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Erich Salomon – Pionier der Parlamentsfotografie

Andreas Biefang, Marie Luise Recker, Norbert Lammert, Marij Leenders unter dem Porträt des Fotografen Erich Salomon

Andreas Biefang, Marie Luise Recker, Norbert Lammert, Marij Leenders unter dem Porträt des Fotografen Erich Salomon

© DBT/Melde

Zur Vorstellung des Buches „Das ideale Parlament. Erich Salomon als Fotograf in Berlin und Den Haag 1928 – 1940“ von Andreas Biefang und Marij Leenders haben am Dienstag, 30. Juni 2015, der Deutsche Bundestag und die Kommission für Geschichte des Parlamentarismus und der politischen Parteien eingeladen. Unweit des Ortes, an dem Salomon bis 1931 seine Aufnahmen anfertigte, präsentierten die beiden Herausgeber Dr. Andreas Biefang von der Kommission und Dr. Marij Leenders von der Universität Nijmegen ihr Buch.

Unverstellte, authentische Situationen

Erich Salomon, 1886 in Berlin geboren, 1944 in Auschwitz ermordet, zählt zu den bedeutendsten Pressefotografen des zwanzigsten Jahrhunderts. Er war der am meisten publizierte Fotograf seiner Zeit. Mit seinen Arbeiten erreichte er ein Millionenpublikum. Berühmt wurde er vor allem durch seine Porträts prominenter Persönlichkeiten, die er in „unbeobachteten Augenblicken“ ablichtete. Er zeichnete sich besonders durch seine Bilder unverstellter, authentischer Situationen mit versteckter Kamera hinter Vorhängen oder durch halb geöffnete Türen aus.

Das Buch widmet sich dem politischen Journalisten Salomon, der sich besonders für Parlamente und Parlamentarier interessierte und konzentriert sich auf die veröffentlichten Bilder, die er im Deutschen Reichstag von 1928 bis 1931 und seit 1936 im Exil im niederländischen Parlament aufgenommen hat. Er gilt als ästhetischer Erneuerer der parlamentarischen Fotografie in Deutschland und als Begründer der parlamentarischen Fotografie in den Niederlanden. In den Niederlanden war er der erste Fotograf, der Zugang zu den Debatten erhielt.

Parallel auf Deutsch und Niederländisch erschienen

Entstanden ist das Buch aus einem gemeinsamen Projekt der Kommission für Geschichte des Parlamentarismus und der Politischen Parteien in Berlin und dem Centrum voor Parlementaire Geschiedenis an der Radboud Universiteit Nijmegen, gefördert durch das Montesquieu-Institut in Den Haag und die SNS Real Fonds in Den Haag, unterstützt durch das europäische Netzwerk zur Parlamentsgeschichte euparl.net. Das Buch ist parallel in deutscher und in niederländischer Sprache erschienen.

Die Veranstaltung eröffnete die Präsidentin der Kommission, Prof. Dr. Marie Luise Recker. „Parlamentarismus lebt nicht nur vom gesprochenen Wort, sondern auch und zu einem nicht unerheblichen Teil von seiner visuellen Inszenierung. Mit ihr entstehen Bilder vom Parlament, vom parlamentarischen Prozedere und der habituellen Selbstpräsentation der Abgeordneten, von der räumlichen Inszenierung von Parlamentarismus und von parlamentarischer Kultur. Das gilt auch für die Bilder von Erich Salomon.“

Habituelle Selbstpräsentation und bewusste Inszenierungen

„In seinen Bildreportagen treffen zum einen die habituelle Selbstpräsentation und Salomons bewusste Inszenierungen aufeinander, was seinen Fotoserien eine besondere Aussagekraft verleiht. Mit Ihnen wollte er in der Öffentlichkeit ein spezifisches Bild von Parlamentarismus vermitteln.“

Seine Nähe zu den Politikern und zum Parlament brachten ihm bald den Vorwurf der Hofberichterstattung ein, vor allem die sogenannten Bankettbilder, Aufnahmen der parlamentarischen Abende in Berlin, öffneten sich auch parlamentsfeindlicher Interpretation und wurden daraufhin 1930 eingestellt.

Lammert: Herausragender Parlamentsfotograf

Nach Ansicht des Bundestagspräsidenten Prof. Dr. Norbert Lammert ist es jedoch seine strikte Weigerung, inszenierte Fotografien abzuliefern und gerade nicht die Herrscherpose, die politische Darstellerpose zum Gegenstand seiner Bebilderung zu machen, sondern die nicht erwartbare politische Alltagssituation, die ihn von einem Hoffotografen unterscheidet.

Lammert hatte seine Beteiligung an der Vorstellung diese Buches auch deshalb gerne zugesagt, weil Erich Salomon nicht nur ein herausragender, wahrscheinlich der herausragende Parlamentsfotograf der deutschen Parlamentsgeschichte ist, sondern weil zu seinen Gönnern oder Protektoren auch der damalige Parlamentspräsident Paul Löbe (SPD) gehörte, der für Notsituationen immer Empfehlungsschreiben für den Fotografen in der Tasche gehabt haben soll, um jederzeit den Nachweis führen zu können, dass Salomon sich nicht in unerlaubter Weise auf parlamentarischem Territorium bewegte.

Die Bedeutung der Parlamentsfotografie im Gesamtwerk

Die Herausgeber des Buches stellten  in ihren Vorträgen die Bedeutung der Parlamentsfotografie im Gesamtwerk von Erich Salomon heraus. Dabei ging Biefang zunächst auf die Bilder vom Reichstag des Deutschen Reiches zwischen 1928 und 1931 ein. Anders als anderen Publikationen über Salomon konzentriere sich dieses Buch auf seine politische Fotografie und auf die Parlamentsfotografie im Zentrum seiner politischen Fotografie, so der Autor.

Salomon hätte stets versucht, eine positive und zeitgemäße Bildsprache über den Parlamentarismus zu entwickeln und dabei versucht, politisch parlamentarische Bildberichterstattung passend zu machen für eine neue mediale Welt, einen medialen Kontext. Mit seinen Bildern habe er stets versucht, das Parlament als Ort der politischen Debatte zu inszenieren, erklärte Biefang. Leenders ging in ihrem Vortrag auf die fehlende Erfahrung und Tradition der Parlamentsfotografie in den Niederlanden ein, die erst durch Erich Salomon aufgebrochen worden sei. (klz/01.07.2015)

 

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