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Der französische Staatspräsident Emmanuel Macron hat im Namen des französischen Volkes die „unerschütterliche Freundschaft mit dem deutschen Volk“ bekräftigt und zugleich zu mehr „europäischer Souveränitat“ aufgefordert. „Aus unserer Souveränität muss eine Stärke entstehen“, sagte Macron in der zentralen Gedenkveranstaltung des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge zum Volkstrauertag am Sonntag, 18. November 2018, im Plenarsaal des Reichstagsgebäudes.

Die Gedenkstunde steht traditionell unter der Schirmherrschaft des Bundestagspräsidenten. Neben Dr. Wolfgang Schäuble und Bundespräsident Dr. Frank-Walter Steinmeier nahmen Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel, Bundesratspräsident Daniel Günther und der Präsident des Bundesverfassungsgerichts Prof. Dr. Dr. h. c. Andreas Voßkuhle als Vertreter der Verfassungsorgane teil.

„Die Geschichte aufrichtig aufgearbeitet“

„Kein Volk hat seine Geschichte so aufrichtig aufgearbeitet“ sagte der französische Präsident und bekundete seine Dankbarkeit, hundert Jahre nach dem Ende des Ersten Weltkriegs an diesem Ort sprechen zu können.

Deutschland habe bewiesen, dass es historische Konflikte überwinden und unermüdlich für den Frieden kämpfen wolle, dabei aber nicht darauf verzichtet, „Deutschland zu sein“. Er sei stolz, dass Frankreich diese „Wiederauferstehung“ begleitet habe.

„Ein neues Kapitel aufschlagen“

Anders als 1918 hätten die Politiker nach 1945 die Kraft, Größe und Weitsicht für die Aussöhnung gehabt, betonte Macron. Weil sich die Nationen die Hand gereicht hätten, hätten 70 Jahre des Friedens auf dem europäischen Kontinent folgen können. „Wir haben einen nachhaltigen Frieden geschlossen, indem wir das deutsch-französische Gespann zur treibenden Kraft eines vereinigten Europas gemacht haben.“

Es habe sich eine Kultur der Zusammenarbeit entfaltet, sagte Macron. Was gestern eine Antwort auf unerbittliche Kriege gewesen sei, sei heute zu einer Antwort auf die Krisen dieser Welt geworden. „Heute müssen wir den Mut finden, ein neues Kapitel aufzuschlagen“, lautete Macrons Appell. „Wir sind es all denen schuldig, die in den letzten 70 Jahren daran gearbeitet haben.“

„Wir müssen unsere Tabus überwinden“

Es dürfe keine Denkverbote geben, „wir müssen unsere Tabus überwinden“. fordert er. Auf „diesem Kontinent“ entstehe heute ein neues digitales Modell, von hier hätten die Energiewende und der Kampf gegen den Klimawandel begonnen. Europa und das deutsch-französische Gespann in seiner Mitte seien in der Pflicht, die Welt nicht ins Chaos abdriften zu lassen.

„Es gibt viele Mächte, die uns ausbremsen möchten, die versuchen, uns gegeneinander auszuspielen“, sagte der Präsident. Der Kampf um mehr europäische Souveränität sei noch nicht gewonnen. Jede Generation müsse sich auf ihre Art und Weise einbringen, jede Generation ihre Hemmnisse überwinden.

Macron schloss mit den Worten: „Ich bin mir sicher, dass wir ein neues Kapitel der europäischen Geschichte aufschlagen werden. Es lebe Frankreich, es lebe die Bundesrepublik Deutschland, es lebe die deutsch-französische Freundschaft, es lebe Europa!“

„Unser Gedenken treibt uns an“

Der Präsident des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge, der frühere Generalinspekteur der Bundeswehr, General a. D. Wolfgang Schneiderhan, hatte eingangs daran erinnert, dass 17 Millionen Menschen den Ersten Weltkrieg mit ihrem Leben bezahlt hatten. Wichtige Impulse für das Versöhnungswerk nach dem Zweiten Weltkrieg seien von Frankreich ausgegangen.

Allen Versuchen, die „dunklen Jahre unserer Geschichte zu relativieren“, müsse mit entschlossenem Nachdruck entgegengewirkt werden, unterstrich Schneiderhan. „Unser Gedenken lähmt uns nicht, es treibt uns an, es gibt uns die Motivation für die aktive Friedensarbeit“, so der Volksbund-Präsident.

Erinnerung an gefallene Fußballer

Jugendliche verschiedener Schulen und Bundesligavereine berichteten in der Lesung über das Gedenkprojekt „Gefallene Fußballer des Ersten Weltkrieges“ und erinnerten in vorgetragenen Briefen an deren Schicksal.

Musikalisch umrahmt wurde die Gedenkstunde vom Landesjugendchor Schleswig-Holstein unter Leitung von Chordirigentin Lea Vosgerau mit „Wer wird die Rosen brechen (Reiters Abschied)“ von August Heinrich Hoffmann von Fallersleben (1798-1874). Die Londoner Mezzosopranistin Patricia Hammond sang das Lied „Zogen einst fünf wilde Schwäne“ aus Ostpreußen, begleitet vom Landesjugendorchester und dem Bläseroktett des Musikkorps der Bundeswehr Siegburg unter Leitung von Stabsfeldwebel Matthias Reißner. Das Bläseroktett trug auch die Pavane opus 50 von Gabriel Fauré (1845-1924) vor.

Nach der Rede Macrons sang Patricia Hammond das Lied „Eine Rose blüht im Niemandsland“ („The Rose of No Man’s Land“) des amerikanischen Lyrikers Jack Caddigan (1879-1952). Begleitet wurde sie vom Musikkorps der Bundeswehr Siegburg.

Totengedenken und Gedenkminute

Im Anschluss an das Totengedenken durch Bundespräsident Frank-Walter Steinemeier  folgten die Gedenkminute und die Totensignale, vorgetragen von den Solotrompetern des Musikkorps der Bundeswehr Siegburg, Jan Pompino, der französischen Armee, Jean-Daniel Suchon, und des britischen Royal Air Force Regiments, Rob S. Scullion.

Die Gedenkstunde endete mit der Europahymne und der Nationalhymne.

Erste Feierstunde 1922 im Reichstag

Der Volkstrauertag wurde durch den 1919 gegründeten Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge auf Vorschlag seines bayerischen Landesverbandes zum Gedenken an die Kriegstoten des Ersten Weltkrieges eingeführt. Nicht „befohlene“ Trauer war das Motiv, sondern das Setzen eines nicht übersehbaren Zeichens der Solidarität derjenigen, die keinen Verlust zu beklagen hatten, mit den Hinterbliebenen der Gefallenen.

Die erste offizielle Feierstunde fand 1922 im Deutschen Reichstag in Berlin statt. Der damalige Reichstagspräsident Paul Löbe (SPD) hielt eine im In- und Ausland vielbeachtete Rede, in der er einer feindseligen Umwelt den Gedanken an Versöhnung und Verständigung gegenüberstellte. Ein Komitee, dem von den großen Glaubensgemeinschaften bis zum jüdischen Frauenbund vielerlei Verbände angehörten, erreichte unter Federführung des Volksbundes, dass der Volkstrauertag in den meisten Ländern des Reiches gemeinsam, nämlich am Sonntag Reminiscere, dem fünften Sonntag vor Ostern, begangen wurde.

Heldengedenktag in der NS-Zeit

1934 bestimmten die nationalsozialistischen Machthaber durch ein Gesetz den Volkstrauertag zum Staatsfeiertag und benannten ihn „Heldengedenktag“. Die Träger waren bis 1945 die Wehrmacht und die NSDAP. Die Richtlinien über Inhalt und Ausführung erließ der Reichspropagandaminister. Nach Gründung der Bundesrepublik Deutschland wurde der Volkstrauertag erneut vom Volksbund eingeführt und 1950 erstmals neben vielen regionalen Veranstaltungen mit einer Feierstunde im Plenarsaal des Deutschen Bundestages begangen.

Nach einer Übereinkunft zwischen der Bundesregierung, den Ländern und den großen Glaubensgemeinschaften wurde der Termin auf den vorletzten Sonntag im Kirchenjahr (evangelisch) beziehungsweise den 33. Sonntag im Jahreskreis (katholisch) verlegt. Durch Landesgesetze ist der Tag geschützt. Der Volksbund versteht diesen Gedenktag auch mit zunehmendem Abstand vom Krieg als einen Tag der Trauer. Der Volkstrauertag ist aber auch zu einem Tag der Mahnung zu Versöhnung, Verständigung und Frieden geworden.

832 Kriegsgräberstätten in 46 Staaten

Der Volksbund betreut heute im Auftrag der Bundesregierung die Gräber von etwa 2,7 Millionen Kriegstoten auf 832 Kriegsgräberstätten in 46 Staaten. Er wird dabei unterstützt von mehr als einer Million Mitgliedern und Förderern sowie der Bundesregierung.

Das Leitwort ist: Versöhnung über den Gräbern – Arbeit für den Frieden.

Leitbild des Volksbundes

Der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge hat sich am 23. September 2016 ein neues Leitbild gegeben, in dem es heißt: „Wir stellen uns der deutschen Geschichte: Im Ersten Weltkrieg mit seinen Folgen lag der Ursprung einer Epoche exzessiver Gewalt und totalitärer Diktaturen, die im Zweiten Weltkrieg einen historischen Höhepunkt fand. Dieser Angriffskrieg des nationalsozialistischen Deutschlands forderte Millionen Opfer, Soldaten und Zivilisten, und war Voraussetzung für beispiellose Verbrechen bis hin zum Völkermord an den europäischen Juden. Damit stellt sich auch die Frage der persönlichen Verantwortung unter den Bedingungen von Diktatur und Krieg. Pauschale Schuldzuweisungen verbieten sich: Die Meisten kämpften im Bewusstsein, ihre nationale Pflicht zu erfüllen. Viele machten sich schuldig. Andere konnten sich entziehen. Wenige leisteten Widerstand.

Mit dem festen Willen, die Erinnerung an Krieg und Gewaltherrschaft wachzuhalten, Verständigung, Versöhnung und Frieden unter den Menschen und Völkern zu fördern und für Freiheit und Demokratie einzutreten, hat sich der Volksbund auf der Grundlage seiner Satzung dieses Leitbild gegeben.“ (vom/18.11.2018)

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