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11. März 2020, 18:00 Uhr: Öffentliches Fachgespräch zum Thema „Stoffeintrag in Böden und Gewässern"

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Zeit: Mittwoch, 11. März 2020, 0 Uhr bis 0 Uhr
Ort: Berlin, Paul-Löbe-Haus, Sitzungssaal E.700

Hersteller und Händler müssten stärker in die Pflicht genommen werden bei der Reduzierung von Schadstoffen, die in Boden und Gewässer eindringen. Darin waren sich die Sachverständigen einig bei einem Fachgespräch des Parlamentarischen Beirats für nachhaltige Entwicklung unter der Leitung von Dr. Andreas Lenz (CDU/CSU) am Mittwoch, 11. März 2020.

Arzneimittel, Kosmetika oder Pflanzenschutzmittel

„Vermeiden ist günstiger als reparieren“, meinte Dr.-Ing. Issa Nafo von der Emschergenossenschaft/Lippeverband. Die 10.000 Kläranlagen in Deutschland reinigten das Abwasser zwar auf einem sehr hohen Standard, sagte Nafo. Doch seien sie nicht in der Lage, alle Spurenstoffe herauszufiltern. Wobei Arzneimittel, Kosmetika oder Pflanzenschutzmittel die größten Probleme verursachten. In den Kläranlagen werde 200 Substanzen nachgespürt. Er sagte voraus, der Trend zu einer Zunahme beim Medikamentengebrauch werde sich in den Kläranlagen niederschlagen. Er kritisierte den hohen Einsatz von Antibiotika und prangerte an, dass bei Internetrecherchen oft ein Zusammenhang von Antibiotika und Grippebekämpfung hergestellt werde, obwohl dies nicht zutreffe.

Forderungen nach einer flächendeckenden vierten Reinigungsstufe in den Kläranlagen erteilte Nafo eine Absage. Auch sie könne nicht alle Stoffe zurückhalten, sei zudem sehr teuer und verbrauche in erheblichem Umfang Energie. Mithin: Ein flächendeckender Ausbau sei weder wirtschaftlich noch ökologisch sinnvoll. Für die Herstellerseite müsse es Anreize geben, sich am Schutz von Böden und Gewässern zu beteiligen: ohne Anreize keine Innovation.

Höhere Abwassergebühr

Dr. Jörg Rehberg vom Bundesverband der Energie und Wasserwirtschaft verwies auf die starke finanzielle Bedeutung beim Blick auf die Kläranlagen. Wenn sie eine vierte Reinigungsstufe einrichteten, müssten die Bürger mit einer Steigerung der Abwassergebühr um zehn Prozent rechnen. Dabei seien nicht sie in erster Linie die Verursacher, sondern die Hersteller.

Er schlug deshalb einen Fonds vor. In ihn sollten Hersteller und Händler einzahlen – und zwar entsprechend der Schädlichkeit der einzelnen Spurenstoffe. Er verglich dies mit dem Emissionshandel. Das Geld könne für Maßnahmen zu mehr Gewässerschutz verwendet werden.

Forschung steht am Anfang

Plastik in Böden etwa durch Reifenabrieb in Straßennähe oder durch die Verwendung von Folien in Landwirtschaft und Gartenbau nannte Prof. Dr. Dr. Berndt-Michael Wilke als großes Problem der Zukunft. Er ist Präsident des Bundesverbandes Boden. Der Umgang mit dieser Problematik stecke noch in den Anfängen, verwies er auf laufende Forschungsvorhaben. Noch fehle es an Untersuchungen, die genau Auskunft geben könnten über die Auswirkungen auf Menschen und Bodentiere.

Wilke schilderte die Bedeutung der Böden. Es gebe die Aussage, dass in einer Handvoll Boden mehr unterschiedliche Organismen zu finden seien als im Amazonas-Gebiet. Der Boden könne Einträge von Stoffen puffern. Einige Organismen würden Stoffe entgiften, was eine natürliche Selbstheilungskraft bedeute.

Schwerpunkt Nitrat-Problematik

Einen Schwerpunkt im Fachgespräch bildete die Nitrat-Problematik. Die Nitratwerte stiegen seit Jahrzehnten, sagte Rehberg. Der direkte Zusammenhand zwischen landwirtschaftlicher Intensivnutzung des Bodens und hohen Nitratwerten sei wissenschaftlich belegt. Deutschland müsse die EU-Richtlinie unverzüglich umsetzen. Er beklagte, dass die Bundesregierung an Ausnahmen denke und die Einbeziehung aller Düngemittel lückenhaft sei. Die Frage sei, wer geschützt werden solle: die Gewässer oder einzelne Betriebe. Nitrat bedeute ein Riesenproblem für die Wasserversorgung, wobei es bisher nur um die Spitze eines Eisbergs gehe: Der Wert erhöhe sich im Laufe der Jahre.

Die aktuelle Diskussion um die Platzierung von Nitrat-Messstellen helfe nicht weiter, meinte Rehberg. Die Messstellen würden seit Jahrzehnten betrieben – vermehrt dort, wo es um dir Trinkwasserversorgung gehe. Selbst wenn die eine oder andere Messstelle an einem ungünstigen Ort stehe, ändere das nichts an der großen Tendenz: Zunahme der Nitratwerte. (fla/13.03.2020)

Liste der geladenen Sachverständigen

  • Dr.-Ing. Issa Nafo, Leiter der Abteilung „Entwicklung und Management von Förderprojekten“, Emschergenossenschaft/Lippeverband (EG/LV) und Lehrbeauftragter im Fachgebiet „Abfall- und Siedlungswasserwirtschaft“, Universität Duisburg-Essen
  • Dr. Jörg Rehberg, Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft e. V. (BDEW), Fachbereichsleiter Geschäftsbereich „Wasser/Abwasser“
  • Prof. Dr. Dr. Berndt-Michael Wilke, Präsident des Bundesverbandes Boden e. V. und Leiter des Fachgebietes „Abfallbelastung der Landschaft“, Institut für Ökologie, Technische Universität Berlin