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Rafał Dutkiewicz zum Volkstrauertag: Europa ist unsere Zukunft

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„Ich glaube daran, dass Europa unsere Zukunft ist – und Nationalismen von gestern sind. Ich glaube an die polnisch-deutsche Versöhnung. Ich glaube an die Freundschaft zwischen Deutschland und Polen, zwischen Deutschen und Polen. Das sage ich heute hier als polnischer Europäer, als ein Breslauer. Das sage ich heute hier als ein Berliner.“

Mit diesen Worten schloss der ehemalige Stadtpräsident von Wrocław, dem früheren Breslau, Dr. Rafał Dutkiewicz, seine Gedenkrede zum Volkstrauertag. Dutkiewicz sprach am Sonntag, 17. November 2019, in der zentralen Gedenkveranstaltung des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge im Plenarsaal des Reichstagsgebäudes, die traditionell unter der Schirmherrschaft des Bundestagspräsidenten steht.

„Europäische Integration und Klimaschutz“

Nach den Worten Dutkiewiczs kann sich die Nation heute in Zukunft nur übernational verwirklichen – „in unserem Fall im Rahmen der Europäischen Union“. Es gebe nichts Wichtigeres für die Europäer als die Vertiefung der europäischen Integration für den Frieden und den Klimaschutz – „für unsere Existenz“.

Der Politiker, Unternehmer und Universitätsdozent Dutkiewicz ist derzeit Richard-von-Weizsäcker-Fellow der Robert-Bosch-Stiftung in Berlin. Von 2202 bis 2018 war er als unabhängiger Kandidat viermal gewählter Stadtpräsident von Breslau, was einem Oberbürgermeister entspricht. In den achtziger Jahren war er in der Bürgerrechtsbewegung „Solidarność“ aktiv.

„Antwort auf die Tragödie des Zweiten Weltkrieges“

Dutkiewicz nannte die Europäische Union eine „deutliche Antwort unseres Kontinents auf die Tragödie des Zweiten Weltkrieges“. Der Entstehung der Europäischen Union liege unter anderem die Erinnerung und die Überlegung zugrunde, dass der Krieg viele Millionen Menschenleben gekostet habe, darunter Millionen polnischer Bürger. Allein während des Warschauer Aufstands 1944 seien etwa 200.000 Menschen ermordet worden. „Es ist bedeutend, dass Warschau diejenigen Werte beachten soll, die dem Vertrag über die Europäische Union zu entnehmen sind“, sagte Dutkiewicz.

Nach der Rede Dutkiewiczs sprach Bundespräsident Dr. Frank-Walter Steinmeier das Totengedenken an die Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft. Daran schloss sich eine Gedenkminute an.

Schneiderhan: Polnisches Versöhnungsangebot ein „Geschenk“

Der Präsident des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge, Wolfgang Schneiderhan, hatte die Gedenkstunde eröffnet und an den deutschen Überfall auf Polen vor 80 Jahren erinnert. Auschwitz sei die Signatur dieses Krieges und stehe für die Vernichtungslager und Kriegsverbrechen der Deutschen in Polen und vielen anderen Ländern.

Das Versöhnungsangebot der katholischen polnischen Bischöfe von 1965 („Wir vergeben und bitten um Vergebung“) bezeichnete der frühere Generalinspekteur der Bundeswehr als „Geschenk“ für die Deutschen. Nie wieder Feindschaft und nie wieder Krieg, darüber herrsche heute Konsens. Schneiderhan betonte aber auch, dass die Bewahrung von Frieden und Freiheit Mut erforderten.

In der anschließenden Lesung waren Stimmen aus 100 Jahren Kriegsgräberfürsorge in Deutschland und Europa zu hören. Heinrich Pankuweit, Mariusz Siemiątkowski, Emiliya Schwarz und der frühere Bundestagsabgeordnete von Bündnis 90/Die Grünen Winfried Nachtwei sprachen dazu als Wegbegleiter des Volksbundes aus drei Generationen.

Musikalische Darbietungen

Musikalisch umrahmt wurde die Veranstaltung vom Landesjugendchor Brandenburg in Kooperation mit dem Kammerchor Adoramus aus der polnischen Grenzstadt Słubice. Unter Leitung von Claudia Jennings trugen sie zur Eröffnung „Herr, wenn Trübsal da ist“ von Gottfried August Homilius (1714-1785) vor. Nach der Gedenkrede brachten sie die Komposition Mironczarniades polnischen Komponisten Jakub Neske (Jahrgang 1987) zu Gehör. 

Das Bläsernonett des Musikkorps der Bundeswehr unter Leitung von Oberstabsfeldwebel Matthias Reißner spielte den zweiten Satz Andante Cantabile aus der „Petite symphonie pour vents“ von Charles Gounod (1818-1893).

Die Totensignale „Śpij kolego“ (Ruhe in Frieden, Kamerad) und „Der gute Kamerad“ bliesen der Obergefreite Mateusz Rubaj vom Repräsentations-Regiment der polnischen Streitkräfte und Oberfeldwebel Matthias Heßeler vom Musikkorps der Bundeswehr in Siegburg. Die Gedenkstunde endete mit der Europahymne und der Nationalhymne.

Erste Feierstunde 1922 im Reichstag

Der Volkstrauertag wurde durch den 1919 gegründeten Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge auf Vorschlag seines bayerischen Landesverbandes zum Gedenken an die Kriegstoten des Ersten Weltkrieges eingeführt. Nicht „befohlene“ Trauer war das Motiv, sondern das Setzen eines nicht übersehbaren Zeichens der Solidarität derjenigen, die keinen Verlust zu beklagen hatten, mit den Hinterbliebenen der Gefallenen.

Die erste offizielle Feierstunde fand 1922 im Deutschen Reichstag in Berlin statt. Der damalige Reichstagspräsident Paul Löbe (SPD) hielt eine im In- und Ausland vielbeachtete Rede, in der er einer feindseligen Umwelt den Gedanken an Versöhnung und Verständigung gegenüberstellte. Ein Komitee, dem von den großen Glaubensgemeinschaften bis zum jüdischen Frauenbund vielerlei Verbände angehörten, erreichte unter Federführung des Volksbundes, dass der Volkstrauertag in den meisten Ländern des Reiches gemeinsam, nämlich am Sonntag Reminiscere, dem fünften Sonntag vor Ostern, begangen wurde.

Heldengedenktag in der NS-Zeit

1934 bestimmten die nationalsozialistischen Machthaber durch ein Gesetz den Volkstrauertag zum Staatsfeiertag und benannten ihn „Heldengedenktag“. Die Träger waren bis 1945 die Wehrmacht und die NSDAP. Die Richtlinien über Inhalt und Ausführung erließ der Reichspropagandaminister. Nach Gründung der Bundesrepublik Deutschland wurde der Volkstrauertag erneut vom Volksbund eingeführt und 1950 erstmals neben vielen regionalen Veranstaltungen mit einer Feierstunde im Plenarsaal des Deutschen Bundestages begangen.

Nach einer Übereinkunft zwischen der Bundesregierung, den Ländern und den großen Glaubensgemeinschaften wurde der Termin auf den vorletzten Sonntag im Kirchenjahr (evangelisch) beziehungsweise den 33. Sonntag im Jahreskreis (katholisch) verlegt. Durch Landesgesetze ist der Tag geschützt. Der Volksbund versteht diesen Gedenktag auch mit zunehmendem Abstand vom Krieg als einen Tag der Trauer. Der Volkstrauertag ist aber auch zu einem Tag der Mahnung zu Versöhnung, Verständigung und Frieden geworden.

832 Kriegsgräberstätten in 46 Staaten

Der Volksbund betreut heute im Auftrag der Bundesregierung die Gräber von etwa 2,7 Millionen Kriegstoten auf 832 Kriegsgräberstätten in 46 Staaten. Er wird dabei unterstützt von mehr als einer Million Mitgliedern und Förderern sowie der Bundesregierung.

Das Leitwort ist: Versöhnung über den Gräbern – Arbeit für den Frieden.

Leitbild des Volksbundes

Der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge hat sich am 23. September 2016 ein neues Leitbild gegeben, in dem es heißt: „Wir stellen uns der deutschen Geschichte: Im Ersten Weltkrieg mit seinen Folgen lag der Ursprung einer Epoche exzessiver Gewalt und totalitärer Diktaturen, die im Zweiten Weltkrieg einen historischen Höhepunkt fand. Dieser Angriffskrieg des nationalsozialistischen Deutschlands forderte Millionen Opfer, Soldaten und Zivilisten, und war Voraussetzung für beispiellose Verbrechen bis hin zum Völkermord an den europäischen Juden. Damit stellt sich auch die Frage der persönlichen Verantwortung unter den Bedingungen von Diktatur und Krieg. Pauschale Schuldzuweisungen verbieten sich: Die Meisten kämpften im Bewusstsein, ihre nationale Pflicht zu erfüllen. Viele machten sich schuldig. Andere konnten sich entziehen. Wenige leisteten Widerstand.

Mit dem festen Willen, die Erinnerung an Krieg und Gewaltherrschaft wachzuhalten, Verständigung, Versöhnung und Frieden unter den Menschen und Völkern zu fördern und für Freiheit und Demokratie einzutreten, hat sich der Volksbund auf der Grundlage seiner Satzung dieses Leitbild gegeben.“ (vom/17.11.2019)

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