sagt der Politiker.

Die Familie kam oft zu kurz

Rückblickend sagt Johannes Singhammer, er würde sich wieder für die Politik entscheiden, stünde er heute noch einmal am Beginn seines Berufslebens. „Ich bin dankbar, dass ich die Chance bekam, sechs Legislaturperioden lang Abgeordneter des Deutschen Bundestages zu sein. Die Interessen der Menschen zu vertreten, ist mir bis heute eine Herzensangelegenheit.“

Bei all den positiven Erfahrungen, die Johannes Singhammer als Politiker machen durfte, wird er nachdenklich, wenn es um seine Familie geht. Die kam oft zu kurz, und als Vater von sechs Kindern hat er zu Hause sicher viel verpasst. „Freundschaften kann man als Politiker ebenfalls nicht so intensiv pflegen wie man möchte. Es fehlt im Alltag eines Politikers schlicht die Zeit. Dass meine Frau und meine Kinder viel Verständnis für meine politische Arbeit aufgebracht und mich unterstützt haben, dafür bin ich sehr dankbar.“

Kollegiales Verhältnis zu vielen Politikern

Was ihm fehlen wird, wenn er nicht mehr täglich in sein Bundestagsbüro kommt? „Meine Mitarbeiter und die Kollegen im Parlament“, sagt Johannes Singhammer. Zu vielen Politikern hat er parteiübergreifend ein kollegiales Verhältnis, und über die Jahre sind dabei auch Freundschaften entstanden. Was er bedauern würde? „Wenn der Kontakt zu Politikern anderer europäischer Parlamente, mit denen ich in regen Gedanken- und Erfahrungsaustausch treten konnte, abreißen würde. Ich finde es wichtig, Kontakte in Europa zu pflegen. Sie sind wichtig für die Verständigung.“

Johannes Singhammer war für viele Medien immer ein gefragter Interviewpartner. Nachdem er bekanntgegeben hatte, nicht erneut für den Bundestag zu kandidieren, ist das Interesse weiter gestiegen. Warum? Johannes Singhammer scheut nicht, Klartext zu reden – weder in der Flüchtlingspolitik, noch wenn es um Donald Trump geht. Im Deutschlandradio sagte er am 3. Februar: „Es ist immer gut in der Politik, wenn man das, was man verspricht, auch umsetzt. Es ist kein Anlass, dass man die Politik von Donald Trump mit einem Hang zum Hyperventilieren begleitet.“ 

„Journalisten haben keinen politischen Auftrag“

Dafür gab es in den Medien sowohl Zustimmung als auch Empörung. Johannes Singhammer nimmt das gelassen. Was die Rolle der Medien betrifft, hat er eine klare Meinung. „Journalisten sollten sich mit ihrem politischen Gestaltungswillen zurückhalten, denn sie sind keine Politiker und haben keinen politischen Auftrag. Ihre Aufgabe ist es, über Ereignisse zu berichten, aber nicht Politik im Wettbewerb mit gewählten Mandatsträgern zu gestalten. Und das betrifft in ganz besonderem Maß den öffentlich-rechtlichen Rundfunk, der einer neutralen Berichterstattung verpflichtet ist.“

Worauf sich Johannes Singhammer im politischen Ruhestand besonders freut? „Ich werde mehr Zeit für die Familie und Freunde haben, aber ich werde mich auch weiter ehrenamtlich engagieren. Zum Beispiel im Deutschen Familienverband, in der Bayerisch-Togoischen-Gesellschaft, der Deutsch-Mosambikanischen Gesellschaft und in der Deutschen Afrika Stiftung. Afrika liegt mir sehr am Herzen. Dieser Kontinent braucht unsere Hilfe beim Aufbau einer intakten Infrastruktur. Wenn wir die Länder in der Gesundheitspolitik, beim Brunnenbau, in der Landwirtschaft und vor allem in der Bildung unterstützen, schaffen wir wichtige Voraussetzungen, dass Menschen ihre Länder nicht mehr verlassen, weil sie dann eine Perspektive im eigenen Land sehen.“ (bsl/13.03.2017)