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Verwaltungsfachwirtin aus Pirmasens: Angelika Glöckner

Angelika Glöckner (SPD)

Angelika Glöckner (SPD)

© DBT/Schüring

Nie gab es im Deutschen Bundestag mehr weibliche Angeordnete als in der laufenden 18. Legislaturperiode. Es sind 230 Volksvertreterinnen – eine von ihnen ist Angelika Glöckner. Die Politikerin aus Pirmasens kam als Nachrückerin in die Bundestagsfraktion der SPD, weil Sabine Bätzing-Lichtenthäler aus dem Bundestag ausschied. Angelika Glöckner ist seit 33 Jahren eine engagierte Gewerkschafterin und seit mehr als 20 Jahren Sozialdemokratin.

Engagement als Schülersprecherin am Gymnasium

Als Mitglied im Ausschuss für Menschenrechte und humanitäre Hilfe macht die Abgeordnete für den Wahlkreis Pirmasens immer wieder deutlich: „Das Recht auf Asyl ist ein Menschenrecht, und es besteht eine moralische Verpflichtung, Menschen in Not zu helfen. Die Diskussion um Flüchtlinge muss sachlich und überlegt geführt werden. Wir brauchen eine zügige Bearbeitung der Asylanträge, und entsprechend muss die Personalsituation in den Kommunen verbessert werden.“ Wie wichtig Angelika Glöckner das Thema ist, machte sie bereits 2015 in einem Schreiben an das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) deutlich, in dem sie eine schnelle Umsetzung der Personalaufstockungen für die Bearbeitung von Asylanträgen forderte.

Bereits am Gymnasium war Angelika Glöckner politisch interessiert und engagierte sich als Schülersprecherin für die Interessen ihrer Mitschüler. Von ihren Eltern, beide Sozialdemokraten, lernte sie, wie wichtig und lohnenswert das Engagement für andere Menschen ist. Sie sagt: „Ein besonderes Vorbild war meine Mutter für mich. Als Gleichstellungsbeauftragte wie auch im Stadtrat Pirmasens engagierte sie sich leidenschaftlich für die Gleichstellung von Frauen, denn in unserer Region waren besonders viele Frauen berufstätig. Ihnen stand sie mit Rat und Tat zur Seite und suchte nach Lösungen, wenn Probleme auftraten.“

Am Produktionsband einer Schuhfabrik

Nach dem Abitur arbeitete Angelika Glöckner ein Jahr in einer Schuhfabrik. Sie erinnert sich: „Meine Mitschüler gingen nach dem Abitur zum Studium oder absolvierten ein Auslandsjahr. Ich dagegen wollte wissen, wie schwer die Arbeit am Produktionsband im Akkord ist. Es war eine sehr intensive Erfahrung, denn die Arbeit ist enorm anstrengend und das Geld hart verdient. Ich habe bis heute Respekt und Hochachtung vor den Arbeitnehmern, die dort Jahrzehnte arbeiten.“

Ab 1983 absolvierte Angelika Glöckner eine Ausbildung zur Kauffrau für Bürokommunikation bei der Stadtverwaltung Pirmasens. „Bereits vor meiner Ausbildung war ich in die Gewerkschaft eingetreten und als Azubi war es für mich eine Selbstverständlichkeit, mich gewerkschaftlich zu engagieren. Dieses Engagement für die Rechte der Angestellten war und ist mir immer Herzensangelegenheit. Aus heutiger Sicht war es der Beginn der späteren Arbeit im Personalrat und der fast 14-jährigen Tätigkeit als Personalratsvorsitzende der Stadtverwaltung Pirmasens“, sagt die Abgeordnete.

Studium in Betriebs- und Volkswirtschaft

Angelika Glöckner wurde nach der Ausbildung übernommen und arbeitete in unterschiedlichen Bereichen der Stadtverwaltung. Sie sammelte Erfahrungen im Ordnungsamt, in der Finanzverwaltung, im Amt für Kultur und Tourismus sowie im Sozialamt. „Für mich war es interessant, die unterschiedlichen Bereiche kennenzulernen und einen größeren Einblick in die Strukturen einer Verwaltung zu bekommen“, sagt die Abgeordnete.

Nach einer beruflichen Fortbildung zur Verwaltungsfachwirtin begann Angelika Glöckner 1996 ein dreieinhalbjähriges berufsbegleitendes Studium an der Wirtschafts- und Verwaltungsakademie Kaiserslautern. Schwerpunkt: Betriebs- und Volkswirtschaftslehre. Die Belastung eines Studiums, das sie neben der täglichen Arbeit absolvieren musste, war eine große Herausforderung, die sie erfolgreich meisterte.

Eintritt in die SPD

Ein Jahr vor dem Studienbeginn war Angelika Glöckner mit 33 Jahren in die SPD eingetreten. Warum, erklärt die Politikerin heute so: „Ich hatte mich seit mehr als 15 Jahren gewerkschaftlich engagiert und mich immer für die Interessen der Arbeitnehmer stark gemacht. Die Arbeit in einer Gewerkschaft hat aber Grenzen, denn bestimmte Entscheidungen sind nur politisch durchsetzbar. Ich bin deshalb 1995 in Pirmasens aus tiefer Überzeugung Sozialdemokratin geworden. Für mich war von Beginn an klar: Eine Mitgliedsnummer möchte ich nicht sein, sondern ein aktives Parteimitglied, das sich parteipolitisch für Arbeitnehmerrechte einsetzt.“

Angelika Glöckner engagierte sich bald aktiv in der SPD-Arbeitsgemeinschaft für Arbeitnehmerfragen (AfA) in Pirmasens. Deren politisches Leitmotiv „Für Arbeit und soziale Gerechtigkeit!“ unterstützte die Sozialdemokratin ganz aktiv. „Die AfA setzt sich für gute Arbeitsbedingungen, faire Löhne für gute Arbeit, eine starke Mitbestimmung in den Betrieben und ein Recht auf Aus- und Weiterbildung ein. All das war mit meinem Engagement im Personalrat kompatibel und entsprach meinem Selbstverständnis“, sagt Angelika Glöckner.

Arbeitsgemeinschaft Sozialdemokratischer Frauen

Im Jahr 2003 wurde die Sozialdemokratin in den AfA-Landesvorstand Rheinland-Pfalz sowie zur Vorsitzenden der Arbeitsgemeinschaft Sozialdemokratischer Frauen (AsF) gewählt, in der sich Angelika Glöckner inzwischen ebenfalls engagierte. „Ich arbeitete in den Gremien der Partei mit, weil ich nicht für ein politisches Amt kandidieren konnte. Angestellte der Stadtverwaltung dürfen kein Mandat im Stadtparlament übernehmen“, erklärt die Politikerin.

Sie fügt hinzu: „Ich wäre gern Kommunalpolitikerin geworden, weil ich die Kommunalpolitik für den Kern der politischen Arbeit halte. Auch eine Kandidatur für den Landtag hätte ich mir vorstellen können, aber das ich einmal Abgeordnete des Deutschen Bundestages sein würde, hatte ich nicht im Hinterkopf.“

Kandidatin zur Bundestagswahl 2013 

Es kam anders. Angelika Glöckner kandidierte 2013 für den Deutschen Bundestag. Bevor sie in den Wahlkampf starten konnte, musste sie sich auf einer Delegiertenkonferenz vorstellen und erklären, weshalb sie die richtige Kandidatin ist. Angelika Glöckner überzeugte die Genossen. Sie erhielt nach ihrer Bewerbungsrede 81,6 Prozent der Delegiertenstimmen und wurde auf Platz 11 der Landesliste gewählt.

Auf diesem Listenplatz verfehlte Angelika Glöckner den erforderlichen Stimmanteil knapp, und auch beim Direktmandat fehlten wenige Stimmen. „Ich habe im Wahlkampf alles gegeben, aber am Ende zählt der Wille der Wähler, den ein Kandidat akzeptieren muss“, sagt die Abgeordnete. 

Nachrückerin für Sabine Bätzing-Lichtenthäler

Angelika Glöckner hatte das Mandat zwar knapp verfehlt, sie wurde aber ein Jahr nach der Bundestagswahl doch noch zur Wahlgewinnerin. Als ihre Parteikollegin Sabine Bätzing-Lichtenthäler das Amt der Sozialministerin in Rheinland-Pfalz übernahm und aus dem Bundestag ausschied, folgt Angelika Glöckner als Nachrückerin.

„Als die Entscheidung fiel, dass Sabine Bätzing-Lichtenthäler als Ministerin in die Landesregierung wechselt, wusste ich, dass ich in der Verantwortung stand. Ich habe keinen Augenblick gezögert, mich dieser Verantwortung zu stellen und habe ich mich der Herausforderung sehr gern gestellt“, erklärt die Sozialdemokratin.

Im Europa- und Menschenrechtsausschuss

Im Bundestag gehört Angelika Glöckner dem Europaausschuss sowie dem Ausschuss für Menschenrechte und humanitäre Hilfe an. Die Kombination dieser beiden Ausschüsse ist für die Abgeordnete optimal.

Sie sagt: „Im Menschenrechtsausschuss ist die Flüchtlingsproblematik ein Dauerthema und im Europaausschuss ebenfalls. Fest steht für mich: Es kann in dieser Frage nur eine europäische Lösung geben. Die ist schwer zu erreichen, weil sich viele EU-Staaten verweigern oder ignorieren, welche Verantwortung sie haben. Meine höchste Priorität in der Flüchtlingsproblematik ist, dass die Situation in den Herkunftsländern der Flüchtlinge so verbessert wird, dass die Menschen in ihren Ländern bleiben. Wer seine Heimat unter Lebensgefahr verlässt, weil er von Krieg und Terror bedroht ist, trifft eine solche Entscheidung nicht leichtfertig. Wir müssen deshalb dafür sorgen, dass die Menschen dort eine Perspektive erhalten, wo sie verwurzelt sind. Ich bin mir sicher, dass dazu im Menschenrechtsausschuss parteiübergreifend Konsens herrscht.“ (bsl/02.05.2016)

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