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Bartholomäus Kalb hofft auf mehr Zeit für die Fami­lie und für Gartenarbeit

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Bartholomäus Kalb (CDU/CSU)

© DBT/Schüring

„Wir brauchen einen Generationenwechsel“, sagte der CSU-Politiker Bartholomäus Kalb der Deggendorfer Zeitung im letzten Jahr, als er bekanntgab, dass er 2017 nicht mehr für den Bundestag kandidiert. Nach 30 Jahren im Parlament macht er den Weg frei für die junge Generation. „Ich werde in diesem Jahr 68, und in diesem Alter sind die meisten Menschen bereits in Rente oder Pension gegangen. Junge Politikerinnen und Politiker warten auf ihre Chance bei der kommenden Bundestagswahl, deshalb ist dieser Schritt die richtige Entscheidung“, sagte der CSU-Abgeordnete.

Den richtigen Zeitpunkt nicht verpassen

Bartholomäus Kalb, der seit 1987 immer direkt gewählter Abgeordneter der Landkreise Deggendorf und Freyung-Grafenau war, traf diese Entscheidung ganz bewusst. Er sagt: „Ich hatte mir immer vorgenommen, selbst zu entscheiden, wann ich in den politischen Ruhestand gehe, das war mir wichtig. Keinesfalls wollte ich warten, bis mich jemand fragt, wann ich endlich aufhöre. Ich gehe mit dem guten Gefühl, den richtigen Zeitpunkt nicht verpasst zu haben.“

Bartholomäus Kalb ist tief verwurzelt in seiner bayerischen Heimat. Sein Wahlkreis reicht vom Donautal bis zur tschechischen Grenze. Er machte zunächst eine Ausbildung zum Landwirt, weil er den elterlichen Hof übernehmen sollte. Doch der rasante Strukturwandel in der Landwirtschaft war für ihn damals bereits absehbar. Deshalb absolvierte er eine zweite Ausbildung zum Industriekaufmann.

Engagiert in der katholischen Landjugend

Bereits als Jugendlicher engagierte er sich in der katholischen Landjugend und in der Jugendarbeit seiner Gemeinde. Als junger Mann entwickelte er ein reges politisches Interesse, aber an eine Parteikarriere dachte er dabei nicht. „Politisches Engagement hat für mich nichts mit einem Parteibuch zu tun. Ich wuchs in einem konservativ-christlichen Elternhaus auf und wurde so erzogen, dass es eine Selbstverständlichkeit ist, sich für andere einzusetzen“, sagt der Politiker.

Als Bartholomäus Kalb Anfang 20 war, sprach ihn der Bürgermeister seiner Heimatgemeinde Forsthart (jetzt Künzing) an, ob er auf der CSU-Liste für den Gemeinderat kandidieren wolle, obwohl er noch gar nicht CSU-Mitglied war. Der Bürgermeister musste mich nicht lange überzeugen, denn wir jungen Leute vom Land hatten so etwas wie Lokalpatriotismus, und da die ehemalige Gemeinde Forsthart im Zuge der Gebietsreform in die Gemeinde Künzing eingegliedert wurde, wollte ich mithelfen, die neue Struktur zu gestalten“, sagt der CSU-Abgeordnete.

Mit 22 Jahren in den Gemeinderat gewählt

Inzwischen sind 45 Jahre vergangen, seit Bartholomäus Kalb in die CSU eintrat. Er kann auf eine intensive politische Karriere zurückblicken. Sein erstes politisches Amt übernahm er im Jahr seines Parteieintritts, da wurde er mit 22 Jahren das jüngste Gemeinderatsmitglied in Künzing. Sechs Jahre später wählten ihn die Bürger bereits zum Zweiten Bürgermeister – er blieb es 24 Jahre.

Bartholomäus Kalb machte sich im Laufe seiner Karriere einen Namen als Haushaltspolitiker. Klingt etwas trocken, und man muss sicher der Typ dafür sein, aber man muss vor allem mit Zahlen umgehen können. Bartholomäus Kalb ist dieser analytische Politikertyp, der Bilanzen lesen und Statusberichte überprüfen kann. Er sagt von sich selbst: „Ich bin Kaufmann, und mich interessiert, was unter dem Strich herauskommt, denn am Ende müssen alle Projekte, die geplant werden, auch finanzierbar sein.“ So argumentiert ein Haushälter, der das Geld der Bürger verantwortungsvoll einsetzt.

Jüngster Abgeordneter im Bayerischen Landtag

Bartholomäus Kalb setzte auch 1978 ein Zeichen, als er mit 29 Jahren als jüngster Abgeordneter in den Bayerischen Landtag gewählt wurde. Zunächst gehörte er dem Sozialpolitischen und dem Petitionsausschuss an. „Da habe ich viel gelernt, gerade auch im Hinblick auf Bürgeranliegen. In der zweiten Wahlperiode gehörte er schon dem Haushaltsausschuss im Bayerischen Landtag an. „Ich nahm mir damals vor, zwei bis drei Legislaturperioden im Landtag zu bleiben. Danach wollte ich zurück in die freie Wirtschaft. Der Bundestag gehörte dabei überhaupt nicht in meine Lebensplanung“, sagt der Politiker.

Doch es sollte alles ganz anders kommen. Der CSU-Politiker Franz Handlos holte zur Bundestagswahl 1983 im Wahlkreis Deggendorf zwar die absolute Mehrheit, er verließ die Partei aber, um mit Franz Schönhuber die Republikaner zu gründen. Die CSU musste für die Wahl 1987 zügig einen glaubwürdigen Nachfolger finden, den die Menschen kannten und der Potenzial hatte, die Wahl auch zu gewinnen. Bartholomäus Kalb war gefordert und erinnert sich: „Es war eine wirklich schwierige Aufgabe, denn Franz Handlos hatte das Direktmandat seit 1972 immer haushoch gewonnen. Nun war es an mir, die Wahl für die CSU zu entscheiden.“ Bartholomäus Kalb war erfolgreich und gewann das Direktmandat 1987 und danach noch siebenmal – immer mit deutlich über 50 Prozent der Erstimmen.

30 Jahre im Deutschen Bundestag

Wenn Bartholomäus Kalb die 30 Jahre als Bundestagsabgeordneter Revue passieren lässt, fallen ihm sofort Ereignisse ein, die ihm als Haushälter als besonders große Herausforderung in Erinnerung geblieben sind. „Die deutsche Einheit war einerseits ein großartiges historisches Ereignis, weil die Teilung Deutschlands endlich überwunden wurde. Sie war aber finanzpolitisch schwierig, weil die Kosten damals kaum abzuschätzen waren. Eine besondere Dramatik hatte das Jahr der Finanzkrise 2008. Welche Folgen der Bankencrash haben würde, konnte damals wirklich niemand abschätzen“, sagt der Haushälter.

Nachdem die Investmentbank "Lehman Brothers" am 15. September 2008 Insolvenz angemeldet hatte, gingen die Börsenwerte weltweit auf Talfahrt. Am 13. Oktober 2008 zog die Bundesregierung die Notbremse und beschloss das teuerste Gesetz der deutschen Geschichte – einen Rettungsschirm für die Banken über fast 500 Milliarden Euro.

Enorme finanzielle Herausforderungen

„Derzeit steht der Bund vor enormen finanziellen Herausforderungen: eine Neuordnung der Bund-Länder-Finanzbeziehungen, verstärkte Investitionen in Bildung, Forschung, Infrastruktur und Verteidigung, um dazu nur einige Stichworte zu nennen. Auch die Flüchtlingskrise ist finanziell noch nicht bewältigt. Diesen finanziellen Herausforderungen steht jedoch eine herausragende Einnahmesituation der öffentlichen Hände gegenüber“, sagt der Abgeordnete.

2016 hat der Staat bereits einen Überschuss verbucht, und auch für 2017 sieht die Entwicklung der Steuereinnahmen gut aus. Bartholomäus Kalb hat zu diesem Steuersegen eine klare Meinung. „Ich weiß, dass wir im Wahlkampf sind, und Steuersenkungen werden in Wahlkampfjahren immer wieder gefordert. Steuersenkungen kann es nicht über Nacht geben. Hier müssen die Bundesländer einbezogen werden, weil ohne deren Zustimmung nichts geht. Aber eine angemessene Entlastung der Bürger, insbesondere im unteren und mittleren Einkommensbereich, ist geboten.“

Vier Jahre ohne neue Schulden

Als dienstältester Abgeordneter im Haushaltsausschuss bescheinigt Bartholomäus Kalb dem Finanzminister eine exzellente Finanzpolitik. „Die Schwarze Null, die Wolfgang Schäuble geschafft hat, ist wirklich beachtlich. Im Jahr 2017 macht der Bund zum vierten Mal in Folge keine neuen Schulden. Eine solche Bilanz ist vor allem für künftige Generationen sehr wichtig“, erklärt der Politiker, der sich bis zum letzten Arbeitstag als Abgeordneter mit vollem Engagement für eine solide Haushaltpolitik einsetzen wird.

Und welchen Plan hat Bartholomäus Kalb für sein Leben nach Berlin? Hier muss er keine Sekunde überlegen: „Endlich wird meine Familie in den Mittelpunkt meines Lebens rücken – für sie hatte ich im politischen Alltag viel zu wenig Zeit. Zudem bleibe ich noch in der Kommunalpolitik und in anderen Aufgabenbereichen aktiv. Nicht zuletzt wartet auch mein Garten auf mich; ich liebe die Gartenarbeit, weil ich mich dabei wirklich entspannen kann. Vor allem aber werde ich es genießen, dass ich mir das alles ohne Termindruck vornehmen kann.“ (bsl/06.06.2017)

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