<?xml version='1.0' encoding='UTF-8'?><newsdetails><dokumentInfo><dokumentURL></dokumentURL><dokumentStand></dokumentStand></dokumentInfo><articleId>1029834</articleId><sourceURL>https://www.bundestag.de/dokumente/textarchiv/2024/kw49-pa-tourismus-neue-arbeitsform-1029834</sourceURL><date>04.12.2024</date><title><![CDATA[Flexible Arbeitsformen zur Fachkräftegewinnung]]></title><imageURL>https://www.bundestag.de/resource/image/1029836/3x2/320/213/80e7b99d7b0230df44296fdc11fa8e2/4CCC575E95DB977D97B4C180BA7716A8/kw49_pa_tourismus_neue_arbeitsform_bild.jpg</imageURL><imageGrossURL>https://www.bundestag.de/resource/image/1029836/3x2/475/316/ce5e43df755fe58fa052f4fdd7eef1e7/A0374A11C1C16D8A7AA8475CD5305BD7/kw49_pa_tourismus_neue_arbeitsform_bild.jpg</imageGrossURL><imageXL>https://www.bundestag.de/resource/image/1029836/16x9/475/267/f59eb1b8a0dfa3e2c5a2854c05d6f50f/0D92AB310BDDDE78F2DC2DF0ECF74149/kw49_pa_tourismus_neue_arbeitsform_bild.jpg</imageXL><imageXXL>https://www.bundestag.de/resource/image/1029836/16x9/1920/1080/e86bfbb007cc77e1de2ef3020960173/065376B74243A89B5B34CA75B6FC36F1/kw49_pa_tourismus_neue_arbeitsform_bild.jpg</imageXXL><imageCopyright>picture alliance / Westend61 | DREAMSTO</imageCopyright><imageLastChanged>04.12.2024</imageLastChanged><imageChangedDateTime>04.12.2024 16:21</imageChangedDateTime><imageAltText>Junge Frau sitzt im Strandcafe am Tisch mit Laptop und Pad.</imageAltText><video-stream><url>https://webtv.bundestag.de/iptv/player/macros/_x_s-144277506/bttv/mobile/feed_vod.xml?contentId=7,618,553</url><streamsource>https://webtv.bundestag.de/iptv/player/macros/_x_s-144277506/bttv/mobile/feed_vod.xml?contentId=7,618,553</streamsource></video-stream><text><![CDATA[<p>Wie sich Geschäftsreisen und private Reisen möglichst gut verbinden lassen, war am <strong>Mittwoch, 4. Dezember 2024,</strong> Thema einer öffentlichen Anhörung zu den <strong>neuen Arbeits- und Urlaubsformen</strong> <span xml:lang="en" lang="en">Workation</span> und <span xml:lang="en" lang="en">Bleisure</span> im <strong>Tourismusausschuss</strong>. Die Expertinnen und Experten waren sich einig, dass sich dieser Trend längerfristig halten wird, weil vor allem bei Menschen, die zu den nach 1981 geborenen Jahrgängen gehören, neue Arbeitsformen großen Zuspruch erfahren. </p><p>Das Arbeiten und das Reisen zu verbinden, gehört aktuell für viele Berufstätige zu einer guten <span xml:lang="en" lang="en">Work-Life-Balance</span>. Und auch für Unternehmen gilt es als rentabel, wenn sie ihren Mitarbeitern flexible und damit motivierende Arbeitsbedingungen anbieten. Vor allem die beiden Konzepte <span xml:lang="en" lang="en">Workation</span> und <span xml:lang="en" lang="en">Bleisure </span>finden seit Jahren immer mehr Zuspruch.</p><h2>"<span xml:lang="en" lang="en">Workation</span>" und "<span xml:lang="en" lang="en">Bleisure</span>"</h2><p><span xml:lang="en" lang="en">Workation</span>, die Kombination aus Arbeit (<span xml:lang="en" lang="en">work</span>) und Urlaub (<span xml:lang="en" lang="en">vacation</span>), ist ein Arbeitskonzept, das dadurch kennzeichnet ist, dass Berufstätige von klassischen Urlaubsorten aus arbeiten. Das kann für einige Tage, Wochen oder auch Monate der Fall sein. Das Konzept geht auf die sogenannten "digitalen Nomaden" zurück, Menschen, die als Selbstständige oder Unternehmer um die Welt reisen, während sie arbeiten. Mittlerweile bieten zahlreiche Unternehmen <span xml:lang="en" lang="en">Workation</span>-Optionen auch für ihre Angestellten an.</p><p><span xml:lang="en" lang="en">Bleisure</span> ist eine Wortneuschöpfung, die sich aus den englischen Begriffen „<span xml:lang="en" lang="en">business</span>“ (Geschäft) und „<span xml:lang="en" lang="en">leisure</span>“ (Freizeit) zusammensetzt. Die Idee ist älter als die <span xml:lang="en" lang="en">Workation</span>. Angestellte hängen an eine Geschäftsreise einige Tage Urlaub an, um sich auszuruhen und sich die Sehenswürdigkeiten vor Ort anzusehen. Anders als bei der <span xml:lang="en" lang="en">Workation</span> werden Arbeit und Freizeit bei <span xml:lang="en" lang="en">Bleisure Travel</span> nicht vermischt, sondern folgen aufeinander. In der Regel beschränkt sich der <span xml:lang="en" lang="en">Bleisure</span>-Aufenthalt auf wenige Tage.</p><h2>Plädoyer für ortsflexible Arbeitsmodelle</h2><p>„In einer sich stetig wandelnden Arbeitswelt gewinnen ortsflexible Arbeitsmodelle wie <span xml:lang="en" lang="en">Workation </span>oder <span xml:lang="en" lang="en">Bleisure Travel</span> zunehmend an Bedeutung und sind ein Instrument des <span xml:lang="en" lang="en">Employer Branding</span> der Unternehmen“, sagte <strong>Corinna Döpkens, </strong>Gründerin der <strong>Corinna Döpkens-</strong><span xml:lang="en" lang="en"><strong>Travel Management</strong>,</span> bei der Öffentlichen Anhörung. Allerdings habe sie festgestellt, dass auf Seiten der Anbieter in der Tourismus-Industrie die <span xml:lang="en" lang="en">Begriffe Bleisure Travel, Workation</span> sowie Co-<span xml:lang="en" lang="en">Workation </span>nicht geklärt seien. Sie plädiere deshalb dafür, ein "einheitliches, leicht verständliches Vokabular" zu entwickeln und Kommunikationsstrategien einzusetzen, die weniger Fachjargon beinhalteten und mehr erfahrungsbasierte Inhalte nutzten. </p><p>Außerdem müssten die Bedürfnisse der verschiedenen Zielgruppen differenziert werden. So hätten <span xml:lang="en" lang="en">Freelancer</span> andere Erwartungen als Führungskräfte großer Unternehmen. Anhand von Umfragen, <span xml:lang="en" lang="en">Interviews</span> oder Nutzerdatenanalysen könnten spezifische <span xml:lang="en" lang="en">Bleisure</span>- oder <span xml:lang="en" lang="en">Workation</span>-Angebote entwickelt werden. Schließlich seien Kooperationen hilfreich, um die Zusammenarbeit mit Unternehmen, die bereits Expertise in <span xml:lang="en" lang="en">Remote</span>-Arbeitsmodellen hätten, besser zu vernetzen.</p><h2>Forderung nach klaren gesetzlichen Leitlinien</h2><p>Dafür bekam Corinna Döpkens Unterstützung von <strong>Prof. Dr. Peter Neumann</strong>, Fachgebietsleiter <span xml:lang="en" lang="en">Hospitality, Tourism and Event</span> an der<strong> IU Internationale Hochschule Münster und Erfurt</strong>. Auch er sprach sich für Marktforschung und Datenanalysen aus und schlug umfassende Studien zur nationalen und internationalen Nachfrage nach <span xml:lang="en" lang="en">Workation </span>und <span xml:lang="en" lang="en">Bleisure Travel</span> vor, "ergänzt durch kontinuierliche Datenanalysen, um Trends, Bedürfnisse und wirtschaftliche Auswirkungen gezielt zu verstehen und fundierte Entscheidungen treffen zu können", sagte Neumann. </p><p>Wenn Unternehmen solche neuen Anreize zur Mitarbeiterbindung anböten, müssten auch die firmeninternen Reiserichtlinien angepasst und <span xml:lang="en" lang="en">Workation</span>- sowie <span xml:lang="en" lang="en">Bleisure</span>-Angebote integriert werden, um Mitarbeiterzufriedenheit und -bindung zu fördern. Die Politik sei aufgefordert, für rechtliche Rahmenbedingungen zu sorgen. Dabei stünde die Klärung arbeits-, steuer- und sozialversicherungsrechtlicher Fragen durch klare gesetzliche Leitlinien im Vordergrund, um die Rechtssicherheit für Unternehmen und Mitarbeitende zu gewährleisten.</p><h2>Neue Formen der Mitarbeitergewinnung</h2><p><strong>Dr. Julia Reif</strong>, Professorin für Wirtschafts- und Organisationspsychologie an der <strong>Universität der Bundeswehr München</strong>, unterstrich die Notwendigkeit neuer Formen der Mitarbeitergewinnung für Unternehmen. Vor allem demografische Gründe hätten dazu geführt, dass Firmen ihre Mitarbeitersuche veränderten. Jüngere Menschen aus der Generation Y und der Generation Z <span>–</span> die zwischen 1981 und 1994 beziehungsweise von 1995 bis 2010 geborenen Jahrgänge <span>–</span> erwarteten Flexibilität und digitale Arbeitsweisen, "was gemischte Arbeitsmodelle für diese Zielgruppe besonders attraktiv macht", sagte Reif. Aber auch für "Menschen mit Sorgeverantwortung" könnten gemischte Arbeitsformen eine Chance bieten, im Spannungsfeld der Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben besser navigieren zu können: zum Beispiel mit einer verkürzten Wochenarbeitszeit, intensiven Phasen in Vollzeit, die sich mit Teilzeit abwechseln, familienfreundlichen Schichtdienstplänen, Gleitzeitmodellen, mobilem Arbeiten und, wo es möglich sei, flexiblen Karrierewegen. </p><p>Gleichzeitig förderten <span xml:lang="en" lang="en">Coworking</span>- und <span xml:lang="en" lang="en">Workation</span>-Modelle Kreativität und Innovation durch neuen <span xml:lang="en" lang="en">Input </span>und Netzwerke in entsprechenden <span xml:lang="en" lang="en">Communities </span>und <span xml:lang="en" lang="en">Coworking Spaces</span>. Unternehmen könnten durch hybride Arbeitsmodelle Bürokosten sparen. "Mitarbeitende könnten von geringeren Pendelkosten profitieren, wenn sie den Arbeitsort flexibel wählen können beziehungsweise einen <span xml:lang="en" lang="en">Coworking Space</span> in ihrer direkten Umgebung wählen können", sagte Reif. <span xml:lang="en" lang="en">Coworking Spaces</span> befänden sich oft in ländlichen Umgebungen. <span xml:lang="en" lang="en">Coworking Spaces</span> am entsprechenden Standort könnten neue Wirtschaftszweige schaffen und Dienstleistungen erforderlich machen.</p><h2><span xml:lang="en" lang="en">Coworking Spaces</span> und ländliche Räume</h2><p>Wie ein solches Modell aussehen kann, erklärte <span xml:lang="fr" lang="fr"><strong>Jean-Pierre</strong></span><strong> Jacobi</strong>, Vorstandsmitglied bei <span xml:lang="en" lang="en"><strong>CoWorkLand</strong></span><strong> eG</strong>. Er stellte das Konzept der <span xml:lang="en" lang="en">Workation </span>aus der Perspektive der von ihm mitgegründeten Genossenschaft inhabergeführter<span xml:lang="en" lang="en"> Coworking Spaces</span> in ländlichen Regionen und Kleinstädten vor. Aus seiner Sicht könnte ein solches Format entscheidend für die Entwicklung ländlicher Räume sein, "da diese Regionen Rahmenbedingungen benötigen, um nachhaltig erfolgreich zu sein", sagte Jacobi. </p><p>Wirtschaftlich betrachtet, könnten <span xml:lang="en" lang="en">Workation</span>-Angebote zur Diversifizierung der lokalen Wirtschaft beitragen, indem sie Arbeits- und Urlaubswelt miteinander verknüpften. "Dies ermöglicht es, die touristische <span xml:lang="fr" lang="fr">Saison</span> zu verlängern, ganzjährige Arbeitsplätze zu schaffen und ländliche Hotellerie sowie Gastronomie zu beleben <span>–</span> auch mit begrenzten personellen Ressourcen", erklärte Jacobi. Die Verbindung von Arbeit und Freizeit mache ländliche Räume gerade für junge, kreative Zielgruppen immer attraktiver und könne so auch einen Beitrag zur Bekämpfung von Folgen des demografischen Wandels wie Überalterung und dem Vergreisen ganzer Landstriche leisten.</p><h2>Potenzial zur Belebung der Nebensaison</h2><p>Auch <strong>Marco Nußbaum,</strong> Vorstandsvorsitzender der <strong>Hiamo AG</strong>, Betreiber eines <span xml:lang="fr" lang="fr">Boutique</span>-4-Sterne-Hotels und mehrerer Ferienwohnungen in Hohwacht an der schleswig-holsteinischen Ostsee, sieht in der <span xml:lang="en" lang="en">Workation </span>„eine zeitgemäße Arbeitsform mit einem enormen Potenzial zur Belebung der Nebensaison“. <span xml:lang="en" lang="en">Workation </span>biete eine Chance, Regionen wie Hohwacht in der Nebensaison zu beleben und gleichzeitig die Arbeitskultur zukunftsfähig zu gestalten. </p><p>"Unsere bisherigen Erfahrungen zeigen, dass <span xml:lang="en" lang="en">Workation </span>weit mehr als ein Trend ist <span>–</span> es ist ein Schlüssel zur nachhaltigen Entwicklung der Hotellerie und Tourismuswirtschaft", sagte Nußbaum. Mit einer "klugen Infrastrukturstrategie und gezielten Investitionen" könnten die Anbieter Deutschland gar als "führende <span xml:lang="en" lang="en">Workation</span>-Destination etablieren und gleichzeitig wirtschaftliche und gesellschaftliche Vorteile erzielen", so sein Fazit.</p><h2>"Keine vorübergehenden Erscheinungen"</h2><p><strong>Markus Orth</strong>, Geschäftsführer von <strong>Lufthansa </strong><span xml:lang="en" lang="en"><strong>City Center </strong></span><strong>Reisebüropartner</strong>, betont, dass vor allem die "<span xml:lang="en" lang="en">Gen Y</span>", die zwischen 1981 und 1995 geborenen Jahrgänge, sich derzeit <span xml:lang="en" lang="en">Workation</span>-Optionen von ihren Arbeitgebern wünschten. In einer Untersuchung der Unternehmensberatung <span xml:lang="en" lang="en">PricewaterhouseCoopers International</span> hätten 80 Prozent aus dieser Zielgruppe angegeben, dass ihnen dieser "<span xml:lang="en" lang="en">Benefit</span>" wichtig sei. <span xml:lang="en" lang="en">Bleisure </span>und <span xml:lang="en" lang="en">Workation </span>seien "in der Arbeitswelt von heute fest etabliert und keine vorübergehenden Erscheinungen", sagte Orth. Vor allem durch die zunehmende Digitalisierung und die gewachsene Akzeptanz von <span xml:lang="en" lang="en">Homeoffice </span>hätten sich diese Arbeitsformen entwickelt. </p><p>67 Prozent der Geschäftsreisenden passten die Reiseplanung an ihre<span xml:lang="en" lang="en"> Work-Life-Balance</span> an. Die größte Motivation zur Nutzung von <span xml:lang="en" lang="en">Bleisure Travel</span> sei ein attraktives Reiseziel. Für die erfolgreiche Umsetzung dieser Trends bedürfe es deshalb "klarer Regelungen, technologischer Infrastruktur und kompetenter Beratung".</p><h2>Arbeitsrechtliche Regelungen</h2><p><strong>Inge Pirner,</strong> Vizepräsidentin des <strong>Verbands Deutsches Reisemanagement (VDR)</strong>, sprach die arbeitsrechtlichen Regelungen für die neuen Arbeitsmodelle an. Für Themenfelder wie das Arbeitsrecht und den Arbeitsschutz, die Arbeitszeitregelungen, Fragen zur Sozialversicherung und zu weiteren Versicherungen (wie etwa Unfall- und Krankenversicherung), der Meldepflicht sowie Einreisebestimmungen, gebe es bislang keine klaren Antworten, oder bestehende Regeln passten nicht zur neuen Arbeitswelt. Unternehmen müssten bei grenzüberschreitenden Tätigkeiten ihrer Beschäftigten in der EU deren Sozialversicherungszugehörigkeit durch eine A1-Bescheinigung (VO (EG) 883/2004 und VO (EG) 987/2011) belegen, dazu zähle auch Workation. Um den hohen administrativen Aufwand und die Kosten in den Unternehmen sowie der kontrollierenden Behörden zu vermeiden, forderte Pirner, geschäftliche Reisen aus dem Geltungsbereich auszunehmen.</p><p>Liege keine A1-Bescheinigung (EU-Länder) oder eine Deckungszusage (andere Länder mit einem Sozialversicherungsabkommen) vor, gebe es zwei mögliche Probleme. Zum einen könnte der Geschäftsreisende den Versicherungsschutz des Sozialversicherungssystems des Heimatlandes verlieren. Zum anderen könnte der Geschäftsreisende in das Sozialversicherungssystem des Gastlandes aufgenommen werden. Was positiv klinge, habe aber den Nachteil, dass dann lokale Sozialversicherungsbeiträge gezahlt werden müssten. "Daher bedarf es einer einheitlichen europäischen Sozialversicherungsnummer", sagte Pirner. (nki/04.12.2024)</p>]]></text><changedDateTime>04.12.2024 18:05</changedDateTime></newsdetails>