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Adventsklänge im Deutschen Bundestag

Bundestagsvizepräsidentin Claudia Roth zusammen mit 20 jungen Sängerinnen und Sängern aus Oberammergau

Bundestagsvizepräsidentin Claudia Roth zusammen mit 20 jungen Sängerinnen und Sängern aus Oberammergau

© DBT/Melde

Ein Wagenrad mit 20 kleinen und vier großen Kerzen – so sah der erste Adventskranz aus, den der evangelische Theologe und Wegbereiter des heutigen Diakonischen Werks Johann Heinrich Wichern 1839 erstmals aufstellte – als Geschenk an die Kinder und ihre vorweihnachtliche Ungeduld. Seitdem ist der Kranz zur festen Tradition in der Adventszeit geworden. Dem Deutschen Bundestag wurde nun am Donnerstag, 29. November 2018, bereits zum zehnten Mal ein solcher, sogenannter „Wichernkranz“ von der Diakonie Deutschland überreicht.

„Macht hoch die Tür“

Über diese Tradition und das Jubiläum in diesem Jahr freute sich Ulrich Lilie, der Präsident der Diakonie Deutschland, in seinem Grußwort bei der feierlichen Übergabe des Kranzes vor der Abgeordnetenlobby des Reichstagsgebäudes: „Ich denke an alte und an neue Mauern – und an Mauern in den Köpfen der Menschen“, sagte Lilie mit Blick auf das Lied „Macht hoch die Tür“, das der Chor des Evangelischen Werks für Diakonie und Entwicklung zu Beginn der Feierstunde anstimmte. Solche Mauern gelte es zu überwinden, indem verschlossene Türen innerhalb der Gesellschaft geöffnet würden. Besonderer Dank gelte dem evangelischen Johannesstift Berlin, in dessen Gärtnerei der Kranz geflochten wurde, schloss er.

Weihnachten werde vor allem, so Lilie, in der kindlichen Freude lebendig: „Weihnachten ohne Kinder ist für viele Ältere gar kein richtiges Weihnachten“, meinte er, bevor er an die Geschichte des Theologen Wichern erinnerte. Der Kirchenvater hatte seinerzeit das Rauhe Haus in Hamburg gegründet, in dem er Straßenkindern ein Zuhause gab und sich um deren Erziehung und Bildung kümmerte.

In der Bibel wie im Film

Bundestagsvizepräsidentin Petra Pau (Die Linke), die den Kranz entgegennahm, wies im Anschluss an das Lied „Tochter Zion, freue Dich“ darauf hin, wie wertvoll und wichtig es für den politischen Betrieb sei, an einem Sitzungstag mit turbulenten Debatten wie an diesem Donnerstag einen kurzen Moment der Ruhe erleben zu können. Neben ihr sangen auch Abgeordnete anderer Fraktionen mit – darunter Katrin Göring-Eckardt (Bündnis 90/Die Grünen), Hermann Gröhe (CDU/CSU) oder Dr. Barbara Hendricks (SPD).

Im Zentrum der kurzen Ansprache Paus stand der Satz „Der eine trage des anderen Last“. Dieser Satz sei zugleich ein Bibelzitat und der Titel eines berühmten Films, der 1988 unter der Regie von Lothar Warneke in der DDR erschienen war und der vom Dialog zwischen Andersdenkenden handelt.

Zum Abschluss der Andachtsfeier wurde eine der Wichernkranz-Kerzen angezündet – allerdings aus Brandschutzgründen nur für einen kurzen, symbolischen Moment.

Roth: Ihr bringt ein Stück weit den Frieden

Kurz zuvor nahm die Bundestagsvizepräsidentin Claudia Roth (Bündnis 90/Die Grünen) an der großen Glasfront am Westeingang des Paul-Löbe-Hauses einen Weihnachtsbaum entgegen. Die mit bunten Holzsternen und -hampelmännern geschmückte Tanne stammt in diesem Jahr aus dem Naturpark Ammergauer-Alpen – dem jüngsten Naturpark Deutschlands, der erst 2017 eröffnet wurde.

Es sind „wundervolle Klänge – die tun uns wirklich gut“, lobte Roth die 20 Kinder aus Oberammergau, die in Tracht und mit bayerisch-gefärbter Singstimme für den musikalischen Rahmen sorgten. „Ihr bringt ein Stück weit den Frieden“, sagte Roth zu den Sängerinnen und Sängern. Auch Frau Merkel könne, wenn es draußen dunkel wird, von ihrem Büro im Kanzleramt aus den Baum durch die Glasfront des Paul-Löbe-Hauses sehen und dadurch die Botschaft erhalten.   

Musik hat hohen Stellenwert in Oberammergau

Die Schüler, die zwischen acht und 13 Jahre alt sind und die zum großen Teil von der Grund- und Mittelschule Oberammergau kommen, wurden von einer Gitarre, zwei Querflöten und einer Geige begleitet. Ihr Klang trug durch das gesamte Gebäude und ließ Besucher wie Politiker im ganzen Haus aufhorchen.

Musik habe dank der Passionsspiele in Oberammergau einen hohen Stellenwert, meinte der Dirigent Markus Zwing, der auch für die Passionsspiele 2020 die musikalische Leitung übernimmt.

Tradition seit 2002

Ebenso wie die „Wichernkranz“-Übergabe hat auch die feierliche Baumübergabe an den Deutschen Bundestag durch den Verband Deutscher Naturparke e.V. Tradition. Seit dem Jahr 2002 wird die kleine Zeremonie jedes Mal zur Adventszeit vollzogen. Der Baum stammt dabei jährlich aus einem anderen der 105 Naturparks der Bundesrepublik.

Zum Schluss der Feierstunde – da tönte bereits das Abstimmungssignal für Abgeordnete durch die Halle – überreichte Alexander Dobrindt (CDU/CSU) noch weihnachtliche Süßigkeiten-Päckchen an den jungen Gesangsnachwuchs, der aus seinem Wahlkreis Weilheim angereist war. 

„Lasst uns froh und munter sein...“

„Lasst uns froh und munter sein...“, dieses alte Weihnachtslied schrieb der Theologe Joseph Annegard Ende des 19. Jahrhunderts zum Festtag des heiligen Nikolaus von Myra – und seitdem erklingt es jedes Jahr zur Advents- und Weihnachtszeit. Im Deutschen Bundestag spielte es am Freitag, 30. November 2018, die inklusive Band „Inkuba“ aus Rastatt/Murgtal, als die Bundesvereinigung Lebenshilfe e.V. eine liebevoll geschmückte Weihnachtstanne an die Bundestagsabgeordneten übergab. Die 15 Musikanten begrüßten damit die Parlamentarier aller Fraktionen, die sich zur feierlichen Baumübergabe im Paul-Löbe-Haus eingefunden hatten.

Bereits zum 19. Mal läutet eine Tanne mit Weihnachtsbaumschmuck die Weihnachtszeit im Bundestag ein. In diesem Jahr nahm Bundestagsvizepräsidentin Petra Pau (Die Linke) die prächtige Tanne entgegen, die mit goldenen Sternen aus Pappmaschee, Weihnachtsschmuckhäusern und Glocken aus buntem Karton geschmückt war. Der Baumschmuck wurde in diesem Jahr von der Lebenshilfe Rastatt/Murgtal gefertigt – von Menschen mit und ohne Behinderung.

Ulla Schmidt dankt für große Unterstützung 

Die Bundesvorsitzende der Lebenshilfe, die SPD-Abgeordnete Ulla Schmidt, begrüßte die Bundestagsvizepräsidentin sowie die Staatsministerin im Auswärtigen Amt, Michelle Müntefering (SPD), Staatssekretär Dr. Rolf Schmachtenberger (SPD) sowie Abgeordnete aller Fraktionen, die an der Baumübergabe teilnahmen.

Ulla Schmidt dankte für die „wundervolle Tanne, die unsere Gesellschaft widerspiegelt“, denn die sei auch „farbenfroh wie der Weihnachtsschmuck an diesem prachtvollen Weihnachtsbaum“. Sie dankte den Abgeordneten für die große Unterstützung für Menschen mit Behinderung. „Wir haben gemeinsam und fraktionsübergreifend in den letzten Jahren viel erreicht. Die UN-Behindertenrechtskonvention, die das Recht auf Teilhabe als unveräußerliches Menschenrecht regelt, ist eine große Errungenschaft. Nun gilt es, die Teilhabe auch im Wahlrecht aller Menschen mit einer Behinderung durchzusetzen – dieses Ziel gilt es bald zu erreichen und dafür brauchen wir die Unterstützung aller Fraktionen“, sagte Ulla Schmidt.

„Die Würde des Menschen ist unantastbar“

Petra Pau übernahm die Weihnachtstanne für die Parlamentarier Die Bundestagsvizepräsidentin bedankte sich bei allen, die am Schmuck für diesen wunderschönen Baum mitgewirkt haben. „Für mich ist das der schönste Baum im Deutschen Bundestag, er lässt ahnen, mit wie viel Liebe und Wärme der Schmuck von den Menschen in der Lebenshilfe hergestellt wurde.“ 

Pau erinnerte an den ersten Satz des Grundgesetzes: „Die Würde des Menschen ist unantastbar“ und erweiterte ihn mit den Worten: „Die Menschenwürde ist nicht verhandelbar“, egal, wo Menschen geboren werden, wo sie aufwachsen, ob sie arm sind oder eine Behinderung haben. „Vor 100 Jahren, im Januar 1919, konnten Frauen in Deutschland erstmals wählen gehen. Heute ist es Normalität. Ich wünsche mir, dass Menschen mit Behinderung ebenfalls bald wählen dürfen und dass es zur Normalität wird“.

Stellvertretend für alle Bundestagsabgeordneten nahm Petra Pau anschließend den Weihnachtsbaum entgegen und bedankte sich mit den Worten: „Die schöne Tradition, dass ein Weihnachtsbaum der Lebenshilfe den Bundestag schmückt, sollte auch im nächsten Jahr fortgeführt werden.“ (ste/bsl/29.11.2018) 

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