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Linke: Ausbildung muss gefördert werden

Bildung, Forschung und Technikfolgenabschätzung/Antrag - 26.04.2018 (hib 273/2018)

Berlin: (hib/ROL) Trotz guter wirtschaftlicher Konjunktur finden viele junge Menschen keinen passenden Ausbildungsplatz. Im Jahr 2017 haben 80.221 unversorgte Ausbildungsinteressierte nur 48.937 unbesetzten Ausbildungsplätzen gegenüber gestanden, schreibt die Fraktion Die Linke in einem Antrag (19/1830). Die Linke fordert die Bundesregierung auf, einen Gesetzentwurf vorzulegen, um einen Rechtsanspruch auf Ausbildung im Grundgesetz zu verankern, so dass allen jungen Menschen ermöglicht wird, eine vollqualifizierende, mindestens dreijährige Ausbildung aufzunehmen. Ferner soll eine solidarische Umlagefinanzierung geschaffen werden, die alle Betriebe für die Ausbildung junger Menschen in die Pflicht nimmt. So sollen wieder mehr Betriebe ausbilden und ausreichend Ausbildungsplätze geschaffen werden. Nicht einmal mehr zwanzig Prozent der Betriebe kümmerten sich überhaupt noch um die Ausbildung von qualifiziertem Nachwuchs, schreiben die Abgeordneten. So sei es nicht nachvollziehbar, dass die Wirtschaft immer wieder einen Fachkräftemangel beklage, der angesichts eines kontinuierlichen Rückgangs der Ausbildungsbetriebsquote doch eher hausgemacht erscheine.

Die Zahl der jungen Menschen bis 34 Jahren ohne Berufsabschluss sei auf 2,13 Millionen gestiegen. Der Ausbildungsmarkt sei also weniger von Passungsproblemen, sondern von einem grundlegenden Ausbildungsplatzmangel betroffen. Daran ändere auch die Selbstverpflichtung der Wirtschaft im Rahmen der Allianz für Aus- und Weiterbildung nichts, mehr Ausbildungsplätze der Bundesagentur für Arbeit zu melden. Für das Jahr 2016 seien 602.000 abgeschlossene Ausbildungsverträge nötig gewesen, um eine Einmündungsquote von 75 Prozent zu erreichen, was einem Plus von 82.650 zusätzlichen Ausbildungsplätzen entspreche.

Über 146.000 Ausbildungsverträge seien im Jahr 2016 vorzeitig aufgelöst worden. Das seien über 25 Prozent der Ausbildungen. Dabei gebe es je nach Wahl des Ausbildungsberufs große Unterschiede: Besonders betroffen seien Ausbildungsberufe wie Sicherheitskräfte, Köche, Restaurantfachkräfte oder Friseure. Dort liege die Abbruchquote um die 50 Prozent. Daneben beklagten besonders Unternehmen aus den Branchen des Lebensmittelhandwerks, der Gastronomie und des Reinigungsgewerbes, ihre Ausbildungsplätze nicht besetzen zu können. Aber auch in anderen Berufsfeldern mit starken Besetzungsproblemen führten die Auszubildenden häufig die Ausbildung nicht zu Ende. Auszubildendenmangel in bestimmten Branchen sei also vor allem ein Problem der Ausbildungsqualität sowie der Vergütung und damit hausgemacht, argumentiert die Linke.

Die Behauptung vieler Unternehmen, es gebe generell nicht genügend ausbildungswillige Jugendliche, lasse sich anhand der Statistik nicht halten: Nach wie vor befänden sich fast 300.000 junge Erwachsene in zahllosen Maßnahmen und "unnötigen Warteschleifen" des Übergangssystems. Nur etwa ein Drittel von ihnen beginne drei Monate nach Beendigung der Maßnahmen überhaupt eine Ausbildung. Nahezu die Hälfte derjenigen im Übergangssystem habe einen Hauptschulabschluss. Hier offenbare sich ein weiteres Problem: Viele Schulabgänger mit maximal Hauptschulabschluss bleibe der Zugang zu einem vollqualifizierenden Berufsabschluss de facto verwehrt. Der DGB habe laut der Linken nachweisen können, dass nur knapp jeder zweite Hauptschüler direkt den Sprung von der Schule in die Ausbildung schaffe. Zudem könnten sich Hauptschüler auf mehr als 60 Prozent aller angebotenen Ausbildungsplätze in der Lehrstellenbörse der Industrie- und Handelskammer (IHK) nicht einmal bewerben.

Die Linke fordert eine grundlegende Neuausrichtung der Förderpolitik und -praxis am Übergang in die Berufsausbildung, die eine individuelle und bedarfsgerechte Unterstützung sowie eine verbindliche Aufnahme einer Berufsausbildung in den Mittelpunkt stellt. Hierbei seien in einem ersten Schritt die auf mehrere Bundesministerien verteilten Programme und Initiativen auf ihre Wirksamkeit hin zu überprüfen, zu bündeln und etwa bei dem Bundesministerium für Bildung und Forschung anzusiedeln.