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Einsatz für Familien: Elisabeth Winkelmeier-Becker

Elisabeth Winkelmeier-Becker (CDU)

Elisabeth Winkelmeier-Becker (CDU)

© DBT/SMNeumann

Sie will die Vereinbarkeit von Familie und Beruf fördern und Frauen in Führungspositionen bringen – notfalls auch über eine gesetzliche Quote: Elisabeth Winkelmeier-Becker (CDU/CSU) ist von Beruf Richterin, Mutter von drei Kindern, Vorsitzende des mitgliederstarken Kreisverbands Rhein-Sieg und seit 2005 auch direkt gewählte Abgeordnete im Bundestag. Für ihre Fraktion sitzt die 49-Jährige sowohl im Familien- als auch im Rechtsausschuss.

"Manchmal ging es an die Grenzen"

"Ich will nichts überhöhen, aber es hat schon viel Kraft gekostet", sagt Elisabeth Winkelmeier-Becker auf die Frage, wie sie es geschafft hat, ein Jurastudium durchzuziehen, als Richterin Fuß zu fassen und drei kleine Kinder groß zu ziehen. "Manchmal ging es an die Grenzen", gibt die CDU-Politikerin entwaffnend ehrlich zu. Aber es sei eine schöne Kombination gewesen: "Hier der Beruf, der ‚Brainpower' voraussetzt, in dem man sich auch in gedanklichen Winkelzügen ergehen kann, und da die handfeste Familienarbeit. So konnte ich mich bei dem einen vom anderen erholen", fügt die Siegburgerin mit einem Lachen hinzu.

Zeit für ein zeitaufwendiges Hobby, die fehlt damals allerdings: So tritt Winkelmeier zum Beispiel auch in der Politik kürzer. Während Weggenossen wie Ronald Pofalla oder Hermann Gröhe, mit denen die heute 49-Jährige zwischen 1986 und 1992 im Vorstand der Jungen Union in Nordrhein-Westfalen zusammengearbeitet hat, in der CDU Karriere machen, ist sie zunächst damit beschäftigt, Familie und Beruf miteinander zu kombinieren. Doch das schafft sie – auch weil sie geradlinig und zielstrebig ihren Weg geht.

Laufbahn als Richterin

Seit 1984 ist Winkelmeier-Becker mit Jürgen Becker verheiratet, wie sie selbst Jurist und CDU-Mitglied, außerdem seit 2009 Staatssekretär im Bundesumweltministerium.

Nach dem ersten juristischen Staatsexamen, das Winkelmeier 1986 an der Universität Bonn ablegt, folgt eine Elternzeitpause, dann das Referendariat und schließlich das zweite juristische Staatsexamen 1992. Der Examensdurchschnitt der damals 30-Jährigen ist so gut, dass sie noch im selben Jahr ihre Laufbahn bei Gericht starten kann. "Ich hätte mir auch vorstellen können, in eine öffentliche Verwaltung zu gehen, die Ministerien waren ja damals ebenfalls noch alle in Bonn", sagt sie im Rückblick. Doch letztlich hätten private Erwägungen den Ausschlag für den Richterberuf gegeben.

Winkelmeier-Becker arbeitet fortan an verschiedenen Gerichten, unter anderem in Bonn und Königswinter. Seit 2001 ist sie am Amtsgericht-Familiengericht Siegburg tätig. Trotz Doppelbelastung mit Job und Familie – die Politik scheint ihr bald zu fehlen: "Mit zunehmenden Alter der Kinder bin ich wieder in die ehrenamtliche, politische Arbeit eingestiegen", erzählt die Zierliche mit den dunklen Locken.

Initiative für eine Fußgängerzone

Erstmals politisch aktiv ist sie bereits im Alter von 16 Jahren in der Jungen Union ihrer Heimatstadt Siegburg. In Erinnerung geblieben ist ihr aus dieser Zeit besonders ein Projekt, für das sie sich eingesetzt hat: Eine Initiative zur Einrichtung einer Fußgängerzone. "Wir habe mit Collagen recht kreativ ausgearbeitet, wie ein verkehrsberuhigtes Stadtzentrum aussehen könnte", erzählt sie. Der Siegburger Marktplatz sei damals noch für Autos befahrbar gewesen. "Wir haben daraufhin der CDU-Stadtratsfraktion unsere Vorschläge unterbreitet, wie man das ändern könnte."

Die Ideen der Jugendlichen finden Gehör: Der Stadtrat entscheidet, das Konzept zunächst probeweise, nach einer Zeit schließlich dauerhaft umzusetzen. Für Winkelmeier-Becker eine spannende Erfahrung: "Ich habe erlebt, dass man mit guten Argumenten überzeugen und etwas gestalten kann." Ein richtiger "Appetizer für die Kommunalpolitik" sei das gewesen, sagt sie lächelnd.

Katholische Soziallehre und christliches Menschenbild

Winkelmeier setzt sich zu dieser Zeit auch inhaltlich und programmatisch mit der CDU auseinander. 1981, in dem Jahr, in dem sie auch ihr Abitur macht, wird sie schließlich Mitglied. Sie fühlt sich insbesondere der CDA, der Christlich-Demokratischen-Arbeitnehmerschaft, in der Partei nah: "Mir erschienen die katholische Soziallehre und das christliche Menschenbild sehr plausibel und gerecht. Das war für mich ein gutes Erklärungsmuster für eine Gesellschaft, wie ich sie mir vorstelle: Eine, die Differenzierungen und Individualität zulässt, aber auch einen sozial abgestimmten Rahmen gibt. Das hat mich fasziniert."

So viel Zeit ihr politisches Engagement in den folgenden Jahren auch einnimmt, einen Weg in die Politik, wie ihn andere anstreben, den habe sie nie angepeilt, beteuert Winkelmeier-Becker: "Mein Beruf war der Richterberuf."

Direktmandat für den Bundestag

Er wäre es auch geblieben, wenn es nicht 2005 zu Neuwahlen auf Bundesebene gekommen wäre. Elisabeth Winkelmeier-Becker, die im Wahlkreis kurz "Lisa" Winkelmeier-Becker genannt wird, ist ein Jahr zuvor stellvertretende Vorsitzende der CDU Rhein-Sieg geworden. Nun gibt es viele, die sie ermutigen, die Chance zu ergreifen und für den Bundestag zu kandidieren.

"Mein Glück war, dass es aufgrund der vorgezogenen Neuwahl-Entscheidung noch keinen Kandidaten für den Wahlkreis gab. Niemand hatte seinen Hut in den Ring geworfen, es war eine offene Situation." Die CDU-Politikerin lässt sich nicht lange bitten: In einer Urwahl setzt sie sich gegen zwei weitere Kandidaten durch. Auch den Wahlkampf entscheidet sie für sich: Mit 45,5 Prozent der Erststimmen im Wahlkreis Rhein-Sieg-Kreis I zieht Winkelmeier-Becker als direkt gewählte Abgeordnete in den Bundestag ein.

Verhandlungsgeschick und Menschenkenntnis

Der Wechsel aus dem Gericht ins Parlament ist aber eine gehörige Umstellung. Als Richterin sei sie "Einzelkämpferin" gewesen, gewohnt, "Entscheidungen allein mit sich auszumachen", erklärt Winkelmeier-Becker. Als Abgeordnete ist sie nun Teil einer Fraktion. "Mehrheiten zu suchen, das war neu." Doch ihre Berufspraxis ist ein wichtiger Erfahrungsschatz: "Verhandlungsgeschick, Menschenkenntnis, die Fähigkeit zu erspüren, worauf es dem Gegenüber ankommt und Entscheidungen gut zu erklären – das ist das Kerngeschäft eines Richters", erklärt die CDU-Politikerin.

Im Bundestag kann sie diese Fähigkeiten gut gebrauchen. Seit 2005 ist sie Mitglied im Familienausschuss sowie im Rechtsausschuss, wo sie zuletzt insbesondere an einer Reform des Insolvenzrechts mitgearbeitet hat. Dabei ihr juristisches Handwerkszeug zu gebrauchen gefällt ihr: "Es macht Spaß, diese Regelungen aus der juristischen Systematik heraus zu ändern." Diese Arbeit sei ein "spannendes "Kontrastprogramm" zu den gesellschaftlichen Themen, mit denen sie sich im Ausschuss für Familie, Senioren, Frauen und Jugend befasst.

"Da sind dicke Pflöcke eingerammt worden"

Viel ist in diesem Politikfeld ist in den vergangenen Jahren in Bewegung geraten. Daran beteiligt gewesen zu sein, macht die CDU-Abgeordnete stolz. Das Elterngeld, der Ausbau der Kitaplätze für Kinder unter drei Jahren: "Da sind dicke Pflöcke eingerammt worden", sagt sie. Doch angesichts des schleppenden Kitaausbaus mahnt Winkelmeier-Becker auch: "Es bleibt die Aufgabe, die Beschlüsse umzusetzen – aber hier sehe ich gerade die Länder und Kommunen in der Pflicht."

Handlungsbedarf bestehe zudem bei der Vereinbarkeit von Familie und Beruf: "Eine familienbewusste und familienfreundliche Arbeitswelt ist dafür die Voraussetzung", so die Abgeordnete. Sie unterstützt deshalb den von Familienministerin Kristina Schröder (CDU) ausgerufenen Unternehmenswettbewerb "Erfolgsfaktor Familie 2012", der das familienfreundlichste Unternehmen Deutschlands sucht.

"Eine gesetzliche Frauenquote liegt mir am Herzen"

Auch wenn Winkelmeier-Becker hier auf gleicher Linie mit Regierung und Fraktion ist, sie vertritt, wenn nötig, zuweilen auch eine abweichende Meinung: Zum Beispiel beim gerade von der Koalition beschlossenen Betreuungsgeld, das sie ablehnt, oder in der Diskussion um die Frauenquote.

Nur auf Basis einer freiwilligen Selbstverpflichtung, wie Ministerin Schröder sie favorisiert, fürchtet Winkelmeier-Becker, werde die ganze Diskussion verflachen und letztlich im Sande verlaufen. "Es würde mir daher am Herzen liegen, eine Quote für Frauen in Führungspositionen gesetzlich zu verankern." (sas)

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