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Ministerin Anja Karli­czek: Ausbildungsplatzangebot übersteigt Nachfrage

Befragung der Bundesregierung

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Mehr neu abgeschlossene Ausbildungsverträge, aber auch mehr unbesetzte Ausbildungsstellen: Zu diesem Ergebnis kommt der Berufsbildungsbericht 2018, den das Bundeskabinett verabschiedet hat. Bei der Vorstellung des Berichts in der Regierungsbefragung des Bundestages am Mittwoch, 18. April 2018, verschwieg Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (CDU) bestehende Herausforderungen zwar nicht, betonte aber zunächst die Fortschritte: So seien die Chancen, einen Ausbildungsplatz zu finden, „so gut wie seit 20 Jahren nicht“. „100 Ausbildungsplatzsuchenden standen im vergangenen Jahr knapp 105 Ausbildungsangebote gegenüber – das ist eine gute Nachricht.“

Mehr Ausbildungsverträge

Bis zum Stichtag 30. September 2017 seien insgesamt 523.300 Ausbildungsverträge neu geschlossen worden – 3.000 mehr als im Vorjahr. Insgesamt 572.200 Ausbildungsstellen wurden bundesweit angeboten, 8.500 Stellen mehr als 2016. Gestiegen ist aber laut Berufsbildungsbericht auch die Zahl der Jugendlichen, die einen Ausbildungsplatz suchen. Grund ist, dass sich verstärkt junge Menschen mit Fluchthintergrund bewerben. Ihr Anteil hat sich im Vergleich zum Vorjahr mit 26.400 mehr als verdoppelt. Knapp 9.500 davon haben eine Ausbildung begonnen.

Angebot und Nachfrage besser zusammenbringen

Trotz dieser positiven Entwicklungen: „Der Bericht zeigt auch, wo noch Handlungsbedarf besteht“, stellte Bundesbildungsministerin Karliczek klar. So hätten gerade viele junge Menschen mit Migrationshintergrund keinen Ausbildungsplatz gefunden. „Darum müssen wir uns kümmern.“ Auch gelte es weiterhin, Ausbildungsplatzangebot und -nachfrage besser zusammenzuführen: Etwa 24. 000 junge Leute fanden 2017 keine passende Ausbildungsstelle. 

Zugleich seien, betonte Karliczek, bei den Betrieben „fast 50.000 Stellen“ unbesetzt geblieben. Die Ministerin kündigte deshalb an, künftig noch stärker die Ausbildungsmobilität junger Menschen zu fördern. Gleichzeitig wolle die Bundesregierung kleinere Betriebe unterstützen, die Ausbildungsqualifikation zu erlangen.

Rolle der Ausbildungsvergütung

Birke Bull-Bischoff, bildungspolitische Sprecherin der Fraktion Die Linke, verwies auf die hohe Quote von vorzeitigen Vertragsauflösungen und erkundigte sich, welches „Gewicht“ die Ministerin angesichts dessen der Höhe der Ausbildungsvergütung beimesse. Karliczek nahm die Frage der Abgeordneten zum Anlass, zur Debatte über vermeintliche Abbrecherquoten von mehr als 25 Prozent Stellung zu nehmen. Dabei handele es sich tatsächlich um vorzeitige Vertragslösungen. In etwa der Hälfte der Fälle lösten aber junge Leute einen Vertrag, um dann ihre Lehre an anderer Stelle oder in einer anderen Branche fortzusetzen. 

Die Quote der echten Abbrüche liege bei etwa 12 bis 13 Prozent, so die Ministerin. „Dass es möglich ist, eine Ausbildungsstelle zu wechseln und etwas Neues zu beginnen, ist ein großes Pfund“, sagte Karliczek. Die Höhe der Ausbildungsvergütung sehe sie zwar als „einen Punkt“, aber nicht als „den entscheidenden“, wenn es darum gehe, die Rahmenbedingungen einer Ausbildung zu verbessern.

Paarungsprobleme durch mehr Mobilität lösen

Nicola Beer, bildungspolitische Sprecherin der FDP und ihr Fraktionskollege Mario Brandenburg nahmen die wachsende Zahl der unbesetzten Stellen zum Anlass für die Frage, was die Bundesregierung im Vergleich zur ihrer Vorgängerregierung anders machen wolle, um vor allem Paarungsprobleme zwischen Ausbildungsplatzangebot und -nachfrage zu lösen.  

Karliczek machte deutlich, dass sie wie ihre Vorgängerin im Amt, Prof. Dr. Johanna Wanka (CDU), weiterhin auf eine Steigerung der Ausbildungsmobilität etwa durch das Angebot von Wohnheimplätzen setze. „Solange die Zahlen in die richtige Richtung gehen, werden wir an diesem Thema dranbleiben.“

Gleichwertigkeit akademischer und beruflicher Bildung

Albert Rupprecht, bildungspolitischer Sprecher der CDU/CSU-Fraktion, erkundigte sich, was die Bundesregierung plane, um die Gleichwertigkeit von beruflicher und akademischer Bildung zu stärken. Angesichts der „hohen Attraktivität“ des Studiums brauche es die „Unterstützung der Politik“, um den Stellenwert der beruflichen Bildung herauszustellen, so Rupprecht. Dem stimmte die Ministerin zu und kündigte ein „Maßnahmenpaket“ an: „Die duale Ausbildung in Deutschland ist ein Erfolgsmodell und wird in Zukunft noch wichtiger werden.“ 

Die Bundesregierung plane deshalb, die berufliche Bildung weiterzuentwickeln. Dabei gehe es unter anderem um das Thema Mindestausbildungsvergütung. Hinblick auf eine Modernisierung der Ausbildungsordnungen rückten auch Themen der Digitalisierung und der Anrechnung von informellen oder im Ausland erworbenen Qualifikationen in den Fokus.

Fokus auf Migranten und Geflüchtete

Dr. Götz Frömming, bildungspolitischer Sprecher der AfD, verwies auf den „exorbitant hohen Anteil“ von jungen Migranten ohne Ausbildungsplatz und wollte wissen, wie die Bundesregierung dieses Problems „Herr werden“ wolle. Die Ministerin verwies ihrerseits auf eine Reihe von Programmen und Projekten, die die Bundesregierung gemeinsam mit den Bundesländern auf den Weg gebracht habe – wie etwa die Initiative „Kausa“ Koordinierungsstelle Ausbildung und Migration –, und deren Ziel es sei, die Ausbildungssituation von jungen Migranten und Geflüchteten zu verbessern. 

„Wir haben das Thema im Fokus“, versicherte die Ministerin. „Wir wollen es uns aber zusammen mit der Integrationsbeauftragten der Bundesregierung noch einmal genauer ansehen. Wir müssen auch stärker für die duale Ausbildung werben. Viele Migranten kennen diese Art Ausbildung noch nicht und wissen daher auch nicht, wie attraktiv sie ist.“

„Sozialer Hintergrund spielt eine Rolle“

Dr. Karamba Diaby (SPD), Mitglied im Ausschuss für Bildung, Forschung und Technikfolgenabschätzung, kritisierte die Fokussierung der AfD auf den Migrationshintergrund als „verengt“. Der Berufsbildungsbericht zeige deutlich, welche Rolle die soziale Herkunft spiele, wenn Jugendliche nur schwer einen Ausbildungsplatz fänden oder ihre Ausbildung abbrächen. „Welche Ansätze verfolgen Sie, um diese Jugendlichen zu unterstützen?“, fragte Diaby. 

Hier erinnerte Karliczek insbesondere an die gemeinsame Initiative „Bildungsketten bis zum Ausbildungsabschluss“ von Bundesregierung und Bundesagentur für Arbeit: „Deren Ziel ist es, Jugendliche beim Übergang von der Schule in die Ausbildung individuell zu begleiten – etwa mit einer Potenzialanalyse und Praktika zur Orientierung. Darüber hinaus sei es das Ziel der Bundesregierung, die berufliche Bildung mit verschiedenen Maßnahmen insgesamt attraktiver zu gestalten – und so auch Aufstiegsmöglichkeiten für die „sozial Schwächeren“ zu schaffen.

„Ausbildungslosigkeit verhindern“

Kai Gehring, Sprecher für Forschung, Wissenschaft und Hochschule von Bündnis 90/Die Grünen, lenkte mit seiner Frage den Blick auf das Problem der steigenden Ausbildungslosigkeit unter jungen Menschen. Fast 14,3 Prozent der 20- bis 34-Jährigen hätten dem Berufsbildungsbericht zufolge keine abgeschlossene Ausbildung, monierte Gehring. Das sei eine „Hochrisikogruppe“, der Arbeitslosigkeit und „prekäre Beschäftigungsformen“ drohten. „Wie wollen sie diese Entwicklung umkehren?“

In ihrer Antwort verwies Karliczek einerseits auf die Bedeutung von Ausbildungsbegleitern im Rahmen der „Bildungsketten“, betonte aber andererseits, dass es entscheidend sei, mehr Möglichkeiten zu schaffen, um abseits des klassischen Berufseinstiegs zu einem späteren Zeitpunkt des Lebens eine Ausbildung – etwa in Teilzeit – zu absolvieren. (sas/18.04.2018)

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