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7. Oktober 1918: Ein­satz für Haftent­las­sung Karl Liebknechts

Walter Rathenau (1867-1922), Präsident des Elektrokonzerns AEG (Aufnahme um 1917)

Walter Rathenau (1867-1922), Präsident des Elektrokonzerns AEG (Aufnahme um 1917)

© picture-alliance/Imagno

Montag, 7. Oktober 1918

In der Sitzung des Kriegskabinetts setzen sich mehrere Regierungsmitglieder, insbesondere Staatssekretär ohne Portefeuille Philipp Scheidemann, Mehrheitssozialdempkratische Partei (MSPD), für die Haftentlassung des Spartakistenführers Karl Liebknecht und des USPD-Reichstagsabgeordneten Wilhelm Dittmann ein. Die Entscheidung wird zunächst vertagt.

Rathenau: Friedensgesuch an Wilson ein Fehler

Der Präsident des Elektrokonzerns AEG, Walther Rathenau, bewertet in der Morgenausgabe der „Vossischen Zeitung“ das Friedensgesuch der Regierung Max von Baden an US-Präsident Woodrow Wilson als Fehler, da es zu früh gestellt worden sei und deshalb vom Gegner als Eingeständnis von Schwäche ausgelegt werde. Für Rathenau ist das Deutsche Reich „ungebrochen, seine Mittel unerschöpft, seine Menschen unermüdet. Wir sind gewichen, aber nicht geschlagen“. 

Für den von ihm als wahrscheinlich angenommenen Fall, dass Wilson für den Abschluss eines Waffenstillstands Vorbedingungen stelle, die wie zum Beispiel weitreichende Gebietsabtretungen (etwa von Elsaß-Lothringen) oder die Zahlung hoher Entschädigungssummen vom Deutschen Reich nicht akzeptiert werden können, fordert er „die Erhebung des Volkes“. 

Neues Amt soll nationale Verteidigung organisieren

Ein neu zu schaffendes unabhängiges Verteidigungsamt aus Bürgern und Soldaten mit umfangreichen Vollmachten soll die nationale Verteidigung organisieren. Es soll unter anderem die noch vorhandenen personellen Reserven, zum Beispiel die nicht an den Kampfhandlungen beteiligten Soldaten, aber auch gesunde ältere Männer für den Fronteinsatz mobilisieren und Frontsoldaten, die sich im Urlaub befinden, zu ihren Einheiten zurückbeordern.

Der Staatssekretär des Auswärtigen Amts beruft eine Kommission zur Beratung von Vorschlägen für die Gründung eines Völkerbundes ein, der neben Regierungsvertretern auch Parlamentarier und Völkerrechtslehrer angehören.

Geheime Reichskonferenz der Spartakus-Gruppe

Auf der Geheimen Reichskonferenz der Spartakus-Gruppe in Gotha beschließen Vertreter der Spartakusgruppe und die Delegierten der „linksradikalen Bewegung“, die der Unabhängigen Sozialdemokratischen Partei (USPD) nicht angehören, beide Gruppierungen zu vereinigen. In einer von der Reichskonferenz verabschiedeten Resolution proklamiert das „deutsche Proletariat […] die sozialistische Republik […] zur Entfesselung des Kampfes des Proletariats der Welt gegen die Bourgeoisie der Welt: der proletarischen Diktatur gegen den kapitalistischen Völkerbund.“ 

Als vordringliche Maßnahmen werden unter anderem die unverzügliche Freilassung aller politischen Gefangenen, die sofortige Aufhebung des Belagerungszustandes und des Hilfsdienstgesetzes (Verpflichtung zur Arbeit in kriegswichtigen Betrieben), umfangreiche Enteignungen, die Verkürzung der Arbeitszeiten, die Festsetzung von Mindestlöhnen, eine Umgestaltung des Heerwesens und die Abschaffung der Einzelstaaten und Dynastien gefordert. (ww/07.10.2018)

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