<?xml version='1.0' encoding='UTF-8'?><newsdetails><dokumentInfo><dokumentURL></dokumentURL><dokumentStand></dokumentStand></dokumentInfo><articleId>555092</articleId><sourceURL>https://www.bundestag.de/webarchiv/textarchiv/2018/kw23-pa-arbeit-soziales-555092</sourceURL><date>04.06.2018</date><title><![CDATA[Sachverständige: Sank­tions­system bei Hartz IV überarbeiten]]></title><imageURL>https://www.bundestag.de/resource/image/555094/3x2/320/213/54a54763d4ddd84ecf744681ef032373/53810446852A103132502AC9C717B63F/kw23_pa_arbeit_soziales_bild.jpg</imageURL><imageGrossURL>https://www.bundestag.de/resource/image/555094/3x2/475/316/7911edf06bfd42c7d59c459d559d9774/43ADACAF20A77D6BA5FBED4EA4FDC037/kw23_pa_arbeit_soziales_bild.jpg</imageGrossURL><imageXL>https://www.bundestag.de/resource/image/555094/16x9/475/267/7f7ad3599559e44f5721d53ce47fbe94/038BBB39637317938BEC5C3A68D76C5A/kw23_pa_arbeit_soziales_bild.jpg</imageXL><imageXXL>https://www.bundestag.de/resource/image/555094/16x9/1920/1080/342b173328f2a050150db0dad2dd5193/4E9B989D55C52472D805FB2739A6B770/kw23_pa_arbeit_soziales_bild.jpg</imageXXL><imageCopyright>dpa-Report</imageCopyright><imageLastChanged>18.05.2018</imageLastChanged><imageChangedDateTime>18.05.2018 15:45</imageChangedDateTime><imageAltText>Zwei Personen lesen Jobangebote in einem Jobcenter.</imageAltText><video-stream><url>https://webtv.bundestag.de/iptv/player/macros/_x_s-144277506/bttv/mobile/feed_vod.xml?contentId=7,239,689</url><streamsource>https://webtv.bundestag.de/iptv/player/macros/_x_s-144277506/bttv/mobile/feed_vod.xml?contentId=7,239,689</streamsource></video-stream><text><![CDATA[<p>Das <strong>Sanktionssystem beim Arbeitslosengeld II </strong>sollte überarbeitet werden. Auf diesen Minimalkonsens lassen sich die Expertenäußerungen einer Anhörung des <strong>Ausschusses für Arbeit und Soziales</strong> unter Vorsitz von <strong>Dr. Matthias Bartke (SPD) a</strong>m <strong>Montag, 4. Juni 2018</strong>, reduzieren. Von diesem ausgehend, bewegten sich die Vorschläge jedoch von einer stärkeren Flexibilisierung des Systems bis hin zu seiner kompletten Abschaffung. Die Kritik an den oft standardisierten Eingliederungsvereinbarungen zwischen <span xml:lang="en" lang="en">Jobcenter </span>und Arbeitslosen kam von fast allen Seiten, ebenso wie die Forderung nach einer besseren Vermittlungstätigkeit durch die <span xml:lang="en" lang="en">Jobcenter</span>. </p><p>Gegenstand der Anhörung waren zwei Anträge der Fraktionen Die Linke (<a class="dipLink" title="Die PDF-Datei Drucksache 19/103 öffnet sich in einem neuen Fenster" href="https://dserver.bundestag.de/btd/19/001/1900103.pdf" target="_blank" rel="noopener"><i class="icon-doc-1"></i>19/103</a>) und von Bündnis 90/Die Grünen (<a class="dipLink" title="Die PDF-Datei Drucksache 19/1711 öffnet sich in einem neuen Fenster" href="https://dserver.bundestag.de/btd/19/017/1901711.pdf" target="_blank" rel="noopener"><i class="icon-doc-1"></i>19/1711</a>). Beide Fraktionen fordern, Sanktionen im Hartz-IV-System und Leistungseinschränkungen bei der Sozialhilfe abzuschaffen und die Beratung der Arbeitslosengeld-II-Beziehenden zu verbessern.</p><h2>Lob für das Prinzip des Förderns und Forderns</h2><p>Grundsätzlich positiv bewerteten die <strong>Bundesvereinigung der Arbeitgeberverbände (BDA)</strong>, der <strong>Zentralverband des Deutschen Handwerks</strong>, der <strong>Deutsche Landkreistag</strong> und die <strong>Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft</strong> das Sanktionssystem. So betonte <strong>Jan Dannenbring</strong> vom Zentralverband des Deutschen Handwerks, das Prinzip des Förderns und Forderns habe noch immer Gültigkeit und Sanktionen seien unentbehrlich, um eine schnelle Integration der Arbeitslosen in den Arbeitsmarkt zu erreichen. <strong>Dr.</strong> <strong>Markus Mempel </strong>vom Landkreistag nannte sie ebenfalls ein „wichtiges Hilfsmittel“, ohne das viele Leistungsberechtigte nicht erreicht würden.</p><p>Eine vollkommene Abschaffung sei „schwierig“, wenn man ein System aufrechterhalten wolle, das auf Pflichtverletzungen reagieren will, sagte<strong> Dr.</strong> <strong>Joachim Wolff</strong> vom <strong>Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB)</strong>. Er verwies zugleich darauf, dass ein vereinfachtes Sanktionsrecht auch dadurch erreicht werden könne, dass man die verschärften Sonderregeln für unter 25-Jährige abschafft. Diesem Gedanken stimmte auch Markus Mempel zu. Er betonte darüber hinaus, dass die<span xml:lang="en" lang="en"> Jobcenter</span> unbedingt mehr Kapazitäten bräuchten, um sich auf ihre Vermittlungsaufgabe zu konzentrieren. Jan Dannenbring kritisierte, dass es nicht sein könne, dass Leistungsbescheide mit bis zu 100 Seiten verschickt würden. Die Vermittler müssten dringend von bürokratischen Lasten befreit werden, forderte er.</p><h2>Kritik an der Beratungspraxis der <span xml:lang="en" lang="en">Jobcenter</span></h2><p>Deutliche Kritik an den Sanktionen kam dagegen unter anderem vom <strong>Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB)</strong> und vom <strong>Deutschen Caritasverband</strong>. Eine bessere Beratungspraxis würde das Sanktionssystem sogar überflüssig machen, prognostizierte deren Vertreterin <strong>Dr. Birgit Fix</strong>. Derzeit würden die Eingliederungsvereinbarungen häufig mit standardisiertem Muster verschickt. Wichtig sei aber, dass diese wirklich „gemeinsam vereinbart“ werde. Doch dafür reichten die Kapazitäten der <span xml:lang="en" lang="en">Jobcenter</span> derzeit nicht aus, so Fix. <strong>Martin Künkler</strong> vom DGB kritisierte: „Die Eingliederungsvereinbarungen werden den Leistungsempfängern oft einseitig aufoktroyiert. Nötig ist aber eine Vereinbarung auf Augenhöhe.“ </p><p><strong>Rahel Schwarz</strong> betonte für den <strong>Deutschen Verein für öffentliche und private Fürsorge</strong>, dass gesonderte Regeln für unter 25-Jährige gegen den Gleichheitsgrundsatz des Grundgesetzes verstoßen und nicht zu deren besseren Integration in den Arbeitsmarkt beitragen. Das Gegenteil sei der Fall, viele Jugendliche würden dadurch den Kontakt zum<span xml:lang="en" lang="en"> Jobcenter</span> komplett verweigern. Für den <strong>Deutschen Paritätischen Wohlfahrtsverband</strong> bezeichnete <strong>Tina Hofmann</strong> die Sanktionen als „unverhältnismäßiges Regelwerk“. Es gebe bessere Alternativen, um eine Kooperation zu erreichen, betonten sie und auch Birgit Fix.</p><h2>Antrag Linke: Zweckwidrige Aktivierungsideologie</h2><p>Die Linke schreibt, mit Sanktionen im Hartz-IV-System und Leistungseinschränkungen bei der Sozialhilfe sollten die Menschen „um jeden Preis dazu gebracht werden, Erwerbsarbeit anzunehmen“. </p><p>Eine solche „Aktivierungsideologie“ sei jedoch nicht nur verfassungswidrig, sondern auch zweckwidrig, weil sie die Position der Erwerbslosen auf dem Arbeitsmarkt verschlechtere und unsichere Arbeitsverhältnisse fördere. </p><h2>Antrag Grüne: Sanktionen abschaffen</h2><p>Sanktionen in der Grundsicherung für Arbeitsuchende (Arbeitslosengeld II) sollen abgeschafft werden, fordern die Grünen in ihrem Antrag. Darüber hinaus sollen Steuern, Sozialabgaben und Sozialleistungen so aufeinander abgestimmt werden, dass zusätzliche Erwerbsarbeit die Menschen spürbar immer besserstellt. </p><p>Die Mittel der Jobcenter für Personal- und Verwaltungskosten sowie für die Eingliederungshilfe sollen nach dem Willen der Fraktion bedarfsdeckend erhöht werden. Darüber hinaus verlangen die Grünen eine bessere Beratung der Arbeitsuchenden und Lohnkostenzuschüsse für über 25-Jährige, die länger als 24 Monate arbeitslos sind und absehbar keine Perspektive auf dem Arbeitsmarkt haben. (che/04.06.2018)</p><h2>Liste der geladenen Sachverständigen</h2><ul class="bt-liste"><li>Deutscher Gewerkschaftsbund</li><li>Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände</li><li>Zentralverband des Deutschen Handwerks</li><li>Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft e.V.</li><li>Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung</li><li>Deutscher Landkreistag</li><li>Deutscher Caritasverband</li><li>Deutscher Verein für öffentliche und private Fürsorge</li><li>Deutscher Paritätischer Wohlfahrtsverband - Gesamtverband e. V.</li><li>Kölner Arbeitslosenzentrum e.V.</li></ul>]]></text><changedDateTime>25.11.2024 14:51</changedDateTime></newsdetails>