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11. Januar 2016

Verbot von E-Zigaretten und E-Shishas begrüßt

Auch der Konsum von nikotinfreien E-Zigaretten soll gesundheitsgefährdend sein.

Auch der Konsum von nikotinfreien E-Zigaretten soll gesundheitsgefährdend sein.

© dpa

Das geplante Konsum- und Abgabeverbot von E-Zigaretten und E-Shishas wird von Experten einhellig begrüßt. In einer Anhörung des Familienausschusses am Montag, 11. Januar 2016, sprachen sich die geladenen sieben Sachverständigen ausdrücklich für den entsprechenden Gesetzentwurf der Bundesregierung (18/6858) aus. Zugleich mahnten sie jedoch verstärkte Bemühungen im Bereich der Prävention an und forderten an mehreren Stellen Verschärfungen der Gesetzesvorlage.

"Verbote allein reichen nicht aus"

Mit dem Gesetz soll das Abgabe- und Konsumverbote für Tabakwaren im Jugendschutzgesetz und im Jugendarbeitsschutzgesetz auf elektronische Zigaretten und Wasserpfeifen ausgeweitet werden. Die Experten betonten, dass der Konsum von elektronischen Zigaretten und Shishas entgegen der weitverbreiteten Meinung zu gravierenden Gesundheitsschäden führen kann.

Der Leiter des Kinder- und Jugendgesundheitsdienstes Berlin-Mitte, Dr. Matthias Brockstedt, und Prof. Dr. Heino Stöver von der Frankfurt University of Applied Sciences sprachen sich für verstärkte Präventionsmaßnahmen aus, um Jugendliche über die gesundheitsschädliche Wirkung von E-Zigaretten und E-Shishas zu informieren. "Verbote allein reichen nicht aus", sagte Brockstedt.

"Konsumverbot für Erwachsene im Beisein Minderjähriger"

Dieser Forderung schlossen sich übereinstimmend alle anderen Experten an. Dr. med. Karl-Josef Eßer von der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin und Prof. Dr. med. Robert Loddenkemper von der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsgsmedizin warnten zudem eindringlich vor den gesundheitsschädlichen Auswirkungen des Passivrauchens von elektronischen Zigaretten. Im Sinne des Jugendschutzes müsse über ein Konsumverbot für Erwachsene in der Anwesenheit von Minderjährigen beispielsweise in Autos nachgedacht werden. Auch diese Forderung von den übrigen Sachverständigen unterstützt.

Dr. med. Martina Pötschke-Langer vom Deutschen Krebsforschungszentrum forderte die Abgeordneten auf, die geplante Gesetzesnovelle für eine umfassende Umsetzung des Rahmenübereinkommens der Weltgesundheitsorganisation zur Eindämmung des Tabakgebrauchs, das auch von Deutschland ratifiziert worden ist, zu nutzen. Diese empfehle unter anderem ein Verbot von Zigarettenautomaten. Trotz der kartenbasierten Alterskontrolle seien Automaten für Minderjährige weiterhin die drittwichtigste Bezugsquelle für Zigaretten. Ebenso sehe das WHO-Übereinkommen ein Verkaufsverbot von Süßigkeiten, Spielzeug und anderen Gegenständen in Zigarettenform vor.

"Wasserpfeifen in das Verbot einbeziehen"

Pötschke-Langer sprach sich ebenso wie Prof. Dr. Dr. Andreas Luch vom Bundesinstitut für Risikobewertung dafür aus, herkömmliche Wasserpfeifen, mit denen nikotinfreie Stoffe, zum Beispiel Kräuter, geraucht werden, ebenso in das Abgabe- und Konsumverbot des Jugendschutzgesetzes einzubeziehen.

Zustimmung zum Gesetzesvorhaben kam auch von der Bundesvereinigung der kommunalen Spitzenverbände. Ursula Krickl vom Deutschen Städte und Gemeindebund wies zugleich darauf hin, dass die entstehenden Mehrkosten für die Kommunen für den verstärkten Kontrollaufwand von den Ländern ausgeglichen werden müssten. (aw/11.01.2016)

Liste der geladenen Sachverständigen
  • Dr. Matthias Brockstedt, Leiter des Kinder- und Jugendgesundheitsdienstes Berlin-Mitte
  • Dr. med. Karl-Josef Eßer, Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin e. V., Berlin
  • Prof. Dr. med. Robert Loddenkemper, Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP), Berlin
  • Prof. Dr. Dr. Andreas Luch, Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR), Berlin
  • Dipl.-Psych. Boris Orth, Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, Köln
  • Dr. med. Martina Pötschke-Langer, Deutsches Krebsforschungszentrum (dkfz), Heidelberg
  • Prof. Dr. Heino Stöver, Frankfurt University of Applied Sciences, Frankfurt am Main
  • Ursula Krickl, Deutscher Städte- und Gemeindebund