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Bekämpfung von Analphabetismus

Bildung, Forschung und Technikfolgenabschätzung/Antrag - 11.06.2015 (hib 300/2015)

Berlin: (hib/ROL) 7,5 Millionen Menschen in Deutschland können nicht richtig lesen oder schreiben und gelten als sogenannte funktionale Analphabeten. Das zeigt die Studie „leo. - Level-One“ im Auftrag des Bundesministeriums für Bildung und Forschung, die als erste Studie in Deutschland die Größenordnung des funktionalen Analphabetismus unter der erwerbsfähigen Bevölkerung zwischen 18 und 64 Jahren ermittelt hat. Die Fraktionen der CDU/CSU und SPD fordern in einem Antrag (18/5090) die Bundesregierung auf, eine „Nationale Dekade für Alphabetisierung“ auszurufen und das bisherige Bündnis zur Grundbildung mit weiteren gesellschaftlichen Akteuren als Allianz für Alphabetisierung und Grundbildung auszubauen.

Zudem sollen bisher gewonnene Forschungsergebnisse, Konzepte und Materialien in die Praxis überführt werden und die bewährten Instrumente des Förderprogramms zur arbeitsplatzorientierten Grundbildung des Bundesministeriums für Bildung und Forschung im Rahmen der Alphabetisierungs-Dekade weiter umgesetzt werden. Ferner soll die Alphabetisierung und Grundbildung im Bereich der beruflichen Bildung und Jugendbildung weiterentwickelt werden. Dazu gehört nach Ansicht der Fraktionen auch die Förderung von notwendigen Grundkompetenzen in den Bereichen Lesen, Schreiben, Mathematik sowie Informations- und Kommunikationstechnologien durch die Bundesagentur für Arbeit als eine Voraussetzung der dauerhaften Integration von Arbeitnehmern in den Arbeitsmarkt, die noch nicht über einen Berufsabschluss verfügen.

Wenn die Kompetenzen in Schrift und Sprache von Erwachsenen niedriger sind als die jeweiligen beruflichen und gesellschaftlichen Anforderungen, spricht man von funktionalem Analphabetismus. Die Betroffenen können zwar einzelne Wörter oder Sätze lesen und schreiben, nicht jedoch zusammenhängende Texte wie zum Beispiel Arbeitsanweisungen, Behördenbriefe, Zeitungen oder Bücher. In Deutschland betrifft dies 14 Prozent der erwerbsfähigen Bevölkerung. Die „leo.“-Studie zeigt, dass Menschen ohne Schulabschluss, in prekärer Beschäftigung und mit einem Alter von mehr als 50 Jahren zu den besonders gefährdeten Risikogruppen gehören. Insgesamt sind rund 57 Prozent der funktionalen Analphabeten berufstätig, häufig als un- oder angelernte Arbeitskräfte. Deutsch ist bei 58 Prozent der Betroffenen die Muttersprache und mehr als 80 Prozent haben einen Schulabschluss. Wie die Zahlen deutlich zeigen, durchdringt der funktionale Analphabetismus die gesamte Gesellschaft.

Analphabetismus im engeren Sinne betrifft mehr als vier Prozent, das sind circa 2,3 Millionen Menschen der erwerbsfähigen Bevölkerung in Deutschland. Personen können zwar einzelne Wörter lesen, verstehen und schreiben, nicht jedoch ganze Sätze. Gebräuchliche Wörter müssen Buchstabe für Buchstabe zusammengesetzt werden. 300.000 Menschen können nicht einmal ihren Namen richtig schreiben.

Weitere 25 Prozent der erwerbsfähigen Bevölkerung schreiben fehlerhaft. Das bedeutet, dass die Kompetenzen im Bereich Lesen und Schreiben, die bis zum Ende der Grundschule unterrichtet werden, von circa 13 Millionen Menschen nicht richtig beherrscht werden.