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Presse

21. Juni 2017

Bilder-Zyklus „Birkenau“ von Gerhard Richter im Reichstagsgebäude

Der Bilderzyklus „Birkenau“ von Gerhard Richter wird ab Anfang September in der Westeingangshalle des Reichstagsgebäudes zu sehen sein. Diesem Vorschlag von Bundestagspräsident Norbert Lammert hat der Kunstbeirat des Deutschen Bundestages gestern in seiner Sitzung zugestimmt.

Der vierteilige Zyklus „Birkenau“ aus dem Jahre 2014 ist eine der bedeutendsten Werkgruppen von Gerhard Richter. Ausgehend von Fotografien, die im Jahre 1944 im Vernichtungslager Birkenau heimlich aufgenommen wurden, hat er deren Motive als Vorlage übernommen, sie in mehreren Arbeitsgängen immer wieder übermalt und in eine für sein Werk charakteristische malerische Gestaltung transformiert. Anschließend wurden von den monumentalen Gemälden gleich große Fotografien angefertigt und im Diasec-Verfahren hinter Acrylglas versiegelt. Gerhard Richter stellt diese Fotografien dem Bundestag als Leihgabe zur Verfügung. Vorgesehen ist, dass sie am 4. September 2017 im Beisein des Künstlers an den Bundestag übergeben werden.

Der Künstler war schon im Jahre 1997 vom Kunstbeirat eingeladen worden, für das neu zu eröffnende Reichstagsgebäude in der Westeingangshalle ein Werk zu gestalten. Bereits damals hatte Gerhard Richter erwogen, Bildmotive aus Auschwitz zu verwenden, jedoch ein solch isoliertes Statement verworfen. Stattdessen gestaltete er eine abstrakt schwarz-rot-goldene Farbkomposition, die seitdem die nördliche Wand der Eingangshalle zum Parlament bestimmt. Nunmehr erinnern auf der gegenüberliegenden Wand Bilder aus Birkenau, verfremdet im Prozess der Übermalung, an die Barbarei des Holocaust. So wird in der Halle ein gedanklicher Spannungsbogen aufgebaut und die historische Dimension deutschen Selbstverständnisses zur Anschauung gebracht.

Auch formal eröffnen die „Birkenau“-Bilder einen Dialog: Dadurch, dass sie hinter Acrylglas versiegelt sind, nehmen sie die Glasflächen der Installation „Schwarz Rot Gold“ auf und gestalten in ihrer raumgreifenden Größe die monumentale Halle. Die ursprünglich dort installierten Leuchtkästen von Sigmar Polke bedürfen der Restaurierung, so dass eine neue Gestaltung für die Südwand gefunden werden musste.