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Deutscher Bundestag - Archiv

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Landwirt aus Mittelfranken: Rainer Erdel

Rainer Erdel (FDP)

Rainer Erdel (FDP)

© Büro Erdel

Die Landwirtschaft ist sein Beruf, die Bundeswehr ist ihm Herzensangelegenheit, die Politik seine Berufung und Freiheit und Demokratie seine Lebensmaxime. Rainer Erdel engagiert sich seit mehr als 30 Jahren politisch in Mittelfranken. Seit dem Jahr 1984 ist er in der Kommunalpolitik aktiv, kandidierte für den Bayerischen Landtag. Seit 2009 ist der Mittelfranke einer von 93 Abgeordneten der FDP-Bundestagsfraktion. Als er am 27. September 2009 vor dem Wahllokal seiner Heimatgemeinde gefragt wurde, was für ein Gefühl er denn hätte, ob die Stimmen ausreichen würden für ein FDP-Mandat im Bundestag, antwortete Rainer Erdel selbstbewusst: „Ich habe ein sehr positives Gefühl, ab morgen in Berlin zu sein.“

„Freiheit ist das höchste Gut für mich“

Das Gefühl hatte den verheirateten Vater von drei erwachsenen Kindern nicht getäuscht. Rainer Erdel holte bei seiner ersten Bundestagskandidatur beachtliche 10,2 Prozent der Erststimmen in seinem Wahlkreis Ansbach und zog über die FDP-Landesliste Bayern in den Deutschen Bundestag ein. Im höchsten deutschen Parlament ist der Landwirtschaftsmeister einer von drei Milchbauern und vertritt im Ausschuss für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz die Interessen der Landwirte mit viel Herzblut und Engagement.

Rainer Erdel ist seit frühester Jungend ein freiheitsliebender und liberal denkender Mensch. Wie sehr ihm Freiheit und Selbstbestimmung Herzenssache sind, erfuhr er bereits als Schüler. Er erzählt: „Die Abschlussfahrt nach der Mittleren Reife führte meine Schulklasse 1971 nach Berlin. Wir mussten durch die ehemalige DDR reisen. An der innerdeutschen Grenze kamen am Grenzübergang Probstzella bewaffnete Soldaten mit Hunden in den Zug, die uns kontrollierten. Das war ein einschneidendes Erlebnis, bei dem ich ein sehr beklemmendes Gefühl bekam. Als wir in Berlin an der Mauer standen, empfand ich es als noch deprimierender. Da wurde mir mit 16 Jahren klar, welches große Glück ich hatte, in Freiheit leben zu können. Vielleicht wurde damals der Grundstein dafür gelegt, dass Freiheit bis heute das höchste Gut für mich ist.“

Ausbildung zum Landwirt 

Nach der Schule absolvierte Rainer Erdel an der Landwirtschaftlichen Berufsschule Ansbach eine Ausbildung zum Landwirt und schloss diese 1975 mit dem Titel staatlich geprüfter Wirtschafter für Landbau erfolgreich ab. Der junge Landwirt sollte später einmal den hundert Hektar großen Familienbetrieb übernehmen, den sein Vater erfolgreich führte und den der Sohn in Familientradition weiterführen sollte.

Nach der Ausbildung wurde der junge Landwirt aber erst einmal zum Wehrdienst eingezogen und verpflichtete sich gleichzeitig als Zeitsoldat. Warum, erklärt der Abgeordnete heute so: „Mir waren die Erlebnis an der innerdeutschen Grenze nie ganz aus dem Sinn gegangen, deshalb wollte ich dazu beitragen, dass die Freiheit, in der ich sehr privilegiert lebte, unbedingt erhalten bleibt und geschützt wird.“ Rainer Erdel besuchte einen Unteroffizierslehrgang in Ulm, später einen Offizierslehrgang in Bremen und beendete seine Bundeswehrzeit 1977 als Oberfähnrich der Reserve.

Mit 28 Jahren Kandidatur für den Gemeinderat 

Nach der Zeit bei der Bundeswehr drückte Rainer Erdel noch einmal die Schulbank und legte die Prüfung zum Landwirtschaftsmeister ab – eine Voraussetzung, um den großen landwirtschaftlichen Familienbetrieb erfolgreich führen zu können. Etwa zur gleichen Zeit begann der junge Landwirtschaftsmeister, sich politisch zu engagieren. Mit 28 Jahren kandidierte er 1983 erstmals und erfolgreich für den Gemeinderat. Und zwar ganz ohne Parteibuch, aber mit viel Engagement und mit neuen Ideen für die Landwirtschaft.

„In ländlichen Gemeinden kommt es eher darauf an, ob ein Politiker Sachverstand und fachliches Wissen mitbringt, ob ihm die Menschen vertrauen, ihn respektieren und ihm vor allem zutrauen, dass er ihre Interessen kompetent vertreten kann. Parteipolitik spielt dabei eher eine untergeordnete Rolle“, sagt der Abgeordnete.

Teilnahme an über 85 Wehrübungen 

In den folgenden 25 Jahren engagierte sich Rainer Erdel mit viel Zeit und Herzblut im Gemeinderat. Außerdem gründete er 1994 zusammen mit mehreren Kollegen das erste Biomasseheizwerk in Bayern und wird heute als mittelfränkischer Biomasse-Pionier bezeichnet. Mit dem Pilotprojekt betrat er damals Neuland, aber bis heute zeigt sich, dass diese Entscheidung richtig und zukunftsweisend war.

Sein Biomasseheizwerk schont die Umwelt, weil keine fossilen Brennstoffe verwendet werden und die Kohlendioxidbilanz sehr positiv ausfällt. Trotz der beruflichen Belastungen und des politischen Engagements im Gemeinderat nahm Rainer Erdel zwischen 1979 und 2009 als Reservist an mehr als 85 Wehrübungen der Bundeswehr teil. Er besuchte zahlreiche Lehrgänge und wurde in verschiedenen Verwendungen eingesetzt. Schließlich wurde er im Februar 2008 zum Oberst der Reserve befördert.

Vorbilder Walter Scheel und Hans-Dietrich Genscher 

Wenn man Rainer Erdel fragt, ob er als parteiloser Kommunalpolitiker und Zweiter Bürgermeister seiner Heimatgemeinde nie von einer Partei angesprochen wurde, antwortet er: „Es gab solche Anfragen zum Beispiel von der CSU. Aber ich bin ein liberaler Mensch, der über Grenzen hinaus denkt. Für mich waren die FDP-Außenminister Walter Scheel und Hans-Dietrich Genscher Persönlichkeiten, an denen ich mich orientieren konnte. Auch wenn ich viele Jahre keiner Partei angehörte, war ich doch seit meinem 18. Lebensjahr ein überzeugter FDP Wähler.“

Im Jahr 2008 kandidierte Rainer Erdel erstmals für den Kreistag und wurde, ohne einen wirklich intensiven Wahlkampf zu machen, fast zum Kreistagsabgeordneten gewählt. Im gleichen Jahr fanden in Bayern die Landtagswahlen statt, und Rainer Erdel wurde angesprochen, auch für den Landtag zu kandidieren. Bei der Landtagswahl erzielte der Dietenhofener ein sehr gutes Ergebnis und verpasste nur knapp den Einzug in den Bayerischen Landtag.

Bundestagskandidat im Wahlkreis Ansbach

Das Jahr 2008 ging für Rainer Erdel so turbulent weiter, wie es begonnen hatte. Im Herbst 2008 fanden die Nominierungen für die Bundestagswahl 2009 statt, und Rainer Erdel rückte erneut in den Fokus der FDP. Rückblickend sagt er: „Die Mitglieder meines Kreisverbandes sprachen mich an, ob ich mir ein Bundestagsmandat vorstellen könnte. Sie argumentierten, dass ein Vertreter der Landwirtschaft im Wahlkreis Ansbach ein Glücksgriff wäre. Ich als Landwirtschaftsmeister würde nicht nur selbst den Mittelstand vertreten, sondern die Sorgen und Nöte der Bauern aus eigener Erfahrung kennen. Deshalb sei ich wie kein anderer geeignet, die mittelfränkischen Landwirte für die FDP zu gewinnen“.

Für Rainer Erdel kam dieses Angebot überraschend. Ein Landwirt mit einem großen Betrieb muss den Zeitaufwand für ein Abgeordnetenmandat genau abwägen. Er besprach das Angebot der FDP mit seiner Familie. „Mein Sohn, der inzwischen 23 Jahre alt war und seine Ausbildung zum Landwirt bereits abgeschlossen hatte, sagte sofort, dass er Verantwortung für den Hof übernehmen würde und ich ruhig in die Politik gehen könnte. Dabei strahlte er übers ganze Gesicht. Ich erinnerte mich an meine Jugend, als ich den Familienbetrieb quasi ,über Nacht’ übernehmen musste. Ich war damals im gleichen Alter, und ich freute mich, dass mein Sohn in meine Fußstapfen treten wollte.“

Schützenvereine, Feuerwehr, Landwirte

Im Frühsommer 2009 begann der Bundestagswahlkampf. Rainer Erdel war in der heißen Phase im Juli und August 2009 fast täglich im Wahlkreis unterwegs. Er besuchte Schützenvereine und Feuerwehrfeste, diskutierte mit Landwirten und bekam viel positives Feedback. Am Wahltag war er sicher, diese Wahl zu gewinnen. „Am Wahlabend erwartete ich in Nürnberg die erste Hochrechnung und wusste sofort: Bei 14,6 Prozent Gesamtergebnis würde es für ein Mandat reichen.“

Am Montag gegen vier Uhr kam der Anruf des Wahlleiters. Rainer Erdel erfuhr offiziell, dass er in den Deutschen Bundestag gewählt war und um 12 Uhr im Reichstagsgebäude in Berlin erwartet wird. Er erinnert sich an diesen ersten Tag: „Ich kam als Kommunalpolitiker in eine komplett andere Welt und musste erst einmal realisieren, wie die politischen Abläufe im und um den Bundestag funktionieren. In den ersten Monaten musste ich auch meine eigene Meinung über Bundestagsabgeordnete gründlich revidieren. Es ist ein harter Job mit einem ernormen Arbeitspensum, der viel Sachverstand und Fachkenntnis erfordert. Aber wie in keiner anderen Arbeit kann man etwas für die Menschen erreichen, und das ist ein wirklich schönes Gefühl.“

Im Bundestag ist Rainer Erdel ordentliches Mitglied im Ausschuss für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz sowie im Verteidigungsausschuss. Im Herbst 2012 wurde er im Wahlkreis Ansbach erneut und ohne Gegenstimme zum Kandidaten für die Bundestagswahl 2013 gewählt. (bsl/26.03.2013)

 

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