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31.05.2017 Bildung, Forschung und Technikfolgenabschätzung — Anhörung — hib 343/2017

Berufliche Bildung soll attraktiver werden

Berlin: (hib/suk) Angesichts des demographischen Wandels und der Tendenz, dass immer mehr junge Menschen einen möglichst hohen Bildungsabschluss anstreben, soll die berufliche Bildung künftig attraktiver gestaltet werden. Dies ist ein Fazit aus dem Fachgespräch über die Situation der beruflichen Bildung des Ausschusses für Bildung, Forschung und Technikfolgenabschätzung. Anlass des Gesprächs waren der Berufsbildungsbericht 2017 der Bundesregierung (18/11969) und zwei Anträge der Koalitionsfraktionen (18/4928 und 18/1451. Ebenfalls debattiert wurden zwei Anträge von Bündnis 90/Die Grünen (18/12361) und der Fraktion Die Linke (18/10281) zur Reform der beruflichen Bildung.

Es sei eine besondere Stärke des deutschen Systems der beruflichen Bildung, dass Arbeitsmarkt und Bildungssystem dabei „eng gekoppelt“ seien, sagte Matthias Anbuhl, Abteilungsleiter Bildungspolitik und Bildungsarbeit beim Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB), in seiner Stellungnahme. Dennoch gebe es aktuell drei besonders dringende „Baustellen“: Zum einen gebe es rund 1,2 Millionen junge Menschen zwischen 20 und 29 Jahren ohne Berufsabschluss - in jedem Jahrgang schafften rund 120.000 Schulabgänger den Übergang von Schule zu Ausbildung nicht. Zum zweiten müsse die berufliche Bildung stärker in den Blick genommen werden; nötig seien sowohl Investitionen in Gebäude als auch die Stärkung des Lehrernachwuchses. Anbuhl forderte daher einen „Pakt für berufsbildende Schulen“. Zum dritten stelle die Digitalisierung eine „zentrale Herausforderung“ dar: Gerade in diesem Punkt müsse man stärker auf die Qualifizierung der betrieblichen Ausbilder schauen.

Professor Thomas Bals, Vizepräsident für Hochschulentwicklung und Strategie der Universität Osnabrück, betonte, berufliche Bildung sei mehr als nur das duale System, dies müsse in den Blick genommen werden. Auch Fachoberschulen und Fachgymnasien seien wichtige Bestandteile des Systems. Die beruflichen Schulen seien der Ort für die Berufsorientierung: So solle man darüber nachdenken, ob nicht auch Gymnasiasten der Klassen acht bis zehn ihre Laufbahn unterbrechen sollten, um dort eine Orientierung für ihre berufliche Zukunft zu bekommen. Gleichzeitig müsse man realistisch bei der Einschätzung dessen sein, was berufsbildende Schulen leisten könnten: Die Vorbereitung im dualen System sei keine Vorbereitung auf einen Master-Studiengang.

Der Abteilungsleiter Berufliche Bildung beim Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH), Volker Born, sagte, obwohl man sich über einen leichten Anstieg der Neuverträge im Handwerk freuen könne, gebe es bereits im „fünften Jahr in Folge“ Probleme bei der Besetzung von Ausbildungsstellen. So sei der Zahl der Hauptschüler von 60 auf aktuell 40 Prozent gesunken. Dies sei Ergebnis einer Verschiebung in der Schulpolitik, bei der man sich mehr an einem akademischen Studium als Ziel orientiere. Die Betriebe bräuchten daher Unterstützung bei der Besetzung der Lehrstellen. Born lobte die Möglichkeit der assistierten Ausbildung: Angesichts der vielen förderbedürftigen Jugendlichen sei diese ein wichtiges Instrument, das allerdings 2018 auslaufe und verlängert werden solle. Zugleich sei es ein „Fehler der Bildungspolitik“, ihre Maßnahmen ausschließlich an die Erstausbildung zu adressieren. Die Fortbildung müsse als attraktive Aufstiegschance stärker bekannt gemacht werden.

Für Manuela Conte, Abteilungsleiter Berufliche Bildung, Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH), ist es wichtig, die Attraktivität der beruflichen Ausbildung weiter zu stärken, Sie müsse sich durch Chancengleichheit und den Zugang für alle auszeichnen und dürfe nicht an finanziellen Hürden scheitern. Conte forderte, Qualitätsstandards für die Ausbildung festzuschreiben und dem dualen Studium Rechtssicherheit einzuräumen. Dies sei aktuell „extrem intransparent“.

Die Abteilungsleiterin Bildung/Berufliche Bildung bei Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände e.V. (BDA), Barbara Dorn, betonte, aus Sicht der Arbeitgeber sei es um die berufliche Bildung in Deutschland „recht gut“ bestellt. Probleme gebe es aktuell beim „Matching“, also dem Zusammenfinden von Angebot und Nachfrage. Gleichzeitig strebten immer mehr Jugendliche nach höheren Schulabschlüssen - davon könne man ihnen auch nicht abraten. Wichtig sei aber deutlich zu machen, dass auch berufliche Bildung höhere Abschlüsse Einkommens- und Karrierechancen bereithalte, die mit denen der akademischen Bildung vergleichbar seien.

Professor Friedrich Hubert Esser, Präsident des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) in Bonn, sagte, obwohl es um die berufliche Bildung in Deutschland gut stehe, sei ihr Image in der Öffentlichkeit häufig anders - damit müsse man sich auseinandersetzen. Es sei „logisch“, dass viele Schulabgänger höhere Abschlüsse anstrebten. Diese Entwicklung aber zeige sich „unheilvoll“ besonders bei den kleinen und Kleinstbetrieben. Insbesondere Ausbildungsgänge, die mit harter körperlicher Arbeit einhergingen, würden immer weniger nachgefragt - hier könne immer weniger ausgebildet werden. Um dem entgegen zu wirken, gebe es regional schon gute und innovative Ansätze, die verstärkt werden sollten.

Dass es im Sinn der Integration wichtig sei, den vielen jungen Flüchtlingen in Deutschland eine berufliche Perspektive zu verschaffen und ihnen den Zugang in das Bildungssystem zu gewähren, betonte Claudia Karstens, Referentin für Migrationssozialarbeit und Jugendsozialarbeit beim Paritätischen Gesamtverband. Die Gleichung „Schutzquote gleich Bleibeperspektive“ sei „ein Trugschluss“. Wer nur Flüchtlingen mit guter Bleibeperspektive fördern wolle, wiederhole alte Fehler und schaffe neue Exklusionen.

Für die Unionsfraktion war nach Anhörung der Sachverständigen klar, dass in Sachen Berufsbildung in dieser Legislatur „einiges richtig“ gelaufen sei. Die Berufsbildung sei offen in der Breite, „in der Spitze“ bleibe noch einiges zu tun. Problematisch sei, dass Ausbildung mittelfristig wegfalle, wenn kleine und kleinste Betriebe ihre Ausbildungsstellen nicht besetzen könnten. Hier müsse man alle Verbündeten zusammenbringen.

Abgeordnete der SPD betonten, es sei ein Fehler, von einem vermeintlichen „Akademisierungswahn“ zu sprechen - Jugendliche träfen in der Regel als „stichhaltige Entscheidungen“ über ihren Beruf. Man müsse fragen, ob die großen Unternehmen ihren Anforderungen, ausreichend Ausbildungsplätze zur Verfügung zu stellen, gerecht würden. Gleichzeitig sehe man mit Sorge, dass Methodik und Didaktik bei der Ausbildung der Berufsschullehrer nicht mehr so gut seien, wie sie einmal waren.

Die Linke benannte es als Problem, dass so viele Jugendliche, die einmal im Übergangssystem gelandet seien, von dort nicht in Ausbildung kämen. Besorgniserregend sei auch, dass nur noch 52 Prozent der ausbildungsberechtigten Betriebe auch ausbilden würden.

Für die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen geht es aktuell vor allem um eine Integration der Flüchtlinge. Verstricke man sich dabei nicht in „Klein-Klein-Debatten“ könne, dies zu einer Situation führen, von der alle Beteiligten profitierten.

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