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Experte: Infektionen mit dem Corona-Virus vor allem in Innenräumen

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Zeit: Donnerstag, 29. April 2021, 15 Uhr bis 16.30 Uhr
Ort: Berlin, Paul-Löbe-Haus, Sitzungssaal E 300

Zu Infektionen mit dem Corona-Virus kommt es vor allem in Innenräumen. Das ist eine Erkenntnis der öffentlichen Anhörung des vom Gesundheitsausschuss eingerichteten „Parlamentarischen Begleitgremiums Covid-19-Pandemie“ unter Vorsitz von Rudolf Henke (CDU/CSU) am Donnerstag, 29. April 2021. „Draußen ist bei ansonsten gleichen Parametern die Infektionswahrscheinlichkeit mindestens um einen Faktor 10 reduziert gegenüber drinnen“, sagte Prof. Dr. Kai Nagel von der Technischen Universität Berlin, der im Rahmen des vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderten Modus-Covid-Projektes Simulationen der Ausbreitung von Covid-19/Sars-2 auf der Grundlage von Mobilitätsmodellen durchführt.

Keine starken Infektionswirkungen bei Aufenthalten in Parks

Stoff- oder OP-Masken (Faktor 3), FFP2-Masken (Faktor 9), Schnelltests (Faktor 3) und Impfungen (Faktor 100) würden die erwartete Anzahl der Infektionen ebenso senken wie eine geringere Personendichte, sagte Nagel. Eine Reduzierung der Personendichte um einen Faktor 2 ergebe die Reduktion der Infektionen um einen Faktor 4, sagte er. Im Ergebnis dessen seien beispielsweise von Aufenthalten in Parks, geöffneter Außengastronomie sowie Freiluftkonzerten – „mit gültigem Schnelltest oder Impfung“ – keine starken Infektionswirkungen zu erwarten. Ihr Beitrag zum R-Wert liege bei unter 0,01.

Anders sehe das bei Innengastronomie, Kneipen, Clubs sowie Feiern in privaten Innenräumen aus, wofür Beiträge von 0,5 zum R-Wert bei der Modellierung errechnet worden seien. Da die Ansteckungen zu Hause weitere 0,5 betragen und sich Ansteckungen in anderen Kontexten wie Schulen, Arbeit und beim Einkaufen nicht vollständig vermeiden lassen würden, „wäre damit eine Kontrolle der Epidemie, also ein R-Wert von unter 1, unmöglich“, befand Nagel.

Übertragungsrisiko vom sozioökonomischen Status anhängig

Auch Prof. Dr. Eva Grill von der Deutschen Gesellschaft für Epidemiologie verwies darauf, dass es eine Evidenz dafür gebe, „dass ein Großteil der Übertragungen tatsächlich in Innenräumen stattfindet“. Übertragungen im Freien stünden in Kombination mit engem Kontakt ohne Schutzmaßnahme.

Mit Blick auf die sozio-ökonomische Situation, so Grill weiter, gebe es überzeugende Hinweise dafür, dass die Übertragung der Infektion von Arbeits- und Lebensumständen und der Bildung abhänge. „Also konkret vom sozio-ökonomischen Status der Betroffenen.“ Das Übertragungsrisiko steige, „je geringer das Haushaltseinkommen und je enger die Wohnsituation ist“, sagte Grill. Ein besonderes Augenmerk empfahl sie auch auf jenes berufliche Umfeld zu legen, bei dem viele enge Kontakte unvermeidlich sind.

Schulschließungen und Verbote von Großveranstaltungen

Aus Sicht von Prof. Dr. Gérard Krause vom Helmholtz Zentrum für Infektionsforschung wächst zwar die Evidenz für die Wirksamkeit kontaktreduzierender Maßnahmen. Aus methodischen Gründen sei sie aber immer noch „nicht sehr gut belastbar“. Es sei unstrittig, dass die Einschränkung von Kontakten und Schutzmaßnahmen wie das Tragen von Masken „weiterhin sehr wirksam sind und zur Verlangsamung der Infektionsausbreitung beitragen“.

Inwiefern aber einzelne Maßnahmen zur Kontaktreduktion beitragen würden, lasse sich schwer identifizieren. Die beiden einzigen dazu existierenden Studien zeigten laut Krause, dass ein Bündel von Maßnahmen deren Wirksamkeit ausmache. Das Verbot von Großveranstaltungen sei dabei der Bestandteil mit dem größten Effekt. Nur halb so viel Wirksamkeit hätten etwa Schulschließungen, Ausgangsbeschränkungen und Einschränkungen bei den Freizeitbeschäftigungen gehabt.

Langsamer Öffnen als es der Impffortschritt erlaubt

Vor zu frühen Öffnungen trotz Impffortschritten warnte Dr. Viola Priesemann vom Max-Planck-Institut für Dynamik und Selbstorganisation. Würde man etwas langsamer Öffnen als es der Impffortschritt vielleicht erlauben würde, „sinken die Fallzahlen, wie in Israel und England zu sehen“, sagte Priesemann. „Lockern wir aber etwas zu früh, können wir noch über Wochen volle Intensivstationen haben“, betonte sie. Der Unterschied in Sachen Freiheit sei in den beiden Fällen minimal.

Ein kurzer harter Lockdown sei wesentlich effizienter. Dabei müsse es etwa darum gehen, die Infektionen auf dem Arbeitsplatz um den Faktor 2 zu reduzieren, „damit die Schulen danach auch wieder nachhaltig geöffnet werden können“. Der Impffortschritt werde für die nächsten Wochen Erleichterungen bringen, prognostizierte Priesemann. „Allerdings nicht notwendigerweise für die nächsten Monate, da der Impfschutz nicht perfekt ist“, fügte sie hinzu. Es sei unklar, inwiefern das für den Sommer und vor allem für den nächsten Herbst ausreichend sei, „um weitere Wellen zu vermeiden“.

Parlamentarisches Begleitgremium

Der Arbeitsbereich des Parlamentarischen Begleitgremiums umfasst im Wesentlichen drei große Themenblöcke. Zunächst sind dies Fragen der Pandemiebekämpfung, wozu beispielsweise die Erforschung des Virus und seiner Mutationen, Chancen durch Digitalisierung sowie internationale Aspekte gehören.

Der zweite Themenblock umfasst den Komplex der Impfungen, mit dem sowohl die Entwicklung und Zulassung von Impfstoffen als auch der Zugang zur Impfung und die damit verbundenen ethischen, sozialen und rechtlichen Aspekte gemeint sind. Schließlich sollen auch die gesellschaftlichen Auswirkungen der Pandemie und der damit verbundenen Kontaktbeschränkungen in den Blick genommen werden.

Als Erkenntnisquelle dienen dem Begleitgremium öffentliche Anhörungen von Sachverständigen und Expertengespräche. Zudem wird die Bundesregierung das Gremium regelmäßig über das aktuelle Infektionsgeschehen und anlassbezogen zu aktuellen Fragen der Pandemiebekämpfung unterrichten. (hau/vom/29.04.2021)