Finissage der BLACKBOX HEIMERZIEHUNG in Hamburg: Anerkennung für DDR-Heimkinder

Die BLACKBOX Heimerziehung an der Elbphilharmonie in Hamburg (© Gedenkstätte GJWH Torgau)
Zum 65. Jahrestag des Mauerbaus endete auf dem Platz der Deutschen Einheit in der Hamburger HafenCity die Ausstellung BLACKBOX HEIMERZIEHUNG – direkt neben einem Originalsegment der Berliner Mauer vor der Elbphilharmonie. Bei der Finissage sprach die SED-Opferbeauftragte des Deutschen Bundestages, Evelyn Zupke, ein Grußwort.

Evelyn Zupke bei ihrer Rede bei der Finissage der BLACKBOX HEIMERZIEHUNG in Hamburg (© Team Zupke)
Sie erzählte von einer Begegnung vor drei Jahren beim Tag der Deutschen Einheit in Hamburg. Dort sprach sie lange mit einem Mann Mitte 50 aus Bergedorf. Erst ganz am Ende des Gesprächs nahm er den Flyer der Gedenkstätte Jugendwerkhof Torgau in die Hand, schaute sie kurz an und sagte: „Ich war damals auch in einem solchen Heim. Gesprochen aber habe ich bisher mit niemandem darüber.“
Bis heute haben viele Betroffene nie öffentlich über ihr Leid in Spezialkinderheimen oder Jugendwerkhöfen gesprochen. Zu groß ist oft die Scham, zu tief sitzt das Stigma, „schwierig“ oder gar kriminell gewesen zu sein – dabei waren die Kinder und Jugendlichen Opfer eines repressiven Systems.
Die BLACKBOX HEIMERZIEHUNG wurde von der Gedenkstätte Geschlossener Jugendwerkhof Torgau entwickelt und macht die Geschichte des repressiven DDR-Heimsystems erfahrbar. In Hamburg wurde sie in Kooperation mit dem Projekt „Tor zur Freiheit?! – Ein außerschulischer Lernort zu DDR-Geschichte in Hamburg“ gezeigt.
Zupke betonte, wie wichtig Angebote wie die BLACKBOX für die Aufarbeitung seien: Sie hälfen nicht nur, das System der DDR-Heimerziehung zu verstehen, sondern sprächen zugleich für all jene, denen bis heute die Worte für das Erlebte fehlten. Sie unterstützte ausdrücklich die Initiative, in Hamburg einen dauerhaften Lernort zur DDR-Geschichte zu schaffen.
Die BLACKBOX HEIMERZIEHUNG tourt als Wanderausstellung auch weiterhin durch ganz Deutschland.