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Koalition verweist auf die Autonomie des Sports

Verbindliche politische Regeln im Sport

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Schluss mit der Korruption, stattdessen mehr Transparenz bei den internationalen Sportverbänden. Kritik an der Entscheidung des Weltfußballverbandes Fifa, die WM 2022 an Katar zu vergeben. Schluss mit dem Gigantismus bei den Olympischen Spielen. In diesen von der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen in einem Antrag (18/3556) erhobenen Forderungen herrschte Einigkeit unter den Fraktionen während der Debatte am Donnerstag, 26. März 2015. Einzig der Adressat war umstritten. Während sich die Grünen mit ihrem Antrag und den darin enthaltenen Forderungen an die Bundesregierung wandte und dabei Unterstützung von der Linksfraktion erhielt, verwiesen Unions- und SPD-Fraktion auf die Autonomie des Sports. Die Politik, so die Koalition, könne dem Sport daher keine verbindlichen Regeln vorgeben.

Grüne: Gegen Korruption und Intransparenz vorgehen

Bestechung, Vetternwirtschaft und Intransparenz seien die Merkmale, die die großen internationalen Sportverbände auszeichneten, sagte die Vorsitzende der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen, Katrin Göring-Eckardt. Dieses System müsse bekämpft werden, da sonst die Liste der Demokratien, die eine Bewerbung für Sportgroßereignisse ablehnen, immer länger werde, sagte die Grünen-Abgeordnete mit Verweis auf den Rückzug von München, Oslo und weiteren europäischen Bewerbern für die Olympischen Winterspiele 2022.

Göring-Eckardt forderte die Bundesregierung auf, stärker gegen die Korruption und Intransparenz im Sport vorzugehen. Deutschland habe eine besondere Verantwortung, „weil wir ein starker Player sind“. Den Verbänden traut Göring-Eckardt Reformen aus eigenem Antrieb nicht zu. Auch die Agenda 2020, mit der das Internationale Olympische Komitee (IOC) Reformen anzugehen angekündigt habe, habe nichts an der Grundstruktur des IOC geändert, weshalb von einer echten Reform nicht die Rede sein könne, urteilte sie.

CDU/CSU: Sportgemeinschaft muss Lösungen erarbeiten

Die Grünen hätten in ihrem Antrag verschiedene Ebenen miteinander vermischt, kritisierte Eberhard Gienger (CDU/CSU). Durch die unzutreffende Adressierung der Forderungen würden falsche Erwartungen geweckt, sagte er. Auch Gienger verwies auf Missstände in Katar. 400 Todesfälle von Wanderarbeitern auf Stadionbaustellen seien nicht hinnehmbar. Gleichzeitig gelte es die Korruption in der Sportfamilie zu bekämpfen. Aber: „Die internationale Sportgemeinschaft muss sich hier zusammenfinden und Lösungen erarbeiten“, sagte der Unionsabgeordnete im Unterschied zu seiner Vorrednerin.

Ebenfalls anders als Göring-Eckardt bewertete er die IOC-Agenda 2020, die ihn optimistisch stimme. „Ein Anfang zumindest ist gemacht“, so Gienger. Mit Blick auf die Bewerbung Hamburgs für die Olympischen Sommerspiele 2024 und den viel kritisierten Gigantismus bei vorherigen Spielen fordert er: „Wir müssen zeigen, dass es auch anders geht.“ Deutschland, so seine Überzeugung, könne mit der Bewerbung die internationalen Reformbemühungen voranbringen.

Linke: Ein ,Weiter so‘ darf es nicht geben

Anders an der Unionsabgeordnete unterstützte Dr. André Hahn (Die Linke) die Forderung der Grünen nach Festlegung von Regeln für den internationalen Sport und Kriterien für die Vergabe von Sportgroßveranstaltungen. „Ein ,Weiter so‘ darf es nicht geben“, betonte er. Ziel müsse es sein, die „uneingeschränkte Macht von IOC und Fifa zu brechen“. Mit Blick auf die Nachhaltigkeit regte Hahn an, darüber nachzudenken, „ob wirklich alle vier Jahre neue Sportanlagen aus dem Boden gestampft werden müssen“. Oder ob nicht – wie im Weltcup üblich – reihum existierende Anlagen ehemaliger Olympiastandorte genutzt werden könnten.

Hahn betonte, ein Anhänger der olympischen Idee zu sein. Diese Idee sei aber „pervertiert“ worden und stehe immer weiter hinter den Interessen der Großkonzerne zurück. „Wir wollen Profitinteressen bei der Ausrichtung von Sportgroßveranstaltungen zurückdrängen und wieder an die olympische Idee anknüpfen“, sagte der Linke-Abgeordnete.

SPD: Hamburg ein guter Kandidat für 2024

Sie sei sich mit den Grünen einig, dass die Lage der Wanderarbeiter in Katar nicht schön geredet werden dürfe und die Fifa dem Land die WM entziehen sollte, sagte Michaela Engelmeier (SPD). Nicht gut sei, dass die Grünen mit dem Antrag „den internationalen organisierten Sport offensichtlich politisieren wollen“. Dies zeigten Forderungen wie jene nach der Abschaffung des menschenrechtswidrigen „Kafala-Systems“ in Katar. Auch sie sei dafür, dieses System abzuschaffen.

Unmittelbare Aufgabe der Politik müsse es jedoch sein, diese Probleme zu benennen und Lösungen zu finden, „ohne dafür zwingend den Ball über die Bande des organisierten Sports zu spielen“. Engelmeier zeigte sich mit Blick auf die IOC-Reformagenda optimistisch, dass es Schritte zu mehr Transparenz und zu mehr Nachhaltigkeit geben werde. Die geplante Volksabstimmung in Hamburg darüber, ob sich die Stadt für die Spiele bewerben sollte, nannte sie einen guten Mechanismus. Hamburg, so die SPD-Abgeordnete, sei ein guter Kandidat für 2024, „wenn das IOC seine Agenda ernst nimmt“. (hau/26.03.2015)

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