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Sonnabend, 26. Oktober 1918

Da sich die Generäle Hindenburg und Ludendorff mit ihrer Kritik an den Verhandlungen der Reichsregierung mit US-Präsident Woodrow Wilson bei ihrer Besprechung mit Kaiser Wilhelm II. am Vortag nicht durchsetzen konnten, reicht Ludendorff sein Entlassungsgesuch ein. 

Wilhelm II. nimmt Ludendorffs Gesuch bei einer Audienz am Vormittag an. Nach einem Appell des Kaisers an Hindenburgs Patriotismus bleibt Hindenburg, der ebenfalls um Entlassung gebeten hatte, im Amt. Nachfolger Ludendorffs im Amt des Ersten Generalquartiermeisters und damit de facto Chef der Obersten Heeresleitung wird General Wilhelm Groener, der sein Amt am 27. Oktober 1918 antritt.

Parlamentarisierung der Reichsverfassung

Der Reichstag beschließt in seiner letzten Sitzung im Kaiserreich mit den Stimmen der Mehrheitsparteien aus Zentrum, Mehrheitssozialdemokraten und Fortschrittlicher Volkspartei gegen die Stimmen der konservativen Abgeordneten den Gesetzentwurf zur Parlamentarisierung der Reichsverfassung („Oktoberreform“). 

Aufgrund der Verfassungsänderungen können Reichstagsabgeordnete nun ihr Mandat bei Eintritt in die Regierung, bei Übernahme eines besoldeten Staatsamts oder bei Beförderungen im Staatsdienst behalten. Der Reichskanzler bedarf zu seiner Amtsführung jetzt des Vertrauens des Reichstags. 

Reformierung des Reichskanzleramts

Zudem sind der Reichskanzler und seine Stellvertreter für ihre Amtsführung nicht nur dem Bundesrat, sondern nun auch dem Reichstag gegenüber verantwortlich. Ebenso bedürfen Kriegserklärungen, Friedensschlüsse und Verträge mit anderen Staaten der Zustimmung des Bundesrates und des Reichstages. 

Des Weiteren übernimmt der Reichskanzler die Verantwortung für alle Handlungen von politischer Bedeutung, die der Kaiser in Ausübung der ihm nach der Reichsverfassung zustehenden Befugnisse vornimmt. Die Verfassungsänderungen sehen schließlich auch vor, dass das gesamte Militärwesen der zivilen politischen Gewalt untergeordnet wird.

Protestaktionen nicht durchsetzbar

Bei einer Sitzung der Revolutionären Obleute, an der erstmals auch Mitglieder der Spartakusgruppe teilnehmen, werden Karl Liebknecht, Wilhelm Pieck und Ernst Mayer als Vertreter der Spartakusgruppe in den Vollzugsausschuss der Revolutionären Obleute aufgenommen. 

Allerdings können sich die Spartakisten mit ihrer Forderung nach sofortiger Durchführung von Protestaktionen, die „den revolutionären Elan der Massen anfachen und bis zur Revolution steigern“ sollen, bei den Revolutionären Obleuten nicht durchsetzen. Sie lehnen die von Liebknecht propagierten Kampfmethoden ab. 

Die Revolutionären Obleute

Bei den Revolutionären Obleuten handelt es sich um die Vertrauensleute der Arbeiter mehrerer großer kriegswichtiger Betriebe. Sie sind von den offiziellen Gewerkschaften unabhängig, stehen aber der Unabhängigen Sozialdemokratischen Partei nahe. Sie haben die großen Munitionsarbeiterstreiks im Januar 1918 organisiert und sind maßgeblich an der revolutionären Entwicklung im Oktober/November 1918 beteiligt.

Bündnis mit Österreich-Ungarn wird aufgelöst

Österreich-Ungarn und die Türkei ersuchen beim US-amerikanischen Präsidenten Woodrow Wilson um einen Sonderfrieden. In einem Telegramm an den deutschen Kaiser Wilhelm II. teilt Kaiser Karl I. von Österreich die Auflösung des Bündnisses zwischen Österreich-Ungarn und dem Deutschen Reich mit. (ww/26.10.2018)

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