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Deutscher Bundestag - Archiv

Artikel

„Für Ägypten ist der Tourismus überlebenswichtig“

Marlene Mortler (CDU/CSU)

© DBT/Fischer

Am Mittwoch, 7. März 2012, hat die Internationale Tourismus-Börse (ITB), die weltgrößte Reisemesse, ihre Pforten geöffnet. Das Thema Tourismus und Menschenrechte spielt dabei eine ganz wichtige Rolle spiele, sagt Marlene Mortler, tourismuspolitische Sprecherin der Unionsfraktion und ehemalige Vorsitzende des Tourismusausschusses des Bundestages. Sie wünscht sich, dass sich die Reisenden stärker mit Land und Leuten beschäftigen. Kritisch sieht sie die derzeitige Situation in Ägypten und rät Urlaubern, die Reisehinweise des Auswärtigen Amtes zu beachten. Positiv bewertet Marlene Mortler die Bemühungen hin zu einem barrierefreien Tourismus in Deutschland. Eines der nächsten Ziele hier sei die Schaffung einer gemeinsamen Internet-Plattform, durch die sich behinderte Menschen über barrierefreie Reise- und Urlaubsmöglichkeiten informieren können, sagt die Abgeordnete aus dem mittelfränkischen Wahlkreis Roth im Interview:


Frau Mortler, am 7. März beginnt in Berlin die ITB. Was macht für Sie den Reiz dieser Messe aus?

Es ist eben die Leitmesse. Dort werden jedes Jahr neue Schwerpunkte gesetzt. Und wir als Tourismuspolitiker haben dazu beigetragen, dass ganz bestimmte Themen wie etwa Menschenrechte und Tourismus sowie die Frage der unternehmerischen Gesellschaftsverantwortung in diesem Jahr eine ganz wichtige Rolle spielen. Hier haben wir vieles angestoßen und bewegt.

Das Thema Menschenrechte und Tourismus hat also vor fünf oder sechs Jahren noch keine Rolle gespielt?

Das will ich so nicht sagen. Der Studienkreis Tourismus setzt sich beispielsweise seit Jahren mit der Problematik auseinander und hat sogenannte Sympathiemagazine entwickelt, die eine Auflage von über sieben Millionen Stück haben. Dennoch muss diese Frage noch stärker thematisiert werden. Ich habe den Eindruck, dass es den Menschen oft einfach nur um Wasser, Sonne und Strand geht. Mit Land und Leuten wird sich eher weniger beschäftigt.

Nimmt das Magazin eine Art Ranking vor: In dieses Land kann man reisen, in jenes eher nicht?

Nein. Es geht eher darum, dass ich als Reisender dadurch erfahre, worauf ich mich einlasse und was ich beachten muss. Wir wollen ja, dass auch Entwicklungsländer bereist werden. Für Ägypten - das Partnerland der diesjährigen ITB - ist der Tourismus überlebenswichtig. Auf der anderen Seite haben wir dort die Entwicklung rund um das aus unserer Sicht befremdliche Verfahren gegen die Mitarbeiter der Konrad-Adenauer Stiftung und weiterer Nichtregierungsorganisationen erlebt, das die Beziehungen zwischen unseren Ländern belastet.

Darüber können Sie ja auch im Verlauf der Messe mit den Vertretern Ägyptens besprechen, die ja sicher andere sein werden als noch vor zwei Jahren...

Ja, und es beschäftigt mich ebenso, dass in Ägypten nun auch islamische Fundamentalisten verstärkt Gehör finden.

Aus dieser Richtung kam auch die Forderung, dass Urlauber sich stärker den islamischen Gepflogenheiten anzupassen hätten. Soll heißen: nicht zu leicht bekleidet durch die Gegend laufen und nicht exzessiv Alkohol trinken. Ein gefährlicher Trend oder eine positive Entwicklung?

Die Urlauber reagieren zunächst einmal skeptisch. Es kann aber auch eine Chance sein, das Land anders zu sehen. Letztendlich muss der Urlauber entscheiden, ob er sich darauf einlassen will. Bei Ägypten stellt sich aber schon die Frage: Wie kriegen die ihr Land wieder in den Griff? Ich appelliere an alle Urlauber vor dem Hintergrund der unübersichtlichen Sicherheitslage in Teilen des Landes die aktuellen Reisehinweise des Auswärtigen Amtes zu beachten. Bisher sind die wichtigen Zielorte der Touristen am Roten Meer nicht von Unruhen betroffen.

Ein weiteres Lieblingsreiseland der Deutschen ist Griechenland, das ebenfalls nicht aus den Negativschlagzeilen heraus kommt und ebenfalls sehr stark auf die Einnahmen aus dem Tourismus angewiesen ist. Wie ist hier die Situation?

Ich habe den Eindruck, dass viele Griechen mit Führungsverantwortung noch zu sehr zögern, die wahren Probleme anzugehen und selbst schnell für Verbesserungen einzutreten. Das hat sich auch bei der unlängst stattgefundenen Diskussion des deutsch-griechischen Tourismusforums gezeigt. Der Deutsche Reise-Verband hat schon vor einem Jahr darauf hingewiesen, dass speziell beim Preis-Leistungsverhältnis etwas geändert werden muss.

Was ist mit der aufkommenden antideutschen Stimmung in Griechenland? Könnte das eine Gefahr für Reisende darstellen?

In den Urlaubsregionen kann ich mir das nicht vorstellen.

Kommen wir zu einem boomenden Bereich: Die Zahl der Kreuzfahrttouristen ist in den letzten Jahren deutlich nach oben gegangen. Was früher nur für Gutbetuchte möglich war, scheint jetzt für jeden erschwinglich. Die Unfälle der letzten Zeit werfen aber doch die Frage auf, ob die gesunkenen Preise mit einem Verlust an Sicherheit erkauft sind?

Es ist schon so, dass die Öffnung der Kreuzschifffahrt für die breite Bevölkerung mit einem erheblichen Anstieg der Passagiere auf den Schiffen verbunden ist. Die Veranstalter machen ihr Geld über die Masse. Auch bei besten Sicherheitsvorkehrungen ist es eben schwieriger, im Falle eines Unfalls 4.000 Menschen zu evakuieren als 800.

Könnte der Gesetzgeber da nicht Beschränkungen festlegen?

Das müssen wir prüfen. Es ist aber schwierig Regelungen zu erlassen, wenn die Schiffseigner nicht in Deutschland und teils nicht einmal in Europa ansässig sind. Dennoch können wir sensibilisieren und ein Bewusstsein für die Problematik schaffen. Am Ende entscheidet aber der Kunde, ob er ein solches Risiko eingehen will.

Bleiben wir im Inland. Barrierefreiheit ist seit Jahren ein erklärtes Ziel der Tourismuspolitik. Auf welchen Stand befinden wir uns da im Jahr 2012 in Deutschland?

Das Thema beschäftigt mich persönlich sehr. Auch deshalb, weil mein Bruder körperlich behindert ist. Wir setzen auf gute Beispiele und fördern unter anderem ein Pilotprojekt mit dem Ziel einheitlicher Kriterien und einheitlicher Kennzeichnung in ganz Deutschland für Barrierefreiheit. Es soll auch eine gemeinsame Internet-Plattform geschaffen werden, durch die sich behinderte Menschen über barrierefreie Reise- und Urlaubsmöglichkeiten informieren können. Wir wollen durch die gesamte Servicekette einfach und logische Kennzeichnungen haben.

Eine der umstrittensten Maßnahmen der schwarz-gelben Koalition gleich zu Beginn der Legislaturperiode war die Senkung des Mehrwertsteuersatzes für Hotelbetriebe. Hat die Branche denn zweieinhalb Jahre später betrachtet, die damals angekündigten Investitionen tatsächlich durchgeführt?

Es wurden über 900 Millionen Euro in Neu- und Umbauten sowie in Weiterbildung des Personals und auch in dessen Entlohnung investiert. Aus meiner Sicht war die Senkung richtig. Ich stehe nach wie vor zu der Entscheidung. (hau)

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