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Ingenieur aus Wittenberg: Ulrich Petzold

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Ulrich Petzold (CDU/CSU)

© DBT/Neumann

Die Erhaltung und Förderung der Unesco-Welterbestätten (Luther, Bauhaus und Gartenreich Wörlitz) in seinem Wahlkreis ist Ulrich Petzold eine besondere Herzensangelegenheit. Er bezeichnet sein Engagement für das Bauhaus, das 1919 von Walter Gropius als Kunstschule in Weimar gegründet wurde, als seine große Leidenschaft. Der CDU-Abgeordnete aus Sachsen-Anhalt, der auf Jahrzehnte parlamentarischer Erfahrung zurückblicken kann, kandidierte 1990 erstmals erfolgreich für den Deutschen Bundestag. Seitdem hat Ulrich Petzold das Direktmandat in Wittenberg (Wahlkreis 70) vier Mal mit großer Mehrheit gewonnen. Bei der letzten Bundestagswahl im Jahr 2013 konnte er 44,6 Prozent der Erststimmen verzeichnen. „Ein Erfolg, der mich darin bestätigt, dass die Politik der CDU gut für dieses Land ist und dass die Bundeskanzlerin viele Menschen in unserem Land überzeugt“, sagt Ulrich Petzold.

CDU-Eintritt kurz vor dem Mauerfall

Im Oktober 1989 trat der Wittenberger Diplomingenieur in die CDU ein. „Nur einige Wochen vor dem Fall der Mauer, als Tausende DDR-Bürger gegen das Regime demonstrierten, gab es in Wittenberg eine Gruppe von engagierten jungen Menschen, die in die alte DDR-Blockpartei CDU eingetreten sind. „Wir sind alle nacheinander in das Büro der CDU gegangen und haben die Mitgliedsanträge ausgefüllt. Aus heutiger Sicht könnte man sagen, wir haben die CDU damals übernommen. Wir wollten die Zeit des Umbruchs im Herbst 89 nutzen, um verhärtete Strukturen aufzubrechen“, sagt der Politiker.

Ulrich Petzold hatte in der Partei schnell den Ruf eines hervorragenden  Rhetorikers und immer, wenn es im Herbst 1989 und in den folgenden Monaten galt, auf Podien, Demonstrationen oder auf Versammlungen frei zu sprechen, stand Ulrich Petzold am Mikrofon. „Ich arbeitete damals als Dozent und war es gewohnt, vor Menschen zu sprechen. Ein Redekonzept brauchte ich nie“, sagt Ulrich Petzold.

Stellvertretender Betriebsratsvorsitzender

Wenige Monate nach seinem Parteieintritt, wurde er im Februar 1990 in den Kreisvorstand der CDU in Gräfenhainichen und Wittenberg gewählt. Als die Kandidaten für die erste freie Wahl der Volkskammer der DDR aufgestellt wurden, stand Ulrich Petzold auf der Liste.

Er erinnert sich: „Im Frühjahr 1990 war ich in der technischen Überwachung der Chemie- und Braunkohleindustrie angestellt. Nach dem Fall der Mauer wurde ich zum stellvertretenden Betriebsratsvorsitzenden eines Betriebes mit 3.000 Mitarbeitern gewählt. Die Gewerkschaftsleitung hatte sich über Nacht aus dem Amt verabschiedet, und es gab keine Arbeitnehmervertretung mehr. Es war eine zeit- und arbeitsintensive Aufgabe, denn die damalige Betriebsleitung hatte damit begonnen, Hunderte Kollegen zu entlassen. Als Betriebsrat stand ich in der Verantwortung, die Interessen der Kollegen zu vertreten. Deshalb war ich erleichtert, dass mein Listenplatz bei der Volkskammerwahl nicht für ein Mandat ausreichte.“

Kandidatur 1990 in Wittenberg

Nach der Wiedervereinigung am 3. Oktober fand im Dezember 1990 die erste gesamtdeutsche Bundestagswahl statt. Erstmals waren die Menschen aus den neuen Bundesländern wahlberechtigt. Ulrich Petzold wurde von seinem Kreisverband als Kandidat ins Rennen geschickt. Im Herbst fand die Mitgliederversammlung statt, auf der die CDU-Bundestagskandidaten nominiert wurden. „Zur Abstimmung kamen etwa tausend Parteimitglieder, und es wurde kontrovers diskutiert. Die Frage war: Wer hat das Format für diese Aufgabe und wer besitzt das Vertrauen der meisten Mitglieder?“, erzählt Ulrich Petzold.

Am Ende wurde der Wittenberger zum Bundestagskandidaten gewählt und hatte seinen ersten Bundestagswahlkampf zu bestreiten. „Zur damaligen Zeit überschlugen sich die Ereignisse. Mauerfall, Wiedervereinigung, Bundestagswahl. Alles passierte innerhalb eines Jahres. Viele Menschen mussten das erst einmal realisieren. Ich versuchte, einen klaren Kopf zu behalten und konzentrierte mich auf den Wahlkampf“, erinnert sich der Politiker.

Wahlkampf in öffentlichen Versammlungen

Der fand damals fast ausschließlich in öffentlichen Versammlungen statt, nicht auf Straßen und Plätzen und Wahlwerbung in Form von Großplakaten für die Kandidaten gab es in der Form nicht. „Die Menschen wollten auf den Versammlungen von uns wissen, was sie erwartet, wenn sie die CDU wählen, und wir formulierten unsere Vorstellungen von Demokratie und freier Marktwirtschaft“, sagt Petzold.

Unterstützung erhielten die CDU-Verbände Ost aus den CDU-Verbänden der westlichen Bundesländer, die als Starthelfer fungierten. Das Wahlergebnis war überwältigend. Ulrich Petzold ging als Wahlsieger im Wahlkreis Wittenberg hervor. Er gewann sein erstes Bundestagsmandat mit 41,1 Prozent der Erststimmen. Er erinnert sich: „Die Freude über den Wahlsieg war grenzenlos und mein Enthusiasmus war es auch. Allerdings mussten wir damals mit vielen Widrigkeiten fertig werden. Die Telefonkommunikation zwischen meinem Wahlkreis und Bonn funktionierte nur rudimentär, und ich bekam erst zwei Jahre nach der Bundestagswahl zu Hause ein Telefon. Das waren komplizierte Arbeitsbedingungen für einen Bundestagsabgeordneten, die man sich im Zeitalter von Smartphone und E-Mail heute nicht mehr vorstellen kann.“

Unterstützung von Helmut Kohl 

Helmut Kohl galt seit der Wahl zum zwölften Deutschen Bundestag 1990 als Vereinigungskanzler. „Wir hatten großen Respekt vor seiner Leistung und waren ihm für die Unterstützung der CDU-Ost-Verbände sehr dankbar. Er hat die neuen und unerfahrenen CDU-Abgeordneten regelmäßig zusammengenommen und gefragt, wo es nicht optimal läuft und wo er uns unterstützen kann. Das war eine große Hilfe, denn wir waren damals noch lange nicht auf ,Augenhöhe' mit den Abgeordneten der alten Bundesländer“, sagt der Christdemokrat.

Ulrich Petzold kandidierte auch 1994 für den Deutschen Bundestag und konnte sein Wahlergebnis noch verbessern. Er erhielt 42,7 Prozent der Erststimmen. 1998 verzichtete er zugunsten der Frauenquote freiwillig auf einen sicheren Listenplatz. Er sagt heute: „Ich fand es richtig, dass Frauen in der CDU eine Chance bekommen und für den Bundestag kandidieren. Deshalb trat ich hinter einer Kandidatin zurück.“ Aus der Politik zog sich Ulrich Petzold aber nicht zurück, sondern unterstützte seine Partei auf Landesebene und engagierte sich im Kreistag. Er wurde 1998 zum Vorsitzenden des CDU-Kreisvorstandes Wittenberg gewählt, und ein Jahr später war er Mitglied des Kreistages.

2002 erneute Kandidatur für den Bundestag

Nach vier Jahren erfolgreicher Arbeit in der Kommunalpolitik kandidierte der Christdemokrat im Jahr 2002 erneut für den Bundestag. Seitdem schaffte er den Wiedereinzug ins höchste deutsche Parlament auch in den Jahren 2005, 2009 und 2013. Bei der letzten Bundestagwahl übertraf er sein Ergebnis von 2009 um fast zehn Prozent und konnte sehr gute 44,6 Prozent der Erststimmen für sich verbuchen.

Diesen großen Wahlerfolg erklärt sich der Politiker so: „Es ist in erster Linie ein Erfolg unserer Kanzlerin. Sie hat die Menschen im Land überzeugt. Damit will ich die Leistungen der CDU keineswegs schmälern, die Mitglieder haben im Wahlkampf einen wirklich tollen Job gemacht. Wir alle konnten mit dem Kanzlerinnen-Bonus viele unentschlossene Wähler gewinnen, die uns in Gesprächen sagten, dass sie die CDU wählen würden, weil sie Vertrauen zu Angela Merkel hätten.“

500 Jahre Luther, 100 Jahre Bauhaus

Seit dieser Legislaturperiode ist Ulrich Petzold neben seiner langjährigen Mitgliedschaft im Umweltausschuss nun auch Mitglied im Ausschuss Kultur und Medien.

Auf die Frage, was ihm in dieser Legislaturperiode und darüber hinaus kulturell besonders am Herzen liegt, muss er nicht lange überlegen: „Für Sachsen-Anhalt, aber auch über die Grenzen hinweg, gibt es in den nächsten Jahren zwei bedeutende Ereignisse: 500 Jahre Luther im Jahr 2017 und 100 Jahre Bauhaus im Jahr 2019. Im Kulturausschuss werbe ich als gebürtiger Wittenberger um Unterstützung für das Luther-Jubiläum, das für Deutschland wichtigste Ereignis der Reformation. Außerdem begehen wir in vier Jahren 100 Jahre Bauhaus. Mir liegt die Restauration der Bauhausarchitektur sehr am Herzen – in Dessau, Weimar und Berlin. Im Kulturausschuss möchte ich mich dafür einsetzen, dass weitere finanzielle Mittel zur Verfügung gestellt werden.“ (bsl/03.03.2015)