19.09.2026 | Parlament

Gedenken an die Opfer des sowjetischen Speziallagers Fünfeichen

Auf dem Foto sind 2 Frauen und 2 Männer abgebildet, die draußen neben einander vor einer Parkbank stehen. Sie lächeln in die Kamera.
Das Foto zeigt viele Menschen, die in einem Park vor einem sehr großen Holzkreuz stehen und im Stillen gedenken. Sie stehen neben einander mit dem Körper zu Kreuz gerichtet. Ihnen gegenüber sind Blumenkränze aufdrapiert.

Bild 1 von 2

Die SED-Opferbeauftragte traf auf den ehemaligen Inhaftierten Heinz Baars (zweiter von links) gemeinsam mit seiner Tochter (erste von links) sowie auf den Oberbürgermeister der Stadt Neubrandenburg Nico Klose (rechts). (© Team Zupke)

Bild 2 von 2

Auf dem südlichen Gräberfeld der Internierten (Mahn- und Gedenkstätte Fünfeichen) wurde der Opfer mit einer Kranzniederlegung gedacht. (© Team Zupke)

In der Mahn- und Gedenkstätte Fünfeichen in Neubrandenburg gedachten ehemalige Inhaftierte, Angehörige und zahlreiche Gäste der Opfer des sowjetischen Speziallagers. Die SED-Opferbeauftragte beim Deutschen Bundestag nahm an der Gedenkveranstaltung teil und würdigte das Engagement der Arbeitsgemeinschaft Fünfeichen.

Gemeinsam mit der Vorsitzenden der Arbeitsgemeinschaft Rita Lüdtke, den ehemaligen Inhaftierten Ulrich Heseener und Heinz Baars sowie zahlreichen Angehörigen erinnerte Evelyn Zupke an die Menschen, die in Fünfeichen Leid und Unrecht erfahren haben. Die THW-Jugend Neubrandenburg, Schülerinnen und Schüler des Lessing-Gymnasiums sowie Mitglieder des Heeresmusikkorps gestalteten die Gedenkveranstaltung mit.

Seit 35 Jahren unterstützt die Arbeitsgemeinschaft die historische Recherche und trägt die Geschichten der Opfer an die nächsten Generationen weiter. In ihrer Rede dankte Evelyn Zupke: „Gedenkarbeit ist kein leichtes Unterfangen. Sie fordert Kraft, Ausdauer und den Mut, in die tiefsten Abgründe unserer regionalen Geschichte zu blicken. Für all das steht die Arbeitsgemeinschaft Fünfeichen. Sie geben hier in Neubrandenburg den Opfern ein Gesicht und eine Stimme.“

Die SED-Opferbeauftragte erinnerte zugleich daran, wie schwer es vielen ehemaligen Lagerinsassen über Jahrzehnte fiel, über das Erlebte zu sprechen. Umso wichtiger sei es, ihre Erfahrungen festzuhalten und weiterzugeben. Heute leben nur noch 18 ehemalige Insassen.

Hintergrund:

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges richteten die sowjetischen Sicherheitsorgane auf dem Gelände des früheren Kriegsgefangenenlagers der Wehrmacht das Speziallager Nr. 9 ein. Zwischen 1945 und 1948 waren in Fünfeichen rund 15.000 Männer, Frauen und Jugendliche interniert. Mehr als ein Drittel von ihnen kam nach heutigen Erkenntnissen infolge der grausamen Haftbedingungen ums Leben. In der DDR wurde die Existenz der sowjetischen Speziallager jahrzehntelang tabuisiert. Erst nach 1989 konnte ihre Geschichte öffentlich aufgearbeitet werden.