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Asma aus Tunesien strebt einen Parlamentssitz an

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Asma Atigui nimmt am IPS-Programm für arabische Staaten des Bundestages teil.

© DBT/photothek

Cemile Giousouf ist Asma Atigui einen großen Schritt voraus. Die 36-Jährige Muslimin aus Aachen ist seit dieser Legislaturperiode Abgeordnete der Unionsfraktion im Deutschen Bundestag. Parlamentsabgeordnete will auch die Tunesierin Asma Atigui einmal werden. „Ja, es ist ganz klar mein Ziel, eines Tages im tunesischen Parlament zu sitzen“, macht die 24-Jährige deutlich. Als Teilnehmerin am Programm für arabische Staaten im Rahmen des Internationalen Parlamentsstipendiums (IPS) kann sie sich bis Ende September ein Bild von der Arbeit des deutschen Parlaments machen. Und sich bei ihrer „Patenabgeordneten“ Cemile Giousouf erkundigen, wie sie den Sprung in den Bundestag bewerkstelligt hat. Eine tolle Sache, findet die Tunesierin. „Was ich hier lerne, hilft mir bei meiner Arbeit und bei meinem politischen Engagement“, sagt sie.

An allererster Stelle steht bei Asma Atigui derzeit jedoch der Studienabschluss. Die Masterarbeit soll in Kürze fertig sein, dann möchte sie als Deutsch-Professorin an der Universität arbeiten. Und ihre politische Karriere vorantreiben. Die 24-Jährige ist Mitglied der Ennahda-Partei, seit Dezember 2013. „Die Partei ist volksnah und glaubwürdig“, führt sie als Gründe an für ihr Engagement bei der „gemäßigten islamischen Partei“, wie sie sagt.

Parlamentswahl am 26. Oktober

Die Ennahda-Partei stellt derzeit die Mehrheit in der verfassungsgebenden Versammlung Tunesiens. Und stellte auch bis Anfang des Jahres den Ministerpräsidenten, ehe die Regierung von Ali Larayedh zurücktrat und Platz für eine mit parteilosen Experten besetzte „Technokratenregierung“ machte.

Am 26. Oktober soll nun in Tunesien ein neues Parlament gewählt werden. Aus Sicht von Asma Atigui ein ganz wichtiges Ereignis für ihr Land. Schließlich wird es nach der Herrschaft von Diktator Ben Ali das erste frei gewählte Parlament sein. Dem Arabischen Frühling sei Dank. „Alle Tunesier müssen daran teilnehmen und für ihr Land etwas tun“, fordert sie. Gleichzeitig hofft sie auf ein gutes Abschneiden ihrer Partei.

"In Tunesien gibt es kaum Extremisten"

Stichwort Arabischer Frühling: Wann immer ein positives Beispiel gesucht wird, finden das die Experten mit Tunesien. Asma Atigui stimmt dieser Einschätzung zu. „Ja, wir sind erfolgreich, weil wir auf dem Weg zur Demokratie sind“, sagt sie. Zudem habe man eine eigene Verfassung verabschiedet. „Die Situation im Lande verbessert sich sozusagen Tag für Tag.“ Ein Grund dafür sieht sie in der Einigkeit aller politischen Gruppen in einer Frage: „Bei uns hat sich die Regierungspartei mit der Opposition geeinigt, dass bei allem Streite Tunesien an erster Stelle stehen muss.“

Bei allem Fortschritt in Richtung Demokratie war zuletzt von wirtschaftlichen Problemen und einem regen Zulauf der Menschen zu den Salafisten die Rede. Asma Atigui räumt ein, davon in den Nachrichten gehört zu haben. „Ich selbst habe aber nicht den Eindruck, dass das so ist. In Tunesien gibt es kaum Extremisten“, sagt sie.

"In Deutschland gibt es eine echte Demokratie"

Die 24-Jährige Germanistin hat seit Anfang September Gelegenheit gehabt, das politische System Deutschlands mit dem ihrer Heimat zu vergleichen. Ihr Fazit: „In Deutschland gibt es eine echte Demokratie. Ich hoffe, dass es so auch einmal in Tunesien sein wird.“ Um dazu als Politikerin und Parlamentsabgeordnete beitragen zu können, müsse sie in der Partei „gut und hart arbeiten“, sagt sie.

Eine Frau zu sein, ist ihrer Aussage für den Weg nach oben nicht unbedingt von Nachteil. Im Gegenteil: „Die Partei versucht, Frauen bei ihrer politischen Entwicklung zu unterstützen“, freut sich Asma Atigui. Am 26. Oktober wird ihr Name zwar noch nicht in den Kandidatenlisten zu finden sein. Ist die Wahl 2018 ein Ziel? „Das wird sich in den kommenden Jahren zeigen“, hält sie sich - politisch korrekt - bedeckt. (hau/22.09.2014)