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Für Bremen im Bundestag: Carsten Sieling

Dr. Carsten Sieling, SPD

© DBT/Unger

Seit 37 Jahren ist Dr. Carsten Sieling überzeugter Sozialdemokrat. Der aus Nienburg an der Weser stammende Politiker trat mit 17 Jahren den Jusos bei und ist seit dem für seine sozialdemokratische Überzeugung quasi im Dauereinsatz. Es gab in den vielen Jahren seiner Parteizugehörigkeit kaum Phasen, in denen er parteipolitisch nicht aktiv war.

Carsten Sieling studierte Wirtschaftswissenschaften in Bremen, Hamburg und an der Universität Maryland (USA) und promovierte 1999 zum Thema "regionale Strukturpolitik". Viele Jahre sammelte der engagierte Politiker Erfahrungen in der Kommunal- und Landespolitik und als SPD-Fraktionsvorsitzender der Bremer Bürgerschaft, bis er im Jahr 2009 erstmals für den Deutschen Bundestag kandidierte. Er war in einem für die SPD schwierigen Wahljahr sehr erfolgreich.

Abgeordneter des Wahlkreises Bremen I

Sieling holte in seinem Wahlkreis Bremen I mehr Stimmen für die Sozialdemokraten, als die Partei im Gesamtergebnis verzeichnen konnte. Fast bescheiden sagt Carsten Sieling: "Es gilt als Faustregel, dass die SPD in Bremen bei Wahlen etwa zehn Prozent mehr Stimmen holt als im Bundesdurchschnitt. Und daran konnte ich anknüpfen."

Wichtig ist für Carsten Sieling die Rückkopplung mit den Bürgern. "Ich will wissen, was die Menschen bewegt, deshalb war und bin ich in meinem Wahlkreis oft unterwegs. Ich möchte nicht, dass die Menschen mich nur vor den Wahlen zu Gesicht bekommen und sie ansonsten mit ihren Sorgen allein sind. Glaubwürdig sind Politiker erst, wenn sie Problemen nicht aus dem Weg gehen, sondern nach Lösungen suchen", sagt der Sozialdemokrat.

"Willy wählen"

Carsten Sieling wuchs in einem politisch geprägten Elternhaus auf. Mutter und Vater waren Sozialdemokraten, weckten bei ihm schon als Schüler politisches Interesse. Bereits mit 13 Jahren startete er an der Schule die erste politische Aktion.

Carsten Sieling erzählt: "Zur Bundestagswahl 1972 trugen ich und einige Mitschüler einen Button mit dem Slogan ‚Willy wählen’, denn wir wollten Willy Brandt unterstützen. Dabei lieferten wir uns heftige Wortgefechte mit den Schülern, die einen Anstecker der CDU trugen, auf dem stand: Sei kein Frosch, wähl’ CDU. Da trafen schon an der Schule Welten aufeinander."

Mit 17 Jahren Mitglied der Jusos

Als er 15 Jahre alt war, gründete Carsten Sieling mit einigen Freunden die erste Jugendfreizeitinitiative. "In unserem Ort gab es den Schützenverein und einen Sportverein, sonst nichts. Wir wollten einen Jugendfreizeitraum, in dem wir uns treffen konnten. Deshalb rückte ich mit einigen Mitstreitern dem Bürgermeister auf die Pelle und forderte Unterstützung", erzählt Carsten Sieling. Der CDU-Gemeinderat wollte das ignorieren, aber Carsten Sieling blieb hartnäckig und setzte sich durch. Er bekam für seine Initiative von der Gemeinde eine Unterstützung in Höhe von 120 D-Mark – pro Jahr!

Im Alter von 17 Jahren trat Carsten Sieling 1976 – Helmut Schmidt war schon zwei Jahre Bundeskanzler – der SPD bei und wurde kurze Zeit später bei den Jungsozialisten aktiv. Seine Eltern hatten, gemeinsam mit anderen Sozialdemokraten, eine SPD-Ortsgruppe gegründet, die sofort mehr als 120 Mitglieder zählte. Eine Sensation zur damaligen Zeit, wenn man bedenkt, dass im Ort etwa 70 Prozent die CDU wählten.

Industriekaufmann und Wirtschaftsstudent

Nach der Schule absolvierte Carsten Sieling eine Ausbildung zum Industriekaufmann, trat in die IG Metall ein und engagierte sich aktiv bei den Jusos. "Ich wollte mitreden, war enorm neugierig und merkte schnell, dass man mit politischen Aktionen auf Probleme aufmerksam machen kann", erklärt der Politiker.

Nach der Ausbildung studierte Carsten Sieling auf dem zweiten Bildungsweg Volkswirtschaft an der Hochschule für Wirtschaft und Politik in Hamburg. Er merkt an: "Damals konnte man in Hamburg noch ohne Abitur studieren, diese Möglichkeit gibt es heute leider nicht mehr."

Studium in Maryland

Carsten Sieling studierte an der Universität in Bremen, absolvierte ein Auslandsstudium an der Universität Maryland (USA). 1989 schloss er sein Studium als Diplom-Ökonom ab.

Während der gesamten Studienzeit war Carsten Sieling parteipolitisch immer aktiv, ließ in seinem Engagement niemals nach und war bis 1990 stellvertretender Vorsitzender der Jusos in Bremen.

"Niemand wird als Politiker geboren"

Nach dem Studium fand Carsten Sieling seine erste Arbeitsstelle als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universität Bremen und beim Arbeitsförderungszentrum des Landes, aber ehrenamtlich war er weiter in der SPD aktiv. Er wurde Vorsitzender des SPD-Ortsvereins und 1993 Mitglied des Landesvorstandes der SPD in Bremen. Im Jahr 1995 wurde er in die Bürgerschaft der Stadt Bremen gewählt.

Carsten Sieling sagte heute: "Ich lernte Kommunalpolitik und Parlamentarismus von der Pike auf. Politik ist ein Lernprozess, denn niemand wird als Politiker geboren. Ich finde Karrieren nach dem Motto ‚Kreißsaal, Hörsaal, Plenarsaal’ deshalb sehr schwierig. Als Politiker braucht man Erfahrungen, man muss die politischen Formen und Regeln kennen, wenn man etwas erreichen will. Ich persönlich habe außerdem immer Wert auf eine politische Streitkultur gelegt, weil kulturvolles Streiten für unsere Demokratie unerlässlich ist."

Fraktionsvorsitzender der Bürgerschaft

Mit diesem Stil kam Carsten Sieling bei den Genossen gut an. Viele Sozialdemokraten vertrauten ihm, schätzten seine Wirtschaftskompetenz und den sachlichen Umgang, den er auch mit Kollegen anderer Parteien pflegte. Im Jahr 1999 promovierte Carsten Sieling, was ihn aber nicht davon abhielt, sich auch weiterhin politisch zu engagieren.

Als ehrenamtlicher Politiker absolvierte er das Arbeitspensum eines Profis. Im Jahr 2004 wurde Carsten Sieling Landesvorsitzender der SPD in Bremen. Ein Jahr später wählten in die Genossen zum Fraktionsvorsitzenden in der Bremer Bürgerschaft. Es war unverkennbar, dass Carsten Sieling die Landespolitik lag. Er kannte die Menschen in seiner Stadt, die Genossen vertrauten ihm und Politiker anderer Parteien respektierten den Sozialdemokraten.

Nachfolger von Volker Kröning

Als im Jahr 2008 die Bundestagswahl vorbereitet wurde, war Carsten Sieling als Fraktionsvorsitzender auch Mitglied der Findungskommission. Die wurde im Herbst 2008 damit beauftragt, einen geeigneten Kandidaten für die Bundestagswahl zu finden. Volker Kröning, der damalige Direktkandidat der SPD, hatte sich entschlossen, nicht erneut für den Bundestag zu kandidieren.

Die Suche nach einem geeigneten Politiker, der ausreichend Erfahrungen mitbrachte, glaubwürdig und bei den Bürgern bekannt war, gestaltete sich schwierig. Immer wieder wurde Carsten Sieling von den Genossen angesprochen, ob er sich nicht vorstellen könne, diese Aufgabe zu übernehmen.

Großer Vertrauensbeweis

"Ich zögerte, denn ich war aus tiefer Überzeugung Landespolitiker. Aber in der Politik bieten sich manchmal überraschende Gelegenheiten und Chancen, an ganz anderer Stelle mitzugestalten. Und gestalten wollte ich. Nach reiflicher Überlegung habe ich mich dann entschieden, mich als Direktkandidat zur Wahl zu stellen", erklärt Carsten Sieling.

Auf dem Kreisparteitag war er der einzige Kandidat, der sich zur Wahl stellte, und er überzeugte die Delegierten mit seiner Bewerbungsrede. 91 Prozent der Genossen gaben ihm ihre Stimme – ein großer Vertrauensbeweis, der Carsten Sieling in seiner Entscheidung bestärkte.

Schwieriger Wahlkampf

Der Wahlkampf 2009 gestaltete sich allerdings auch in einer sozialdemokratischen Hochburg wie Bremen schwierig. Die Diskussion um die Rente mit 67 und die Hartz-Gesetze beschäftigten die Menschen.

"Ich merkte in vielen Gesprächen mit Wählern, dass die Enttäuschung über die SPD in diesen Punkten tief saß. Es half mir, dass ich in Bremen seit vielen Jahren politisch aktiv war und einen Vertrauensvorschuss bei den Wählern hatte. In Diskussionen konnte ich viele Menschen davon überzeugen, dass ich als Sozialdemokrat ihre Interessen gut vertreten würde. Das dramatischste Problem war allerdings, dass ich mit vielen Menschen gar nicht erst ins Gespräch kam. Viele hatten sich entschieden, gar nicht wählen zu gehen, und das war sehr dramatisch", sagt Carsten Sieling.

Beachtliches Wahlergebnis

Am Ende eines kräftezehrenden Wahlkampfs, im dem der Politiker nicht nur in den Bremer Stadtteilen um Stimmen warb, sondern auch in Vereinen, Initiativgruppen, in Betrieben, Schulen und der Universität Wahlkampfveranstaltungen absolvierte, stand ein beachtliches Wahlergebnis von 33,7 Prozent der Erststimmen und 28,2 Prozent der Zweitstimmen.

Sein Engagement für die Sache und sein Kampf um jede Stimme hatten sich gelohnt. Carsten Sieling konnte die Tradition fortsetzen und im Wahlkreis Bremen zehn Prozent mehr Stimmen holen, als die SPD im Bundesdurchschnitt.

Wechselbad der Gefühle

Am Wahlabend erlebte Carsten Sieling, wie viele seiner SPD-Kollegen, ein Wechselbad der Gefühle. Einerseits freute er sich über sein hervorragendes Wahlergebnis, andererseits empfand er eine große Enttäuschung über das Gesamtergebnis seiner Partei.

Rückblickend sagt der Sozialdemokrat: "Die Stimmung in der Partei war von großer Enttäuschung geprägt, und das nicht nur in Bremen. Als ich zum ersten Mal in die Fraktion im Bundestag kam, wurde mir schmerzlich bewusst, welche Folgen dieses Wahlergebnis für die SPD hatte. Es bedeutete: Opposition und nicht Regierungsverantwortung. Da ich aber ein grundsätzlich optimistischer Mensch bin, war ich entschlossen, auf der Oppositionsbank eine gute Politik zu machen. Ich war es den Menschen, die mir ihre Stimme gegeben hatten, schuldig, ihr Vertrauen in mich nicht zu enttäuschen."

97 Prozent der Delegiertenstimmen

Das Motto von Carsten Sieling heißt deshalb: Die Interessen des Landes Bremen mit der Politik in Berlin zu verbinden. Das Vertrauen der Genossen in Bremen ist ihm sicher: Auf der Wahlkreiskonferenz im Dezember 2012 wurde er erneut als Direktkandidat für die Bundestagwahl 2013 gewählt. Er bekam 97 Prozent der Delegiertenstimmen und hatte keinen Gegenkandidaten.

Im Bundestag ist Carsten Sieling ordentliches Mitglied im Finanzausschuss und im Unterausschuss Kommunales, sowie stellvertretendes Mitglied im Haushaltsausschuss. Außerdem ist er Mitglied im Parlamentarischen Finanzmarktgremium, das den Bankenrettungsfonds kontrolliert. (bsl/24.01.2013)

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