13.08.2026 | Parlament

Rede bei der Eröffnung der mobilen Ausstellung „Blackbox Heimerziehung“ in Hamburg

Frau an Bistrotisch mit Mikrofon, Publikum, zwei weitere Personen an Bistrotisch, vor Seecontainer mit Glasfront, in dem eine Ausstellung ist

Evelyn Zupke bei ihrer Rede bei der Finissage der BLACKBOX HEIMERZIEHUNG in Hamburg (© Team Zupke)

Liebe Frau Estel,
liebe Frau Hertich,
lieber Herr Alexander Müller,
liebe Gäste!

Vor drei Jahren fanden die offiziellen Feierlichkeiten zum Tag der Deutschen Einheit hier in Hamburg statt. Als Opferbeauftragte des Parlamentes war ich mit einem Stand im Zelt des Bundestages auf dem Rathausmarkt zu Gast.

Lange unterhielt ich mich mit einem Mann Mitte 50, der aus der DDR stammt und heute in Bergedorf wohnt. Ganz am Ende unseres Gesprächs nahm er den ausliegenden Flyer der Gedenkstätte „Geschlossenen Jugendwerkhof Torgau“ in die Hand, schaute mich kurz an und sagte: „Ich war damals auch in einem solchem Heim. Gesprochen aber, habe ich bisher mit niemanden darüber.“

Seine Worte sind mir noch lange nachgegangen. „Ich war damals auch in einem solchem Heim. Gesprochen aber, habe ich bisher mit niemanden darüber.“

Über das Erlebte sprechen. Das ist alles andere als einfach. Der Schmerz des Erlebten, der wieder hochkommt. Die Angst, nicht verstanden zu werden.

Umso wichtiger ist es, dass wir Angebote wie die Blackbox Heimerziehung haben. Die Blackbox hilft uns nicht nur das System der repressiven DDR-Heimerziehung zu verstehen.

Die Blackbox spricht zugleich auch für all die Betroffenen, denen bis heute die Worte fehlen.

Ein Aufenthalt in einem DDR-Heim, wie dem geschlossenen Jugendwerkhof Torgau: Er ist eben keine Episode im Leben eines jungen Menschen. Kein kurzer Umweg, nach dem dann alles in gewohnten Bahnen weiter verläuft.

„Der erste Gedanke, wenn ich morgens aufwache, ist Torgau. Und der letzte, bevor ich abends einschlafe, ebenso“, so schilderte mir eine Betroffene ihren heutigen Alltag.

Diese Erfahrung, sie begleitet die Betroffenen durch ihr gesamtes Leben. Es ist wie ein Schatten, den man nicht einfach abschütteln kann.

Umso wichtiger ist es, dass wir als demokratische Gesellschaft den Menschen, die an den körperlichen und seelischen Folgen der erlebten Repression bis heute leiden, zur Seite stehen. Zur Seite stehen und aufklären über das Unrecht. Ein Unrecht, begangen an wehrlosen Kindern und Jugendlichen.

Ich denke, dass es für die Black Box Heimerziehung fast keinen besseren Ort geben kann als hier: Hamburg. Das war für viele Menschen in der DDR und gerade für die Jüngeren ein Symbol für die Freiheit. Das ist einer der Gründe, warum so viele Menschen, die  aus der DDR stammen, heute – wie ich selbst - hier in der Hansestadt wohnen. 

Gleichzeitig merke ich, gerade wenn ich sehe, wie groß hier in Hamburg das Interesse für diesen Teil unserer gemeinsamen Geschichte ist, dass etwas hier in Hamburg fehlt. Um Geschichte zu vermitteln, braucht es Menschen. Gleichzeitig braucht es aber ebenso auch Orte. Orte des Austausches und Orte der Vermittlung.

Einen Lernort zur DDR-Geschichte hier in Hamburg: Ich unterstütze daher die Initiative ausdrücklich einen solchen dauerhaften Lernort hier in Hamburg zu schaffen.

Dass die Black Box heute hier steht. Im Hamburger Hafen. Auf dem Platz der Deutschen Einheit. Das ein Signal. Ein Signal dafür, dass wir die Menschen, die dieses Leid erdulden mussten, nicht vergessen. Ein Signal an all die Betroffenen: „Wir vergessen euer Leid nicht.“

Es ist aber ebenso auch ein Signal der Ermutigung, an all die Menschen, die heute unter autoritären Systemen leiden müssen. Das Signal, dass Diktatur überwindbar ist.

Vielen Dank!