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Deutscher Bundestag - Archiv

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Seine Vorfahren sprachen Pennsylvania-Deutsch

Bryce Lednar

Bryce Lednar

© DBT/photothek

Bryce Lednar ist 22 Jahre alt, hat einen Bachelor in Volkswirtschaftslehre und Germanistik in der Tasche und schon mehrere Auslandsaufenthalte hinter sich. Als Überflieger sieht er sich dennoch nicht. „Bei uns in den USA geht man mit 14 oder 15 schon in die Highschool“, sagt er. Da sei es nicht ungewöhnlich, wenn man mit 21 einen Uniabschluss hat. Erworben hat er ihn am Bowdoin College von Brunswick im US-Bundesstaat Maine. Hier entstand auch die Idee, sich für das Internationale Parlaments-Stipendium (IPS) zu bewerben. „Einer meiner Professoren hat mir das Programm empfohlen, und ich fand den Gedanken gut, im Deutschen Bundestag zu arbeiten.“

Per Du mit der Abgeordneten Dagmar Freitag

Die Entscheidung darüber fiel schließlich im deutschen Konsulat in New York. „Ich habe während meiner Tätigkeit für eine Nichtregierungsorganisation in Kenia erfahren, dass ich eingeladen bin, und bin auch gleich hingeflogen.“ In New York traf er dann auf eine Delegation aus dem Deutschen Bundestag – angeführt von der SPD-Abgeordneten Dagmar Freitag.

Zufall oder nicht: Sein IPS-Praktikum absolviert Bryce Lednar jetzt auch im Büro der Sportausschussvorsitzenden. Ob und warum sie nun gerade ihn ausgewählt hat, ist dem 22-Jährigen noch nicht ganz klar. Dass die auch im Auswärtigen Ausschuss engagierte Parlamentarierin sich besonders für transatlantischen Beziehungen interessiert, weiß er. „Wenn wir uns besser kennengelernt haben, werde ich Dagmar mal genau fragen“, kündigt er an. Zumindest duzt man sich schon – ganz Amerika-like sozusagen.

Vorfahren sprachen Pennsylvania-Deutsch

Neben dem Studienabschluss ist ja die Kenntnis der deutschen Sprache eine der Grundvoraussetzungen für die Teilnahme am IPS. Für Bryce Lednar kein Problem. Sein Interesse für die deutsche Sprache habe mit den Vorfahren seiner Mutter zu tun, sagt er. Diese hätten vor Jahrzehnten in einer deutschen Siedlung in Pennsylvania gelebt und sogenanntes Pennsylvania-Deutsch gesprochen. „Ich habe die Sprache dann an der Schule gelernt und an der Uni studiert“, erzählt er.

So richtig voran kam er beim Lernen während seines Auslandssemesters an der Universität Freiburg im Jahr 2010. „In der Zeit habe ich die Alltagssprache gelernt.“ Über Goethe und Schiller habe er schon vorher fehlerfrei dozieren können, sagt der studierte Germanist. „Ich kannte aber den Begriff Badewanne nicht und hatte keine Ahnung, was eine Spüle ist.“

Jobben bei Bauern im Schwarzwald

Wobei die Sprachlehre eigentlich nicht in Freiburg stattfand, denn: „Dort war ich mit deutschen und amerikanischen Freunden unterwegs, mit denen ich auch gelegentlich Englisch gesprochen habe.“ Anders als auf dem Bauernhof im Schwarzwald, auf dem er neben seinem Politikwissenschaftsstudium gearbeitet hat. Dort habe eben niemand Englisch gesprochen, was den Lerndruck erhöht habe, sagt der US-Amerikaner.

Unter den Schwarzwälder Bauern hat er dann noch das ein oder andere über den deutschen Lebensstil erfahren: Unter anderem, dass der Deutsche – zumindest der Schwarzwälder – gern deftig isst. Viel Fleisch wird zwar auch im heimischen Rochester im Bundesstaat New York gegessen, aber: „Auf dem Bauernhof habe ich das erste Mal Zunge gegessen“, erinnert sich. Lecker sei es gewesen, „wenn man nicht daran denkt, wo es herkommt“.

„Die Abgeordneten sind sehr fleißig“

Nach den dörflichen Erfahrungen nun die Hauptstadt Berlin. Wie findet er die deutsche Metropole? „Die Stadt hat eine faszinierende Geschichte und ein großes Kulturangebot“, sagt Bryce Lednar. Doch sein Hauptaugenmerk gilt der parlamentarischen Arbeit im Bundestag, die er kennenlernen möchte. Sein Eindruck nach den ersten paar Wochen ist ein positiver: „Die Abgeordneten sind sehr fleißig, zumindest Dagmar Freitag“, lobt er seine Chefin. Neben der Leitung des Sportausschusses und der Arbeit im Auswärtigen Ausschuss stünden ja auch noch Termine im Wahlkreis an, wo zurzeit auch noch Wahlkampf herrscht.

Viel Arbeit für die Abgeordnete heißt auch gut zu tun für die Praktikanten, oder? Ja, sagt er. „Ich habe ausreichend Aufgaben.“ Zuletzt stand ein Termin mit dem US-Botschafter an. Praktikant Lednar sollte dafür die wichtigsten aktuellen Wirtschaftsdaten aufbereiten. „Das passte gut: Schließlich habe ich Wirtschaftswissenschaften studiert.“

Vergleiche Deutschland - USA

Die meiste Zeit verbringt er derzeit aber in Ausschüssen und Arbeitsgruppen. Dabei ist ihm auch ein wesentlicher Unterschied zur Arbeit des US-Kongresses aufgefallen: „Im Bundestag liegt der Fokus auf der Arbeit in den Ausschüssen.“ Und noch etwas ist anders als in seinem Heimatland. „Dadurch, dass die Regierung nicht nur aus einer Partei besteht, muss die Regierungskoalition zusammenarbeiten, wenn sie einen Gesetzentwurf durchbekommen möchte. In den USA sei das anders. “Wer da die Mehrheit hat, setzt seine Meinung einfach durch.„

Wenn man schon bei einem Vergleich Deutschland – USA ist, stellte sich auch die Frage, wo der künftige Lebensmittelpunkt sein soll. “Ich würde gern erst mal in Deutschland bleiben„, sagt Bryce Lednar. Die Erklärung klingt logisch: Zum einen könne er hier weiter die Sprache lernen. “Außerdem kann ich hier vor Ort besser als aus den Vereinigten Staaten einen Studienplatz oder einen Job finden„, sagt er.

Wachsendes Interesse an Fußball

Und: “Zurück in die USA kann ich immer. Von dort wieder hierher zu kommen, ist schon schwieriger.„ Klingt ganz so, als ob der 22-Jährige noch ein Weilchen hier bleibt. Vielleicht wird er sich dann auch mehr als bisher für Fußball, den Volkssport Nummer eins der Deutschen, interessieren, was ja für einen Mitarbeiter im Büro der Sportausschussvorsitzenden durchaus angezeigt wäre...

Bei den anstehenden Europameisterschaften will er sich auf jeden Fall das ein oder andere Spiel ansehen, kündigt er an. Erfahrungen mit solchen Großereignissen hat er schließlich schon gemacht: “Während der Weltmeisterschaft 2010 war ich ja in Freiburg und habe erlebt, wie die Deutschen Fußball feiern.„ (hau)

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