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Technik kann viel, doch mindestens genauso wichtig ist die Frage nach den Folgen ihrer Anwendung. „Was kann man mit Technik leisten, was ist an welcher Stelle wirklich hilfreich?“, beschrieb Bundestagspräsident Prof. Dr. Norbert Lammert in seinen Eingangsworten zur Festveranstaltung „25 Jahre wissenschaftliche Politikberatung – Technikfolgenabschätzung beim Deutschen Bundestag“ das Aufgabenspektrum des Büros für Technikfolgenabschätzung beim Deutschen Bundestag (TAB), dessen Jubiläum am Mittwoch, 2. Dezember 2015, in der Halle des Berliner Paul-Löbe-Hauses in Berlin begangen wurde.

Analyse potenzieller Auswirkungen

Das TAB, das eine selbstständige wissenschaftliche Einrichtung ist und seit 1990 vom Institut für Technikfolgenabschätzung und Systemanalyse (ITAS) des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) betrieben wird, berät den Deutschen Bundestag und seine Ausschüsse in Fragen des wissenschaftlichen und technischen Wandels. Steuerungsgremium des TAB ist der Ausschuss für Bildung, Forschung und Technikfolgenabschätzung.

Ziel ist es, die Potenziale neuer wissenschaftlich-technischer Entwicklungen zu analysieren und die damit verbundenen Chancen auszuloten. Dabei sollen die potenziellen Auswirkungen vorausschauend und umfassend analysiert werden, um die Chancen der Techniknutzung ebenso wie Möglichkeiten zur Vermeidung oder Abmilderung ihrer Risiken aufzuzeigen.

„Denn sie wissen, was sie tun …“ 

Auf dieser Grundlage entwickelt das TAB Handlungs- und Gestaltungsoptionen für die Politik. Lammert betonte, dass der Bundestag den externen wissenschaftlichen Sachverstand dringend brauche, auch wenn es nie letzte Gewissheiten geben könnte.

Dieses Suchen und Forschen auf unbekanntem Terrain, die Frage nach dem Nutzen und der Nutzung der bisher vom TAB vorgelegten 200 Technikfolgenanalysen stand im Mittelpunkt der Podiumsdiskussion mit den Berichterstattern für Technikfolgenabschätzung Dr. Philipp Lengsfeld (CDU/CSU), René Röspel (SPD), Ralph Lenkert (Die Linke) und Harald Ebner (Bündnis/90 Die Grünen), zu der die Vorsitzende des Ausschusses für Bildung, Forschung und Technikfolgenabschätzung, Patricia Lips (CDU/CSU), mit dem Titel „Denn sie wissen, was sie tun …“ eingeleitet hatte.

Leistungssteigerung, Diagnostik, Therapie

Lengsfeld sagte, dass zur Findung von Themen alle Ausschüsse und Fraktionen angeschrieben würden, um dann in einem „Verdichtungsprozess“ zu entscheiden, welches Thema die Fraktionen beim TAB in Auftrag geben. Dabei gehe es, wie Ralph Lenkert betonte, um mehr Wissen und die Entwicklung von Zukunftsszenarien zu verschiedenen neuen Techniken. Harald Ebner fasste zusammen: „Wenn man startet, braucht man auch eine Landebahn.“ René Röspel betonte die Relevanz, diese Themen in die Öffentlichkeit zu tragen, da es sich fast immer um gesellschaftlich relevante Zukunftsthemen handle.

Dass die Einrichtung eines solchen Büros nicht vollkommen unüblich ist, konnte man schon an dem Grußwort von Jean-Yves Le Déaut, Präsident des Office parlementaire d’évaluation des choix scientifiques et technologiques (OPECST) der Assemblée nationale, dem Leiter des französischen Büros für Technikfolgenabschätzung, sehen, der die zweite zentrale Frage der Veranstaltung „Mensch-Maschine-Entgrenzungen“ zur Leistungssteigerung, Diagnostik und Therapie aufgriff.

Verschmelzung von Mensch und Maschine

Prof. Dr. Armin Grunwald, Leiter des TAB, beleuchtete, worum es bei der Verschmelzung von Mensch und Maschine in Zukunft insbesondere bei neurotechnologischen Entwicklungen gehen könnte. Er beschrieb eine Vision, bei der die Maschine in den Menschen einzieht, ihm quasi unter die Haut fährt. Und zwar nicht in Form von „primitiven“ Implantaten und Prothesen, sondern von Chips, die nicht nur helfen, durch Unfall oder Alter verlorene Defizite wieder auszugleichen, sondern ganz neue Funktionen zulassen und ermöglichen. Dahinter stehe die Frage, ob die technische Zivilisation die Weiterentwicklung unserer Spezies ermögliche. Oder ganz anders gefragt: Ist Technik intelligenter als Natur?

Ein anschauliches Beispiel bot die myoelektrische Armprothese, also eine Prothese, die in den Muskelzellen elektrische Spannung im Mikrovoltbereich erzeugt, die der Anwender Karl Heinz Ammon vorführte. Ammon, dem bei einem Unfall unterhalb des Schultergelenks der Arm abgequetscht worden war, kann mit Hilfe der Prothese sein Handgelenk um 360 Grad drehen. Wie dieses komplizierte Elektrodenmodell funktioniert, wurde von Martin Pusch vom strategischen Technologiemanagement der Otto Bock HealthCare GmbH erklärt.

Umwandlung eines Hirnsignals in einen laufenden Text

Aber auch Enno Park, Vorsitzender des Vereins Cyborgs, berichtete von seinen Hörerlebnissen mit einer Carina, einem modernen vollimplantierten Hörgerät. Mit diesem könne er zwar nicht in allen Situationen so gut hören wie ein gesunder Mensch, aber in anderen durchaus andere Geräusche und Frequenzen.

Auch Prof. Dr.-Ing. Tanja Schultz vom Lehrstuhl für kognitive Systeme der Universität Bremen stellte beim späteren Podiumsgespräch, das von Volkart Wildermuth moderiert wurde, eine neue Methode vor. Sie zeigte, wie man ein Hirnsignal in einen laufenden Text umwandeln kann. In Zukunft gehe es darum, Maschinen zu entwickeln, die ein besseres Verständnis vom Menschen bekommen und so dessen Bedürfnisse besser befriedigen können.

Prof. Dr.-Ing. Thomas Stieglitz vom Lehrstuhl für biomedizinische Mikrotechnik der Albert-Ludwig-Universität Freiburg sprach über die aktuellen Probleme mit derartigen Implantaten, da es nach wie vor nicht einfach sei, die natürliche Abwehr des Körpers zu überwinden.

Folgen der Eingriffe aus ethischer Sicht 

Prof. Dr. Christiane Woopen, Vorsitzende des Deutschen Ethikrates, warf die Frage auf, was für eine Folge solche Eingriffe haben könnten. Wollen wir einen dritten Arm einbauen, weil das effektiver ist? Werden wir demnächst menschliche Kampfmaschinen bauen, wo die Prothesenhand durch eine Waffe ersetzt wird? Solche Fragen müssten aus ethischer Sicht in Zukunft diskutiert werden, mahnte sie.

Ein anschauliches Beispiel dafür, dass wir oft den Geheimnissen der Technik und ihren Folgen ausgesetzt sind, ohne sie wirklich zu durchschauen, konnte das Auditorium gleich zu Beginn der Festveranstaltung hören. „The Invisible Drums“ mit dem Duo Christopher Rumble und Marc Bangert vom Institut für Musikermedizin an der Hochschule für Musik Carl Maria von Weber in Dresden führten ein Schlagzeugstück auf, dessen Beats zwar zu hören, aber nicht zu sehen waren. Gesteuert wurde diese Einlage durch Infrarotkameras. Der Drummer bewegte seine Arme und schlug scheinbar ins Leere. Beats per Minute gab es trotzdem. (rol/02.12.2015)