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Im Berliner Parlamentsviertel ist am Donnerstag, 1. März 2012, „ein Stück Wiedervereinigungsgeschichte" geschrieben worden, wie Bundesbauminister Dr. Peter Ramsauer (CSU) sagte. Das Gebäude in der Wilhelmstraße 65 gehörte einst dem DDR-Außenministerium. Nach umfangreichen Modernisierungsarbeiten übergab Ramsauer den symbolischen Schlüssel für das Gebäude an den neuen Hausherren, Bundestagspräsident Prof. Dr. Norbert Lammert. Fortan wird das Haus Abgeordnete und Mitarbeiter des Parlaments beherbergen.

Ein unterirdischer Gang verbindet das Haus mit den übrigen Bundestagsgebäuden, sodass die Abgeordneten trockenen Fußes beispielsweise den Plenarsaal im Reichstagsgebäude erreichen können. Der Tunnel sei mit seinen 14 Metern Länge eher ein „Tunnelchen", bemerkte Raumsauer bei den Feierlichkeiten im Foyer der Wilhelmstraße 65. Der Gang ist nicht sehr hoch und in quadratischer Form gehalten.

Gelbe Neonröhren

Wer aus dem Foyer mit dem Fahrstuhl die etwa acht Meter in die Tiefe fährt, um ihn zu benutzen, dem schlägt beim Öffnen der Fahrstuhltür grellgelbes Licht entgegen: in regelmäßigen Abständen sind gelbe Neonröhren in die Wand eingelassen, die auch über die Decke gehen und so einen Bogen bilden. Sie fanden auch in der Ansprache des Bundestagspräsidenten Erwähnung: von „Erleuchtung" und der „Motivation" für die Abgeordneten „zur Wahrnehmung ihres Mandats" sprach Lammert – schließlich stehe Licht in einem „nahezu kausalen Zusammenhang mit Parlamentarismus".

Augenzwinkernd fügte Lammert hinzu, man habe überlegt, Mautgebühren für den Tunnel einzuführen, die Idee dann aber fallengelassen, weil die Entwicklung des elektronischen Mautsystems zu lange gedauert hätte. So sorgte er für Heiterkeit unter den etwa 100 Gästen und beim Bauminister, der zugleich Verkehrsminister und für die Lkw-Maut zuständig ist. Zu den Gästen zählten neben Abgeordneten und Medienvertretern auch die Architekten und Künstler.

Drei Kunstwerke

Viel Ehrgeiz sei in die „scheinbare Randfrage" investiert, erklärte Norbert Lammert in Hinblick auf die sogenannte Kunst am Bau. Drei Kunstwerke zieren fortan das Gebäude, eines davon ist der Lichttunnel im Untergeschoss. Ein weiteres ziert die Wand hinter dem Rednerpult im Foyer: 15 Reihen mit jeweils 20 Büchern wurden auf der weißen Wand installiert. In immer gleichen parallelen Abständen, sodass sie zusammen eine rechteckige Fläche ergeben.

Das Kunstwerk wiederholt sich noch einmal im dritten Stock, sodass insgesamt 600 Bücher die Wände zieren. Die Titel sind nicht erkennbar, denn alle Bücher wurden in den unterschiedlichsten, knalligen Bonbonfarben lackiert. Die Zahl der Bücher steht für die ungefähre Zahl an Abgeordneten im Bundestag; die Farbvielfalt für die Unterschiedlichkeit der Mandatsträger und letztlich auch der Bürgerinnen und Bürger, die sie gewählt haben.

Peter Wüthrich, Gunda Förster, Beat Zoderer

Schöpfer dieses tiefgründigen Kunstwerks ist der Schweizer Peter Wüthrich. Den Lichttunnel kreierte die Berliner Künstlerin Gunda Förster. Das dritte Kunstwerk schließlich ist eine Skulptur im Innenhof des Gebäudes, der mit Bänken und Bäumen zum Verweilen einlädt. Diese Skulptur schuf ebenfalls ein, Beat Zoderer, und sie ist genauso bunt wie die seines Landsmanns: scheinbar überdimensionale Mikado-Stäbe stehen in einem Kreis und scheinen wegzuknicken; zusammengehalten werden sie jedoch von einem runden Dach, das im Sommer sicher kühlen Schatten spendet.

Peter Ramsauer hob hervor, dass sich die Abgeordneten hier wohlfühlen sollen. Mit der künstlerischen Gestaltung solle „die Arbeitsfähigkeit des Parlaments" gewährleistet werden. Das Gebäude ist insgesamt sehr hell gestaltet, mir großen Glasflächen nach außen, die bis auf den Boden reichen, weißen Decken und Wänden und hellem Parkett in den Fluren.

Kosten von 41 Millionen Euro

Der Plattenbau wurde Mitte der 1970er Jahre errichtet, nach dem Ende der DDR diente er als Sitz der afghanischen Botschaft, auch Teile der Bundestagsverwaltung waren darin untergebracht. Etwa 41 Millionen Euro hat die Modernisierung gekostet. Ein Abriss des alten Gebäudes und die Errichtung eines Neubaus hätten sich finanziell nicht rentiert. Und so ist aus dem Sitz eines DDR-Ministeriums ein Sitz des gesamtdeutschen Parlaments geworden.

Die deutsch-deutsche  Wiedervereinigung sei ein Prozess, „an dem wir uns tagtäglich erfreuen", sagte der Bundestagspräsident bei der feierlichen Schlüsselübergabe, „und ganz besonders an einem Tag wie diesem." (ver)

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