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Dienstag, 29. Oktober 1918

Auf Betreiben seiner Ratgeber verlässt Kaiser Wilhelm II. überraschend Berlin, ohne die Reichsregierung über seine Abreise zu informieren, und begibt sich in das Große Hauptquartier der Obersten Heeresleitung nach Spa (Belgien). Mit diesem Schritt sollte der Kaiser davor bewahrt werden, dass er dem Druck der Reichsregierung nachgibt und sich zur Abdankung bereit erklärt. 

Die engere Umgebung des Kaisers verband mit dem Ortswechsel die Erwartung, dass sich der Kaiser mit dem Beistand seiner Heerführer noch am ehesten allen Rücktrittsforderungen widersetzen werde.

Rücktrittsempfehlung an den Kaiser

In einem mit Vorstand und Reichstagsfraktion der Mehrheitssozialdemokratie abgestimmten Schreiben des parlamentarischen Staatssekretärs Philipp Scheidemann bittet er Prinz Max von Baden, „dem Kaiser zu empfehlen, freiwillig zurückzutreten“. 

Zur Begründung führt Scheidemann unter anderem an, dass ein sofortiger Wechsel an der höchsten Stelle des Reiches „beträchtlich günstigere Aussichten“ für die anstehenden Friedensverhandlungen eröffne. 

Da der Schritt angesichts der politischen Situation ohnehin nicht aufgehalten werden könne, sei es besser, wenn Wilhelm II. die nötigen Konsequenzen „so schnell als möglich“ zöge.

Aufforderung zur Mobilisierung aller Kräfte

Max von Baden unterzeichnet eine Verfügung, durch die das Kriegspresseamt Staatssekretär Matthias Erzberger unterstellt wird.

In einer Eingabe an den Reichskanzler fordert die konservative Reichstagsfraktion, die Waffenstillstandsverhandlungen umgehend einzustellen, wenn abzusehen ist, dass die Kriegsgegner eine völlige Unterwerfung Deutschlands fordern und den Deutschen jede Möglichkeit nehmen, sich gegen nicht hinnehmbare Forderungen zur Wehr zu setzen. 

Zugleich wird die Regierung aufgefordert, Maßnahmen zur Mobilisierung aller Kräfte für einen nationalen Verteidigungskrieg einzuleiten.

Widerstand der Hochseeflotte-Matrosen

Am Abend gibt der Chef der deutschen Hochseeflotte, Admiral Franz von Hipper, auf seinem Flaggschiff „Baden“ den Chefs der vor Wilhelmshaven zusammengezogenen drei Geschwader mit 60.000 Mann Besatzung den als strenge Geheimsache behandelten „Seeklar“-Einsatzbefehl zum Angriff auf die englische Flotte bekannt.

Noch während die Vorbereitungen für den als „Übungsfahrt“ bezeichneten Ausmarsch am nächsten Tag anlaufen, kommt es zu Auflehnungen und Ausschreitungen der Schiffsbesatzungen. 

Die Matrosen gehen davon aus, dass die deutsche Flotte versenkt werden soll, damit sie bei Waffenstillstandsverhandlungen nicht übergeben werden muss. Unter der Parole „Widerstand gegen die Todesfahrt“ weigern sich die Matrosen mehrerer Schiffe, die Befehle zum Auslaufen auszuführen und versammeln sich zur Beratung des weiteren Vorgehens. (ww/29.10.2018)

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