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Deutscher Bundestag - Archiv

Artikel

„Über Erfolge und Misserfolge wird zu reden sein“

v.l.n.r.: Dr. Karl Quade (Chef de Mission der deutschen paralympischen Mannschaft), Dagmar Freitag, Bundespräsident Joachim Gauck und Friedhelm Julius Beucher (Präsident des Deutschen Behindertensportverbandes)

© Andreas Joneck

Der Sportausschuss wird sich rückblickend mit den Olympischen Spielen und mit dem Umgang des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) und des Bundesinnenministeriums mit den Zielvereinbarungen befassen. Diese seien erst auf richterliche Anweisung und dann auch nicht vollständig veröffentlicht worden, sagt die Ausschussvorsitzende Dagmar Freitag (SPD) im Interview nach ihrer Rückkehr von den Paralympischen Spielen in London, die am Sonntag, 9. September 2012, zu Ende gehen. Die Abgeordnete würde es begrüßen, wenn die Stiftung Deutsche Sporthilfe künftig sowohl für behinderte wie für nichtbehinderte Sportler statt Medaillenprämien eine höhere monatliche Förderung über den Vier-Jahres-Zyklus hinweg finanzieren würde. Das Interview im Wortlaut:


Frau Freitag, Sie waren gemeinsam mit dem Bundespräsidenten bei den Paralympics in London unterwegs. Interessiert sich Joachim Gauck für Sport?

Der Bundespräsident zeigt ein hohes Interesse am Sport, das gilt auch für die Paralympics. Schon während des Hinfluges haben wir uns über bestimmte Problemstellungen im Zusammenhang mit den Paralympics — wie etwa den Prämienzahlungen durch die Deutsche Sporthilfe — unterhalten. Er hat da sehr konkret nachgefragt, was mich durchaus beeindruckt hat. Und auch bei seiner Rede vor den Athleten im Deutschen Haus hat der Bundespräsident absolut den richtigen Ton getroffen. Das ist mir von vielen Teilnehmern im Anschluss bestätigt worden.

Beeindruckt von der guten Stimmung und der hervorragenden Organisation waren Teilnehmer und Besucher der Olympischen Spiele wenige Wochen zuvor. Wie war es bei den Paralympics?

Ebenso beeindruckend. Für mich war es der erste Besuch bei Paralympischen Spielen, und ich hätte es zugegebenermaßen nicht für möglich gehalten, dass auch hier die Stadien und Hallen täglich voll von begeisterungsfähigen Zuschauern sind. Sowohl zur Eröffnungsfeier als auch zu den Leichtathletikwettkämpfen war das Olympiastadion mit 80.000 Menschen besetzt. Im Velodrom, wo wir beim Bahnradsport zugesehen haben, war ebenfalls kein Sitzplatz frei. Aus meiner Sicht könnten es die besten Paralympic Games, die es je gegeben hat, werden.

Nach Meinung vieler Experten auch deshalb, weil die Organisation der Olympischen Spiele und der Paralympics in einer Hand war. Auf diese Idee hätten doch die vorherigen Veranstalter auch kommen können...

Im Grunde schon, doch bedeutet das eine erhebliche zusätzliche Belastung. Es ist damit aber auch der Erfolg vom Organisationschef Sebastian Coe, den ich persönlich von vielen Leichtathletik-Events kenne. Was er geleistet hat, ist absolut vorbildlich. Daran werden sich zukünftige Organisatoren messen lassen müssen.

Bei aller Begeisterung rund um die Paralympics gibt es aber nach wie vor Streit um die Prämienzahlungen. Die Medaillengewinner erhalten nur rund die Hälfte der Summe, die die Medaillengewinner der Olympischen Spiele erhalten. Muss sich da etwas ändern?

Die Prämien werden von der Stiftung Deutsche Sporthilfe ausgezahlt, die auch über die Höhe entscheidet. Wie zu hören war, ist wohl eine grundsätzliche Änderung geplant. Und zwar für behinderte und nichtbehinderte Sportler gleichermaßen. So soll es statt Medaillenprämien zukünftig eine höhere monatliche Förderung über den Vier-Jahres-Zyklus hinweg geben. Persönlich würde ich ein solches Vorhaben begrüßen.

Verabschiedet man sich nicht aber vom Leistungsgedanken, wenn die Prämien nicht mehr erfolgsabhängig sind?

Nein, das sehe ich nicht so. Schon heute fördert die Sporthilfe die Athleten ihrem Kaderstatus entsprechend, etwa ob sie zum Top-Team gehören und man ihnen zutraut, in vier Jahren bei den Spielen eine gute Rolle zu spielen. Ich denke, die Sporthilfe wird hier eine zukunftsfähige Lösung finden, ohne dass die Politik Ratschläge geben muss.

Wenn die Wettkämpfe vorbei sind kommt die Zeit der Aufarbeitung. Der Sportausschuss will damit schon in seiner nächsten Sitzung am 26. September beginnen. Worum soll es konkret gehen?

Es wird eine Rückschau auf die Olympischen Spiele geben. Dabei wird über Erfolge und Misserfolge zu reden sein, aber ganz sicher auch über den Umgang von DOSB und Innenministerium mit den Zielvereinbarungen, die erst auf richterliche Anweisung und dann auch nicht vollständig veröffentlicht wurden.

Wird auch der Fall der Ruderin Nadja Drygalla eine Rolle spielen?

Ja, auch wenn ich von einem „Fall Drygalla“ eigentlich nicht reden möchte. Es geht eher um die Kommunikationsstrukturen innerhalb des deutschen Sports. Nadja Drygalla ist zu einem Synonym für eine konfuse Informationspolitik im organisierten deutschen Sport geworden. Dieses Desaster hätte verhindert werden können, wenn die Verantwortlichen im Vorfeld anders gehandelt hätten. Das wäre sicher auch im Interesse der jungen Athletin gewesen. (hau/07.09.2012)

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