Alumna des Quartals 4/2025

Helena Kandjumbwa, IPS Southern Africa Alumna (2022)

Porträtfoto einer jungen Frau

(© Helena Kandjumbwa)

In Namibias informellen Siedlungen findet frühkindliche Bildung oft unter schwierigen Bedingungen statt. Die Besitzverhältnisse von Land sind unsicher, und dauerhafte Gebäude sind häufig nicht erlaubt. Viele frühkindliche Bildungszentren bestehen daher aus einfachen Wellblechbauten. Diese sind günstig und schnell aufgebaut, bieten aber kaum Schutz vor Wetterbedingungen. Im Sommer wird es sehr heiß, im Winter bleibt die Kälte im Raum, und während der Regenzeit dringt Wasser in die Gebäude ein. Unterricht muss unterbrochen werden, Kinder werden nach Hause geschickt, und regelmäßiges Lernen ist kaum möglich.

Gleichzeitig dauern formale Entwicklungsprozesse für Land in informellen Siedlungen oft viele Jahre, manchmal sogar Jahrzehnte. Auf dauerhafte Infrastruktur zu warten bedeutet, dass Kinder über lange Zeit in unsicheren und ungeeigneten Lernumgebungen bleiben. Diese Spannung zwischen langfristiger Planung und akutem Bedarf prägt den Alltag vieler Bildungseinrichtungen.

New Elementary Namibia (New Elementary) wurde gegründet, um genau auf diese Lücke zu reagieren. Die Organisation arbeitet daran, die Qualität frühkindlicher Bildung in informellen Siedlungen zu verbessern. Der Ansatz ist praktisch, flexibel und orientiert sich an den bestehenden rechtlichen Rahmenbedingungen. Ziel ist es, sofort wirksame Lösungen zu schaffen, ohne langfristige Entwicklungsprozesse zu behindern.

Im Mittelpunkt der Arbeit steht die Sanierung von frühkindlichen Bildungszentren mit vorgefertigten Wandmodulen. Diese ermöglichen den schnellen Bau modularer Klassenzimmer, die bei Bedarf auch wieder versetzt werden können. Im Vergleich zu Wellblechbauten sind diese Gebäude wetterbeständig, besser belüftet und bieten ausreichend Platz für Bewegung, Spiel und strukturiertes Lernen. Unterricht kann auch bei extremen Wetterbedingungen stattfinden, und Kinder profitieren von einer stabilen und würdevollen Lernumgebung.

Vor Beginn jedes Projekts führt New Elementary Gespräche mit Gemeinden und Wahlkreisvertretungen, um die Genehmigung für temporäre Bauten zu erhalten. Dieser Prozess ist ein zentraler Bestandteil der Arbeit und zeigt den Anspruch der Organisation, transparent, rechtskonform und in Zusammenarbeit mit staatlichen Akteuren zu handeln.

Gegründet wurde New Elementary im Jahr 2016 von Helena Kandjumbwa. Während ihrer Zeit als freiwillige Lehrerin in einem Kinderzentrum in einer informellen Siedlung wurde ihr deutlich, wie groß der Unterschied zwischen politischen Zielen und der Realität vor Ort ist. Unsichere Gebäude und fehlende Ressourcen beeinträchtigten den Alltag der Kinder erheblich. Die Organisation entstand aus dem Wunsch heraus, innerhalb dieser Rahmenbedingungen konkrete und sofort umsetzbare Lösungen zu schaffen.

Der Ansatz von New Elementary geht über bauliche Maßnahmen hinaus. Frühkindliche Bildung wird als ganzheitlicher Prozess verstanden, der sichere Räume, qualifizierte Betreuungspersonen und vielfältige Lernangebote erfordert. Aus diesem Grund werden Infrastrukturprojekte immer mit Maßnahmen zur Stärkung der Bildungsqualität und der Gemeinschaft verbunden.

Die unterstützten Zentren werden dabei begleitet, ihre Lehrpläne an nationale Standards für frühkindliche Bildung anzupassen. Zusätzlich werden außerschulische Aktivitäten eingeführt, die die ganzheitliche Entwicklung der Kinder fördern. Dazu gehören Schach, MINT-Angebote wie Programmieren und Robotik, Urban Gardening, Sport sowie kreative Angebote aus dem Bereich Kunst.

Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Unterstützung von Lehrkräften und Betreuungspersonen. Durch Fort- und Weiterbildungsangebote können sie ihre fachlichen Kompetenzen ausbauen und die Lernqualität nachhaltig verbessern. Diese Programme werden in Zusammenarbeit mit anerkannten Bildungseinrichtungen durchgeführt, die für die Ausbildung im Bereich der frühkindlichen Bildung zertifiziert sind.

Bis heute hat New Elementary zwei frühkindliche Bildungszentren in Katutura, Windhoek, saniert. Das erste Projekt wurde 2019 in Havana im Wahlkreis Moses Garoeb umgesetzt. Das zweite folgte 2023 in Goerangab im Wahlkreis Samora Machel. Beide Projekte entstanden in enger Zusammenarbeit mit Eltern, Lehrkräften, lokalen Handwerkern, Spenderinnen und Spendern sowie Vertreterinnen und Vertretern der lokalen Behörden.

Die positiven Veränderungen zeigen sich im Alltag der Einrichtungen. Der Unterricht kann regelmäßiger stattfinden, auch bei schwierigen Wetterbedingungen. Die Zentren können etwa vierzig Prozent mehr Kinder sicher aufnehmen. Gleichzeitig steigt das Interesse der Eltern aus der Umgebung, ihre Kinder in diesen Einrichtungen anzumelden. Dies zeigt das gewachsene Vertrauen in die Sicherheit und Qualität der Lernumgebung.

Im zweiten Projekt entstand zudem das erste vollständig solarbetriebene frühkindliche Bildungszentrum in der Gemeinde. Die Nutzung sauberer Energie unterstützt den täglichen Betrieb und senkt langfristig Kosten. Gleichzeitig entstehen neue Möglichkeiten für kleine einkommensschaffende Aktivitäten.

New Elementary Namibia leistet außerdem einen Beitrag zur lokalen Beschäftigung und zur beruflichen Qualifizierung. Seit der Gründung wurden über 400 projektbezogene Arbeitsmöglichkeiten für lokale Handwerkerinnen und Handwerker geschaffen. Angesichts einer Jugendarbeitslosigkeit von 43,4 Prozent in Namibia spielt die gezielte lokale Beschäftigung eine wichtige Rolle. Durch Kooperationen mit Berufsbildungszentren erhalten Studierende die Möglichkeit, praktische Erfahrungen zu sammeln und gleichzeitig einen Beitrag zur Entwicklung ihrer Gemeinden zu leisten.

Ein persönliches Beispiel dafür ist die Geschichte von Peter Nekongo:

Bevor ich bei New Elementary angefangen habe, war ich arbeitslos und arbeitete gelegentlich als Taxifahrer, obwohl ich eine Ausbildung im Bereich Elektrotechnik hatte. Als mir Helena die Möglichkeit gab, an dem Projekt mitzuarbeiten, hat sich meine Situation deutlich verändert. Ich durfte die Bauarbeiten der zweiten Schule als Vorarbeiter und Auftragnehmer leiten und habe die Solaranlage selbst installiert. Diese Arbeit hat mir praktische Erfahrung, Selbstvertrauen und Stabilität gegeben. Heute bin ich stolz darauf, Teil eines Teams zu sein, das direkt zur Bildung von Kindern und zur Entwicklung der Gemeinschaft beiträgt.

Die aktive Beteiligung der Gemeinschaft ist ein zentraler Bestandteil aller Projekte. Eltern, Lehrkräfte, Handwerker und lokale Entscheidungsträger werden in verschiedenen Phasen eingebunden. Diese gemeinsame Verantwortung stärkt das Gefühl von Zugehörigkeit und Verantwortung. Die Zusammenarbeit mit Gemeinden und Wahlkreisvertretungen zeigt zudem, wie konstruktive Kooperation zwischen Zivilgesellschaft und staatlichen Institutionen auch unter informellen Bedingungen möglich ist.

Die Arbeit von New Elementary Namibia steht für ein zivilgesellschaftliches Engagement, das politische Prinzipien in konkrete Praxis übersetzt. Sie verbindet Bildung, Teilhabe und Verantwortung und leistet damit einen Beitrag zu demokratischen Werten auf lokaler Ebene.

Helena Kandjumbwa ist IPS Southern Africa Alumna (2022). Sie studiert derzeit an der Hertie School in Berlin in einem dualen Masterprogramm und absolviert einen Master of Public Policy sowie einen Master of Data Science mit Schwerpunkt auf Governance und evidenzbasierter Entscheidungsfindung. Zusätzlich arbeitet sie als Chief of Staff bei Mukuru Clean Stoves, einem Sozialunternehmen, das Metallabfälle zu sauberen Kochherden verarbeitet und landwirtschaftliche Abfälle in biologischen Mückenschutzbrennstoff umwandelt. Damit trägt das Unternehmen zur Verbesserung der öffentlichen Gesundheit und zur ökologischen Nachhaltigkeit bei.

Aktuell bereitet New Elementary das dritte Sanierungsprojekt vor. Langfristig verfolgt die Organisation das Ziel, bis 2035 insgesamt 100 frühkindliche Bildungszentren in Namibia zu rehabilitieren. Die bisherigen Erfahrungen zeigen, dass lokal verankerte und partizipative Ansätze auch unter schwierigen Bedingungen nachhaltige Veränderungen ermöglichen können.