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Dass sie einmal in einem ausrangierten Wasserwerk im Bonner Parlamentsviertel tagen würden, hätten sich viele Parlamentarier Mitte der achtziger Jahre wohl nicht träumen lassen. Doch da der alte Bonner Plenarsaal saniert werden musste, wurde dringend ein Ausweichquartier benötigt. Es sollte ein geschichtsträchtiges Provisorium werden: Hier wurden die Wiedervereinigung und der Umzug von Parlament und Regierung nach Berlin beschlossen.

Der Korrespondent der „Westdeutschen Allgemeinen“ geriet geradezu ins Schwärmen: „Der Raum ist hell und licht, die Rundbogen- und Rosettenfenster geben der Stätte eine leicht sakrale Atmosphäre. Dabei ist der Charakter des Industriegebäudes erhalten geblieben, wie zum Beispiel die Metallstreben von Wand zu Wand und der Kranwagen unter der Decke zeigen“, schilderte er anlässlich der ersten Sitzung des Bundestages im Alten Wasserwerk am 9. September 1986 seinen Eindruck vom neuen Domizil des Parlaments.

Pumpenhaus als Ausweichplenarsaal

Der Umzug der Abgeordneten in den neugotischen Bau war nötig geworden, weil am eigentlichen Plenarsaal , 1949 in sechsmonatiger Bauzeit errichtet, der Zahn der Zeit nagte. Angesichts des schlechten Bauzustands des alten Plenarsaals und der Entscheidung des Ältestenrates, diesen zu sanieren, musste für eine Übergangszeit ein Ausweichplenarsaal gefunden werden.

Die Wahl fiel auf das Pumpenhaus eines Wasserwerks, das im Regierungsviertel stand. Bis 1987 sollte der sanierte Plenarsaal wieder zur Verfügung stehen, so die Planungen. Der marode Zustand des alten Plenarsaals und die zu erwartenden hohen Sanierungskosten führten allerdings später zu einem Umdenken: Abriss und Neubau. Für das direkt am Rhein gelegene Wasserwerk als provisorischer Plenarsaal sprach vor allem dessen räumliche Nähe zum Abgeordnetenhaus „Langer Eugen“.

Jenninger: Wir müssen zusammenrücken

Ein gewisses Manko waren allerdings die beengten Verhältnisse in dem 1875 errichteten Gebäude, das unter Leitung des Architekten Eberhard Schultz in der parlamentarischen Sommerpause des Jahres 1986 zum Ersatzplenarsaal umfunktioniert worden war.

In seiner Eröffnungsrede bat Bundestagspräsident Dr. Philipp Jenninger seine Abgeordnetenkollegen daher um Verständnis, „dass wir alle etwas zusammenrücken müssen; denn uns steht in diesem Raum weniger als die Hälfte der bisherigen Plenarsaalfläche zur Verfügung“.

Das Positive der räumlichen Enge

Gleichwohl gewann der CDU-Politiker den neuen Gegebenheiten auch etwas Positives ab. „Vielleicht hat die räumliche Enge sogar ihr Gutes, indem sie unseren gemeinsamen Wunsch fördert, die Debatten lebendiger zu führen. Ich könnte mir zum Beispiel vorstellen, dass in Zukunft häufiger von der Möglichkeit Gebrauch gemacht wird, vom Platz aus zu sprechen“, so Jenninger.

Und der stellvertretende SPD-Fraktionsvorsitzende Dr. Willfried Penner hoffte gar, dass „die neue Nähe das Trennende“ zwischen den Fraktionen zurücktreten lasse möge.

Schauplatz historischer Beschlüsse

In gewisser Weise sollten sich beider Hoffnungen erfüllen. Denn an leidenschaftlichen Debatten über die Fraktionsgrenzen hinweg herrschte in den sechs Jahren, in denen das Alte Wasserwerk als provisorischer Plenarsaal diente, kein Mangel.

Die beiden wohl bekanntesten sind die rund achtstündige Kontroverse am 20. September 1990 über den Einigungsvertrag zwischen der Bundesrepublik und der DDR, der am Ende mit überwältigender Mehrheit angenommen wurde, und die fast zwölf Stunden dauernde Berlin-Bonn-Debatte am 20. Juni 1991, in der es um die Frage ging, ob die Hauptstadt des wiedervereinigten Deutschlands auch Sitz von Bundestag und Regierung werden sollte.

Umzug in den Behnisch-Bau

Das Raumproblem im Wasserwerk war zu diesem Zeitpunkt noch sehr viel drängender geworden. Denn seit der Wiedervereinigung mussten auch die Abgeordneten aus den neuen Bundesländern in ihm Platz finden. Daher war die Erleichterung groß, als ein Jahr später der neue Plenarsaal in Bonn „bezugsfertig“ war.

Der „Behnisch-Bau“, viel gelobt für seine Transparenz und Offenheit, sollte den Bundestag dann jedoch nur noch bis zu dessen Umzug nach Berlin im Sommer 1999 beherbergen.

Vom Bundestag zu den Vereinten Nationen

Verwaist sind die parlamentarischen Schauplätze der „Bonner Republik“ durch den Exodus von Parlament und Regierung aber nicht. Heute werden die ehemaligen Bundestagsbauten von den zahlreichen Unterorganisationen der Vereinten Nationen (UN) genutzt, die sich in den vergangenen Jahren in Bonn niedergelassen haben.

Auch das Wasserwerk, das seit vielen Jahren als Veranstaltungsort für Kongresse, Tagungen und Musikveranstaltungen dient, soll künftig zum so genannten UN-Campus gehören. Als Teil des „Wegs der Demokratie“ steht das denkmalgeschützte Gebäude, in dem von 1986 bis 1992 viele bedeutende Beschlüsse der jüngsten deutschen Geschichte gefasst wurden, zudem allen interessierten Bürgerinnen und Bürgern zur Besichtigung offen. (nal)

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