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Partizipation in Wissenschaft stärken

Bildung, Forschung und Technikfolgenabschätzung/Unterrichtung - 11.10.2018 (hib 759/2018)

Berlin: (hib/ROL) Wissenschaft und Forschung haben in den letzten Jahren und Jahrzehnten eine rasanten Bedeutungszuwachs erfahren. Viele Menschen erwarten, dass neue Erkenntnisse aus der Forschung dazu beitragen, die großen gesellschaftlichen Aufgaben von morgen zu lösen. Das reicht von der Abwendung der Klimakrise über das Aufhalten des Artensterbens bis zum nachhaltigen Umgang mit den Ressourcen unseres Planeten. Gleichzeitig werden auch gesellschaftliche Ansprüche wie Transparenz, Unabhängigkeit und Nachvollziehbarkeit an die Wissenschaft gestellt - ihre Legitimation wird diskutiert und hinterfragt. Das schreiben Bündnis 90/Die Grünen in Ihrem Antrag (19/4857).

So sei auch das Verhältnis zwischen Wissenschaft, Politik, Wirtschaft und Gesellschaft in Bewegung geraten. Wissenschaftspolitik selbst entwickelte sich zum Austragungsfeld politischer Konflikte. Von diesen Spannungsfeldern zeuge einerseits das selbstbewusste Eintreten für die Wissenschaftsfreiheit im Rahmen des March for Science. Andererseits drücke sich dies aber auch in der systematischen Diskreditierung bestimmter Disziplinen (wie z.B. der Klima- oder Geschlechterforschung) - insbesondere durch wissenschaftsfeindliche und rechtspopulistische Kräfte - aus. Eine oft zu hörende, vermeintliche Antwort auf diese Entwicklung sei, die Wissenschaft müsse ihr Tun einfach besser erklären. Auch wenn dies im Einzelfall zutreffend sein mag, gehe diese Forderung nach besserer Kommunikation am Kern der Sache oftmals vorbei und sei unterkomplex, schreiben Bündnis 90/Die Grünen.

Die Fraktion macht deutlich, dass das klare Bekenntnis der Politik für die Wissenschaftsfreiheit entscheidend sei. Dazu gehöre die entsprechende Ausstattung der Wissenschaft mit ausreichenden Grundmitteln zur freien und ungerichteten Forschung, wie auch die Verankerung von Wissenschaft in die Gesellschaft. Das Hinterfragen bestimmter Förderdynamiken oder der wissenschaftspolitischen Prioritätensetzung, aber auch die Einbringung neuer Forschungsthemen seien berechtigte Anliegen einer kritisch-konstruktiven Öffentlichkeit. Initiativen, Verbände, Vereine und Bürger wollen sich nach Ansicht der Grünen vermehrt mit ihren Erkenntnisinteressen und ihrer Expertise einbringen. Wenn die Rahmenbedingungen richtig gesetzt würden, könnten solche Impulse nicht nur das öffentliche Vertrauen in das Wissenschaftssystem steigern, sondern auch die Innovationskraft der Bürger für die Forschung fruchtbar machen.

Die Fraktion Bündnis 90/ Die Grünen fordert, dass die zahlreichen konstruktiven Impulse aus der Gesellschaft als Chance für die Wissenschaft ernst genommen werden und neue Partizipationsmöglichkeiten in Wissenschaftspolitik und Forschung geschaffen werden. Für substanzielle Beteiligung der Zivilgesellschaft in der Wissenschaftspolitik seien auf Dauer eingerichtete, transparente Formate mit klaren Zuständigkeiten notwendig. Es sei wichtig mehr als punktuelle Konsultationen zwischen Politik und Zivilgesellschaft oder temporäre Bürgerforen einzurichten.

Zur Einbeziehung der organisierten Zivilgesellschaft sowie engagierter Bürger in die Forschung habe die Bundesregierung vereinzelte Formate geschaffen, die auf erfreulich große Resonanz gestoßen seien. So habe es für die "Kopernikus-Projekte für die Energiewende" oder die Förderung bürgerwissenschaftlicher Vorhaben (Citizen Science) eine überwältigende Anzahl vielversprechender Anträge gegeben, von denen letztendlich aber nur ein Bruchteil gefördert worden sei. Solche transdisziplinären und bürgerwissenschaftlichen Programme gelte es nun gemeinsam mit Wissenschaft und Gesellschaft auszuwerten und weiterzuentwickeln. Anders als bisher müsse die Bundesregierung in Zukunft insbesondere durch verbindliche Qualitätsstandards "Scheinpartizipation" ausschließen und alle Partner gleichberechtigt miteinbeziehen.

Angesichts der Vielfalt der öffentlichen Forschungsförderung seien die Formen sinnvoller partizipativer Ansätze in Wissenschaft und Forschung je nach Disziplin und Ansatzpunkt jedoch sehr unterschiedlich. Auf Grundlage der bisherigen Erfahrung können Politik, Wissenschaft und Zivilgesellschaft im Dialog erfolgreiche Ansätze vertiefen und Neues entwickeln, sollten aber auch ehrlich anerkennen wo partizipative Elemente nicht sinnvoll seien. Die von manchen erwartete Entgrenzung der Wissenschaft gegenüber gesellschaftlichen Einflüssen oder gar die Aufgabe des wissenschaftlichen Prinzips der Wahrheitssuche seien weder das Ziel noch als Nebeneffekt größerer gesellschaftlicher Partizipation ernsthaft zu befürchten.