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Bundestag debattiert über die berufliche Bildung

Ausbildung in einem metallverarbeitenden Betrieb

Ausbildung in einem metallverarbeitenden Betrieb

© pa/Joker

Über die Situation von jungen Menschen auf dem Arbeitsmarkt und deren Chancen, einen Ausbildungsplatz zu bekommen und Karriere zu machen, diskutiert der Bundestag am Donnerstag, 9. Juni 2016, ab 11.50 Uhr eine Stunde lang. Eine weitgehend positive Bilanz zieht die Bundesregierung in ihrem Berufsbildungsbericht für das Ausbildungsjahr 2015. Insbesondere junge Menschen, die sich um einen Ausbildungsplatz bewerben, hätten eine gute Chance, einen Platz zu bekommen, schreibt die Bundesregierung in dem Bericht (18/8300), der der Debatte zugrunde liegt. Ebenfalls Grundlage der Debatte sind Anträge der Linken (18/8421) und der Grünen (18/8259), die mit dem Bericht zur weiteren Beratung an den Bildungs- und Forschungsausschuss überwiesenw erden sollen.

Die Debatte wird live im Parlamentsfernsehen, im Internet auf www.bundestag.de und auf mobilen Endgeräten übertragen.

Breite Karriereperspektiven

Die Bundesregierung betont, dass das deutsche Berufsbildungssystem mit seinen vielfältigen Ausbildungs- und Aufstiegsmöglichkeiten und seinen Qualifikationsniveaus breite Karriereperspektiven biete. Die tragende Rolle der Unternehmen, die enge Zusammenarbeit zwischen Bund, Ländern und Sozialpartnern und die geringe Jugendarbeitslosigkeit in Deutschland seien Kennzeichen dieses Erfolgsmodells, das eine immer stärkere internationale Anerkennung genieße.

Gleichwohl hätten sich die Passungsprobleme von betrieblichen Ausbildungsplatzangeboten und der Bewerbernachfrage in einigen Regionen und Berufsgruppen weiter verstärkt.

Nachholbedarf bei der inklusiven Bildung

Die Linke bemängelt in ihrem Antrag, dass es im deutschen Bildungssystem erhebliche Exklusionsrisiken gebe – also Fallstricke, warum ein junger Mensch nicht erfolgreich eine Ausbildung absolviert. Die Linke unterstreicht, dass neben der Weiterbildung gerade in der beruflichen Bildung der größte Nachholbedarf für die Umsetzung inklusiver Bildung bestehe. Inklusion in der Berufsausbildung müsse zum Ziel haben, dass junge Menschen mit und ohne Behinderungen und ungeachtet anderer Benachteiligungen, die aus der individuellen Situation erwachsen, das gleiche Recht auf berufliche Aus- und Weiterbildung hätten.

Auch in der beruflichen Bildung komme es darauf an, Verschiedenheit als eine Chance zu begreifen und jedem jungen Menschen die Teilnahme am Berufsleben zu ermöglichen. Die wichtigste Voraussetzung für die Teilhabe an der Arbeitswelt sei ein erfolgreicher Übergang von der Schule in die Berufsausbildung.

Angebot und Nachfrage passen nicht zusammen

Bündnis 90/Die Grünen betonen, dass der Berufsbildungsbericht 2016 auf den ersten Blick einen soliden Eindruck des deutschen Ausbildungsmarktes vermittle. Die günstige konjunkturelle Lage und die demografische Entwicklung hätten dazu geführt, dass die Chancen vieler Jugendlicher auf einen betrieblichen Ausbildungsplatz gestiegen seien.

Theoretisch kämen auf 100 Ausbildungsplatzsuchende fast 104 Angebote. Gleichwohl verliere diese Zahl immer mehr an Aussagekraft, da die Berufswünsche der jungen Menschen und die Ausbildungsangebote und gestellten Anforderungen der Betriebe immer seltener zusammenpassen würden.

41.000 unbesetzte Ausbildungsplätze

Wie groß die so genannten Passungsprobleme tatsächlich sind, zeige sich auch darin, dass im Ausbildungsjahr 2015/2016 gleichzeitig 41.000 gemeldete Ausbildungsstellen unbesetzt blieben. Das sei ein Höchststand seit 20 Jahren und eine weitere deutliche Problemanzeige: Ausbildungsbetriebe und Jugendliche fänden immer seltener zueinander. Der Hauptausschuss des Bundesinstituts für Berufsbildung, der im Berufsbildungsbericht eine Stellungnahme abgegeben hat, führt an, dass sich infolge dieser Entwicklung vor allem kleine Betriebe aus der Ausbildung zurückziehen würden.

Die Grünen kritisieren ferner, dass die aktuellen Zahlen zum Ausbildungsmarkt gleich in mehreren Bereichen auf bedenkliche Entwicklungen verweisen: So bilde nur noch jeder fünfte Betrieb in Deutschland aus. Auch das im Rahmen der Allianz für Aus- und Weiterbildung im Dezember 2014 vereinbarte Ziel, 20.000 zusätzliche Ausbildungsstellen bei der Bundesagentur für Arbeit zu melden, sei im Ausbildungsjahr 2015/2016 verfehlt worden. Statt 20.000 seien nur 7.300 zusätzliche Ausbildungsangebote von der Wirtschaft bereitgestellt worden. Rund 20.700 junge Menschen seien bei ihrer Suche nach einem Ausbildungsplatz ganz leer ausgegangen.

Trend zum Hochschulstudium ungebrochen

Auch der Hauptausschuss des Bundesinstituts für Berufsbildung betont bei allem Lob für die duale Berufsausbildung, dass noch mehr Anstrengungen unternommen werden müssten, um junge Menschen für die duale Berufsausbildung zu gewinnen. Ein Teil der 800.000 jungen Menschen, die als ausbildungsinteressiert ausgewiesen werden würden, entscheide sich jedoch für alternative Bildungsgänge (zum Beispiel Studium, Fachschule) oder sei unversorgt oder unbekannt verblieben.

Zudem sei der Trend zum Abitur und zum Hochschulstudium ungebrochen und werde zu einer wachsenden Herausforderung für die berufliche Bildung. Nach Prognosen würden mittelfristig, insbesondere auf Ebene der Fachkräfte mit einem Berufsabschluss, Engpässe entstehen. (rol/06.06.2016)

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