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Deutscher Bundestag - Archiv

Zu wenig Kapital für Gründer

Wirtschaft und Energie/Anhörung - 22.03.2017 (hib 181/2017)

Berlin: (hib/HLE) Für Gründer und junge aufstrebende Unternehmen steht in Deutschland zu wenig Wagniskapital zur Verfügung. Darauf wies Reinhilde Spatschek, Partnerin der SHS Gesellschaft für Beteiligungsmanagement in Tübingen, in einer öffentlichen Anhörung des Ausschusses für Wirtschaft und Energie am Mittwoch hin. Laut Spatscheck beträgt der Anteil des investierten Wagniskapitals am deutschen Bruttoinlandsprodukt etwa 0,02 Prozent. In Großbritannien seien es bereits 0,03 Prozent des Bruttoinlandsprodukts, „und in ganz anderen Dimensionen bewegen sich die USA mit 0,3 und Israel mit fast 0,4 Prozent“. In den USA würden 60 Milliarden Euro in Wagniskapital investiert, in Deutschland 800 Millionen. Um auf ein Verhältnis wie in Amerika zu kommen, wären in Deutschland zehn Milliarden Euro Wagniskapital erforderlich.

Die KfW Bankengruppe will ihr Engagement im Bereich Wagniskapital ausbauen. Allerdings bestehen Probleme wegen der Behandlung der ERP-Förderrücklage als Eigenkapital. Daher hat das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie einen Antrag (18/10825) vorgelegt, um die Zustimmung des Bundestages zum „Anpassungsvertrag ERP-Förderrücklage“ einzuholen. Diese ERP-Förderrücklage soll künftig der KfW zum Ausgleich etwaiger Verluste „wie die übrigen Eigenkapitalbestandteile“ zur Verfügung stehen. Nach Angaben der Regierung hatte die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) die Kapitalbestandteile der KfW geprüft und sei zu dem Ergebnis gekommen, „dass die ERP-Förderrücklage nicht den aufsichtsrechtlichen Anforderungen an hartes Kernkapital genügt“. Mit den Änderungen soll sichergestellt werden, dass die ERP-Förderrücklage der KfW weiterhin als hartes Kernkapital zur Verfügung steht.

Die Förderrücklage mache drei Prozent der KfW-Kapitalquote aus. Und ohne die beantragten Änderungen würde die ausgewiesene Kapitalquote bereits zum Bilanzstichtag am 31. Dezember 2016 sinken, was aufsichtsrechtlich und für den Kapitalmarktauftritt der KfW von Belang sei, erläuterte Günther Bräunig, Vorstand der KfW Bankengruppe. Er kündigte an, dass die KfW das Engagement im Bereich der Wagniskapital- und Beteiligungsfinanzierung verstärken wolle. Es könne zu einer Verdoppelung der jährlichen Beteiligungsfinanzierung von derzeit 100 Millionen Euro innerhalb der nächsten drei Jahre kommen. Es bestehe nach wie vor ein deutlicher Bedarf an Förderung, sagte Bräunig.

Spatscheck sprach sich für eine öffentliche Beteiligungsgesellschaft aus. Denn die immer stärkere Bankenregulierung schränke die KfW ein. Dadurch sei sie für das Wagniskapitalgeschäft weitgehend handlungsunfähig geworden. Christian Schatz vom Bundesverband Deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften (BVK) kann sich eine eigenständige Beteiligungsgesellschaft außerhalb der KfW vorstellen. So eine Gesellschaft wäre „von Bankprozessen entlastet und könnte marktbezogene Investitionsentscheidungen treffen“. Auch Schatz erklärte, gemessen am Bedarf und an der Wirtschaftskraft stehe zu wenig Venture Capital in Deutschland zur Verfügung. Markus Schillo (European Investment Fund) bezeichnete unternehmerisches Denken in der Wagnis- und Beteiligungsfinanzierung als besonders wichtig. Es sollten mehr eigenständige Fonds aufgebaut werden, und mehr privates Kapital müsse investiert werden.

Milos Stefanovic von der Bürgschaftsbank Brandenburg erklärte, in seinem Bundesland gebe es zwei Anbieter für Wagniskapital. Die Mittel würden aber nicht reichen, um eine nachhaltige Wachstumsschiene zu organisieren. Matthias von Bismarck-Osten (Investitionsbank Berlin) begrüßte die Absicht, die ERP-Mittel stärker für die Wagnisfinanzierung einzusetzen. Dafür sollte mit den regionalen Förderern stärker zusammengearbeitet werden. Sören Schuster (Technologiegründerfonds Sachsen) bezeichnet die Aktivierung privaten Kapitals als wichtig: „Das ist der Flaschenhals, durch den wir müssen.“