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Ausschüsse

Sachverständige fordern Prävention gegen Allergien

Die Sachverständigen nehmen zum Thema Allergien Stellung.

Die Sachverständigen nehmen zum Thema Allergien Stellung.

© picture alliance/dpa Themendienst

Zeit: Mittwoch, 25. November 2020, 14 Uhr bis 15 Uhr
Ort: Berlin, Reichstagsgebäude, Sitzungssaal 2 M 001

Wegen immer häufiger auftretender Allergien mahnen Gesundheitsexperten eine bessere Prävention an. Kinder und Erwachsene müssten wirksamer geschützt, Ärzte besser über mögliche Risiken durch allergene Stoffe informiert werden, forderten Fachverbände am Mittwoch, 25. November 2020, in einer Anhörung des Gesundheitsausschusses des Bundestages unter Leitung von Erwin Rüddel (CDU/CSU) über Anträge von Grünen und FDP. Die Sachverständigen äußerten sich in schriftlichen Stellungnahmen.

Grüne fordern Aktionsprogramm gegen Volkskrankheiten

Die Grünen-Fraktion fordert ein Aktionsprogramm gegen die Volkskrankheit der Allergien. In der aktuellen Ausgabe Weißbuch Allergie in Deutschland werde der Anteil der Bevölkerung, der unter allergischem Asthma, Heuschnupfen, Kontaktallergien, Nahrungsmittelallergien, Pollen-, Insektengift- oder Hausstaubmittelallergien leide, auf 20 bis 30 Prozent beziffert, heißt es in einem Antrag (19/19865) der Fraktion.

Die Abgeordneten fordern unter anderem eine bessere Versorgung der Allergiker und eine Anpassung der Finanzierung der Diagnostik, Behandlung, Rehabilitation und Forschung an den Bedarf der Allergiker.

FDP fordert wirksame Vorbeugung

Die FDP-Fraktion fordert ebenfalls eine wirksame Vorbeugung gegen Allergien und Unverträglichkeiten. Im Laufe des Lebens erkrankten laut einer Studie rund 30 Prozent der Menschen in Deutschland an einer Allergie, heißt es in einem Antrag der Fraktion (19/24373).

Die Abgeordneten fordern unter anderem eine bessere Aufklärung und Prävention, eine frühzeitige Allergiediagnostik bei Kindern sowie die Kostenübernahme für ärztlich begleitete Ernährungstherapien bei Nahrungsmittelallergien und -unverträglichkeiten.

Erweiterung der Deklarationspflicht auf Gebrauchsprodukte

Die Deutsche Gesellschaft für Allergologie und klinische Immunologie (DGAKI) sieht einen speziellen Handlungsbedarf. Nötig sei eine Erweiterung der Deklarationspflicht auf Gebrauchsprodukte, zu denen wiederholte oder längere Hautkontakte bestünden. Durch die vollständige Deklarationspflicht von möglichen Allergenen könne die Diagnostik und Therapie erheblich verbessert werden.

Es sei wichtig, Betroffene über die Bedeutung und die therapeutischen Möglichkeiten einer langfristigen Therapie von Allergien zu informieren, da Allergien im Einzelfall nicht nur die Lebensqualität, sondern auch die Leistungsfähigkeit in Schule, Beruf und Studien messbar beeinträchtigten.

Atemwegsallergien im Kleinkindalter

Die Gesellschaft für pädiatrische Allergologie und Umweltmedizin (GPA) erklärte, Allergien gehörten zu den häufigsten chronischen Erkrankungen im Kindes- und Jugendalter. Inzwischen manifestierten sich insbesondere Atemwegsallergien erschreckend früh bereits im Kleinkindalter. Kleinkinder mit allergischer Rhinitis (Entzündung der Nasenschleimhaut) hätten ein erhöhtes Risiko, Asthma zu entwickeln.

Nötig seien versierte Kinderärzte und ein Anspruch der Familien auf allergiespezifische Beratung durch Ärzte, erklärte der GPA. Auch die Erzieher in Kitas und Lehrer müssten für den Umgang mit allergiekranken Kindern geschult werden. Der Verband forderte zudem einen besseren Schutz der Kinder und Jugendlichen vor dem Passivrauchen und Luftschadstoffen.

Umweltmedizinerin: Vor allem Kinder leiden unter Allergien

Auch die Umweltmedizinerin Prof. Dr. Claudia Traidl-Hoffmann machte auf die dramatische Zunahme allergener Erkrankungen aufmerksam. Mehr als 40 Prozent der Europäer litten unter Allergien, vor allem Kinder. Mit dem Klimawandel verschärfe sich das Problem, weil sich mit steigenden Temperaturen die Dauer des Pollenflugs erhöhe und die Pollenmenge vergrößere.

Hochrechnungen zufolge sei 2025 mit einer Prävalenz von 50 Prozent der Bevölkerung zu rechnen. Sie forderte eine bessere Prävention. So sollte eine Basistherapie für Kinder, die an Neurodermitis und einer Barrierestörung der Haut erkrankt seien, auch über das zwölfte Lebensjahr hinaus bezahlt werden. (pk/25.11.2020)