03.03.2026 | Parlament

Ehrung für unermüdliches Engagement: Annemarie Krause mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet

Das Foto zeigt eine betagte Frau die zu einer Person schaut, die links neben dem Fotografen des Fotos steht. Die Frau hat eine Jacke an.
Das Foto zeigt zwei Frauen und zwei Männer, die in einem Gefängnisflur stehen. Eine der beiden Frauen ist hoch betagt und sitzt im Rollstuhl.

Bild 1 von 2

Annemarie Krause bei der Gedenkveranstaltung zum 75. Jahrestag des Sachsenhausen-Transportes in der Strafvollzugsanstalt Hoheneck (02/2025). (© Team Zupke)

Bild 2 von 2

Michael Kretschmer, Ministerpräsident des Freistaates Sachsen, Prof. Appelius, ehemaliger Leiter der Gedenkstätte Hoheneck, Annemarie Krause und Evelyn Zupke (v.l.n.r.) in einem Zellentrakt des zentralen Frauengefängnisses der DDR anlässlich des 75. Jahrestages des Sachsenhausen-Transportes in die Strafvollzugsanstalt Hoheneck im Februar 2025. (© Team Zupke)

Annemarie Krause wird heute für ihren Einsatz für Aufarbeitung und Versöhnung mit dem Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnet. Der Orden wird ihr im Rahmen eines Festaktes vom Sächsischen Ministerpräsidenten Michael Kretschmer verliehen. 

Die SED-Opferbeauftragte dankt Annemarie Krause für ihre beharrliche Arbeit und gratuliert herzlich zu dieser besonderen Ehrung: „Annemarie Krause ist eine Brückenbauerin zwischen den Generationen. Ihr Lebensweg zeigt eindrucksvoll, dass die Kraft des Einzelnen ausreicht, um Licht in die dunklen Kapitel unserer Geschichte zu bringen und den Opfern eine unüberhörbare Stimme zu geben.“, so Zupke.

Die 1931 im Erzgebirge geborene Annemarie Krause hatte eine Liebesbeziehung zu einem sowjetischen Soldaten, mit dem sie 1948 eine Tochter bekam. Da eine solche Beziehung damals verboten war, wollte die junge Familie in den Westen fliehen. 1948 wurde sie vom sowjetischen Militärtribunal zu einer drakonischen Freiheitsstrafe von 25 Jahren verurteilt. Die Inhaftierung markierte den Beginn einer qualvollen Odyssee durch verschiedene Haftstätten, die sie schließlich als eine der ersten Insassinnen in das berüchtigte Frauenzuchthaus Hoheneck führte. Trotz der repressiven Bedingungen bewies sie ungebrochenen Widerstandsgeist, indem sie sich am historischen Hungerstreik von 1953 beteiligte, bevor sie Anfang 1954 im Zuge einer Amnestie die Freiheit wiedererlangte.

Annemarie Krause hat ihr Leben nach der Friedlichen Revolution konsequent in den Dienst der Mitmenschen gestellt. Als langjährige Mitglied in der Vereinigung der Opfer des Stalinismus e.V. und Unterstützerin des Lern- und Gedenkortes Kaßberg-Gefängnis und der Gedenkstätte in Hoheneck als Zeitzeugin hat sie dazu beigetragen, dass das Wissen über die Mechanismen der Diktatur nicht verloren geht. 

Die SED-Opferbeauftragte ist sehr dankbar, dass das jahrzehntelange Engagement von Annemarie Krause diese besondere Form der Anerkennung findet: „Mit dem Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland wird ihr Kampf gegen das Vergessen und für die Aufarbeitung ebenso gewürdigt wie das Leid und Unrecht, das sie und ihre Tochter am eigenen Leib erfahren mussten.“, erklärt Zupke.